Traumatische Gefäßverletzungen

Traumatic vascular injuries

Zusammenfassung

Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts, seit Einführung von Antisepsis und Anästhesie, haben sich die Kenntnisse und Möglichkeiten der Versorgung traumatischer Gefäßverletzungen stetig verbessert. Aktuell erleben wir Verbesserungen in der präklinischen Versorgung durch verschiedene Damage-Control-Verfahren. In Abhängigkeit von der Gefäßverletzung selbst (stumpf/scharf/mit oder ohne Defekt) kann die Behandlung im Einzelfall konservativ sein, ist aber zumeist offen oder endovaskulär gefäßchirurgisch. Die operative Behandlung mit Direktnaht und Gefäßersatz wird im 21. Jahrhundert immer mehr durch verschiedene endovaskuläre Verfahren ergänzt.

Abstract

Since the beginning of the twentieth century and the implementation of anesthesia and antisepsis, the knowledge and possibilities in treatment of vascular injury has continuously improved. We are currently experiencing improvements in the preclinical management due to various damage control procedures. Depending on the type of vascular injury (blunt, sharp, with or without defect) the treatment can be conservative in individual cases but in most cases endovascular or open vascular surgery is necessary. In the twenty-first century the surgical treatment by direct suture or replacement of the vessel by a graft is increasingly being supplemented by various endovascular procedures.

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Abb. 1
Abb. 2
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Correspondence to Prof. Dr. Heiner Wenk.

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Interessenkonflikt

Gemäß den Richtlinien des Springer Medizin Verlags werden Autoren und Wissenschaftliche Leitung im Rahmen der Manuskripterstellung und Manuskriptfreigabe aufgefordert, eine vollständige Erklärung zu ihren finanziellen und nichtfinanziellen Interessen abzugeben.

Autoren

H. Wenk A. Finanzielle Interessen: Siemens Heathenneers, Medtronic, Dräger. B. Nichtfinanzielle Interessen: Ärztlicher Direktor, Klinik Lilienthal. Mitgliedschaften: Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie (Vorstandsmitglied bis Ende 2020), Österreichische Gesellschaft für Gefäßchirurgie (korrespondierendes Mitglied), Berufsverband Deutscher Chirurgen, Bremer Krebsgesellschaft (Vorstand).

Wissenschaftliche Leitung

Die vollständige Erklärung zum Interessenkonflikt der Wissenschaftlichen Leitung finden Sie am Kurs der zertifizierten Fortbildung auf www.springermedizin.de/cme.

Der Verlag

erklärt, dass für die Publikation dieser CME-Fortbildung keine Sponsorengelder an den Verlag fließen.

Für diesen Beitrag wurden von den Autoren keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.

Additional information

Wissenschaftliche Leitung

M. Betzler, Essen

H.-J. Oestern, Celle

P. M. Vogt, Hannover

CME-Fragebogen

CME-Fragebogen

Eine scharfe Gefäßverletzung vom Grad III beschreibt …

eine vollständige Durchtrennung des Gefäßes.

eine spaltförmige Durchtrennung des Gefäßes.

eine lochförmige Durchtrennung des Gefäßes.

eine isolierte Verletzung der Adventitia.

eine isolierte Verletzung der Media.

Eine stumpfe Gefäßverletzung vom Grad I beschreibt …

eine vollständige Zerstörung der Arterienwand.

ein posttraumatisches Aneurysma.

einen Adventitiariss.

einen Intimariss.

einen Mediariss.

Die Aortenruptur am Übergang vom Bogen zur Aorta descendens …

ist eine atypische Aortenverletzung.

führt in der Regel zum Tode.

muss sofort versorgt werden.

erfordert die Thorakotomie mit Gefäßersatz.

wird idealerweise mit einer Stentprothese versorgt.

Verletzungen der mesenterialen Gefäßachse …

erfordern wegen ihrer Komplexität eine explorative Laparotomie.

sollen konservativ behandelt werden.

sollen endovaskulär behandelt werden.

sind klinisch irrelevant.

können wegen der Darmischämiezeit verzögert behandelt werden.

