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Veränderungen der Körperzusammensetzung im Langzeitverlauf nach Ösophagektomie

Long-term variation in body composition following esophagectomy

FormalPara Originalpublikation

Boshier PR, Klevebro F, Jenq W et al (2021) Long-term variation in skeletal muscle and adiposity in patients undergoing esophagectomy. Dis Esoph. https://doi.org/10.1093/dote/doab016.

FormalPara Hintergrund und Fragestellung.

Patienten mit Ösophaguskarzinom sind bedingt durch die Tumorerkrankung selbst und die progrediente Dysphagie oft nicht in der Lage, die notwendige nutritive Energie zuzuführen. Die katabole Stoffwechsellage und der resultierende Gewichtsverlust beinhalten sowohl einen Verlust von Körperfett, aber auch quergestreifter Muskulatur (Sarkopenie). Die Mehrzahl der hierzu vorliegenden Studien fokussierte auf den präoperativen Status und konnte die veränderte Körperzusammensetzung als einen signifikanten Risikofaktor eines schlechteren postoperativen Outcome identifizieren. Von 2 Arbeitsgruppen aus London und Seattle wurden jetzt die Veränderungen von Körperfett und -muskulatur im Langzeitverlauf nach Ösophagektomie systematisch untersucht.

FormalPara Methoden.

In einem retrospektiven Studiendesign wurde bei 97 Patienten anhand der abdominellen Computertomographie (CT) auf Höhe des dritten Lumbalwirbels die Körperzusammensetzung radiologisch analysiert. Es wurden nur Patienten eingeschlossen, bei denen zum Zeitpunkt der Diagnose, nach neoadjuvanter Therapie und mindestens 6 Monaten nach Ösophagektomie CTs zur Auswertung vorlagen. Alle weiteren CTs im Langzeitverlauf wurden ebenfalls mit ausgewertet (Median von 2 CTs). Primärer Endpunkt der Analyse waren die zu beobachtenden Veränderungen der Körperzusammensetzung (Skelettmuskulatur, viszerales und subkutanes Fett); als sekundäre Endpunkte wurden mögliche prädiktive Faktoren der veränderten Körperzusammensetzung und der Einfluss dieser Veränderung auf das Langzeitüberleben untersucht.

FormalPara Ergebnisse.

Die Kernaussage dieser Arbeit ist, dass Patienten nach Ösophagektomie im Durchschnitt 13 % ihre Muskelmasse, 65 % ihres viszeralen und 44 % ihres subkutanen Fetts verlieren. Eine zum Zeitpunkt der Diagnose des Ösophaguskarzinoms vorliegende Sarkopenie war nicht mit einem schlechteren Gesamtüberleben assoziiert. Jedoch konnte gezeigt werden, dass eine progrediente Sarkopenie, diagnostiziert 12 Monate nach Ösophagektomie, das 5‑Jahres-Überleben signifikant verschlechterte (54 % vs. 88 %, p = 0,019). In der multivariaten Analyse bestätigte sich der Verlust an Muskelmasse („skeletal muscle index“) als prädiktiver Faktor eines reduzierten Gesamtüberlebens. Patienten mit einem Verlust von mehr als 40 % des subkutanen Fettgewebes 1 Jahr postoperativ zeigten ebenfalls ein schlechteres Langzeitüberleben (5-Jahres-Überlebensrate: 40 % vs. 67 %, p = 0,015).

FormalPara Fazit.

Die vorliegenden Ergebnisse dieser Arbeit führen noch einmal eindrücklich vor Augen, wie wichtig der Ernährungsstatus des Patienten nicht nur präoperativ, sondern auch nach Ösophagektomie ist. Insbesondere der Verlust an Muskelmasse im Langzeitverlauf scheint hier ein unterschätztes Problem zu sein. Die klinische Bedeutung dieser Daten liegt auf der einen Seite in der konsequenten Umsetzung der Prähabilitationskonzepte mit dem Ziel, die katabole Stoffwechsellage vieler Patienten mit Ösophaguskarzinom schon präoperativ zu durchbrechen. Auf der anderen Seite muss aber auch im postoperativen Verlauf eine zielgerichtete Nutrition erfolgen, die insbesondere die Komplikation eines „delayed gastric conduit emptying“ nach Magenhochzug in den Ernährungsprotokollen mit berücksichtigt.

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Correspondence to W. Schröder FACS, FEBS.

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Interessenkonflikt

W. Schröder und C.J. Bruns geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Schröder, W., Bruns, C.J. Veränderungen der Körperzusammensetzung im Langzeitverlauf nach Ösophagektomie. Chirurg (2021). https://doi.org/10.1007/s00104-021-01508-4

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