Das Damage-Control-Verfahren bei traumatischen Gefäßverletzungen umfasst beispielsweise:

Die Freilegung der A. femoris communis im Schockraum mit Patchplastik bei Blutung

Die anfgiographische Embolisation eines blutenden Astes der A. radialis

Die Freilegung der A. brachialis am Unfallort mit Übernähung bei großem Hämatom

Die temporäre Shunteinlage bei zerrissener, freiliegender A. carotis communis

Adaptierende Nähte bei Nahezu-Amputation der Hand

REBOA („resuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta“) …

beinhaltet eine extraluminale Ballonblockade.

dient der definitiven Blutungskontrolle.

ist ein recht komplikationsarmes Verfahren.

lässt sich vom Notarzt am Unfallort durchführen.

ist in der zivilen Medizin Traumazentren vorbehalten.

Die Basisbehandlung des Schocks dient in erster Linie der Aufrechterhaltung der Durchblutung …

des Gehirns.

des Darmes.

der Haut.

der Muskulatur.

der Nieren.

Notfalldiagnostik mit der größten Aussagekraft und dem breitesten Anwendungsspektrum bei traumatischer Gefäßverletzung ist der/die …

Doppler.

Duplex.

konventionelle Röntgenuntersuchung.

Magnetresonanztomographie.

Kontrastmittelcomputertomographie.

Wie werden arterielle Gefäßverletzungen bei Kindern vorzugsweise versorgt?

Durch alloplastischen Gefäßersatz

Mittels Gefäßligatur

Wenn möglich mit evertierenden Einzelknopfnähten

Meist konservativ

Durch Venenbypasses

Ein 27-jähriger i.v. drogenabhängiger Patient wird mit einer pulsierenden Schwellung links inguinal mit lokaler flächenhafter Rötung und Überwärmung in der Zentralen Notaufnahme vorstellig. Er berichtet, dass eine Injektion vor etwa einer Woche links inguinal schwierig gewesen sei und seitdem eine zunehmende schmerzhafte Schwellung vorhanden sei. Das linke Bein inkl. Fuß ist warm und rosig. Es besteht eine Leukozytose von 18.000, der Hämoglobinwert beträgt 5,341 mmol/l. Die Computertomographie-Angiographie dokumentiert ein großes Hämatom mit Lufteinschlüssen paravasal und eine Kontrastmittelfahne im Bereich der A. femoris communis 3 cm proximal der Femoralisgabel. Die Arteria femoralis superficialis und die A. profunda femoris sind anteilig kontrastiert. Welches Vorgehen wählen Sie?

Antibiotische Vorbehandlung, duplexsonographische Verlaufskontrollen und operative Revision im Intervall

Unverzügliche Abszessausräumung, Spülung, Drainage und primärer Wundverschluss, Kompressionsverband

Sofortige Freilegung, Abstrichentnahme, Hämatomausräumung, Spülung, ggf. Gefäßübernähung, ggf. Polytetrafluorethylen(PTFE)-Interponat, offene Wundbehandlung

Sofortige Revision, Abstrichentnahme, Hämatomausräumung, Gefäßübernähung, Spülung, bei unklarer Perfusion ggf. Angiographie, VAC(„vacuum assisted closure“)-Verband

Sofortige Revision, Abstrichentnahme, Spülung, kurzes femorofemorales Veneninterponat, offene Wundbehandlung

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Wenk, H. Traumatische Gefäßverletzungen. Chirurg (2021). https://doi.org/10.1007/s00104-021-01390-0

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Schlüsselwörter

  • Damage-Control
  • Verletzungsmuster
  • Klinische Behandlung
  • Unfälle
  • Endovaskuläre Verfahren

Keywords

  • Damage control
  • Injury patterns
  • Clinical treatment
  • Accidents
  • Endovascular procedures