Skip to main content

Kompetenz – Kreativität – Kommunikation

Competence, creativity, communication

In dieser Ausgabe der Zeitschrift Der Chirurg erscheinen unter dem Kongressmotto des Deutschen Chirurgenkongresses (DCK) 2021 „Kompetenz – Kreativität – Kommunikation“ vier Beiträge von Autoren aus vier Mitgliedsgesellschaften der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Das Kongressmotto adressiert drei wesentliche Elemente des chirurgischen Denkens und Handelns. Hervorragende Kompetenz, erworben durch strukturierte Aus- und Weiterbildung, ist nicht nur unser Anspruch, sondern insbesondere das, was unsere Patienten und die Studierenden von uns erwarten und auch erwarten dürfen. Kreativität ist der Motor von Neuerungen und Weiterentwicklungen in Patientenversorgung, Lehre und Forschung. Individuelle Kreativität ist vor allem immer dann nötig, wenn unerwartete Ereignisse, insbesondere auch während operativer Eingriffe, eintreten. Die Kommunikation mit Patienten und Kollegen, dazu gehört auch der wissenschaftliche Austausch während eines Kongresses, speziell heute unter Einsatz der Digitalisierung, ist ein wesentliches Element des ärztlichen Berufes.

Aus dem Fachgebiet der Kinderchirurgie stammt der Artikel von Tafazzoli et al. mit dem Titel „Interdisziplinäre Endoskopie bei Kindern“. Die Autoren beschreiben die Indikationen für endoskopische und endoskopisch unterstützte Eingriffe in der Kinderchirurgie. Sie empfehlen sowohl zur Qualitätsverbesserung als auch zur Qualitätssicherung die Etablierung eines interdisziplinären Teams, um sich insbesondere bei schwierigen Fällen austauschen zu können („Kommunikation“) und durch Bündelung von Kompetenzen besser zu werden bzw. zu sein als der Einzelne. Für die Zukunft bedarf es sowohl der Entwicklung endoskopischer Verfahren für Frühgeborene („Kreativität“) als auch der Weiterentwicklung von Techniken und Apparaturen, insbesondere auf dem Gebiet Darmversagen und Motilitätsstörungen.

“Die Weiterentwicklung endoskopischer Operationsverfahren hat erhebliches Potential in der Kinderchirurgie”

Der Beitrag von Tavassol und Gellrich beschäftigt sich aus Sicht der Mund‑, Kiefer- und Gesichtschirurgie mit der Umsetzung computergestützter Planungen und veranschaulicht, wann kreativ improvisiert werden muss. Computergestützte Planungen sind heute fester Bestandteil komplexer Eingriffe am Gesichtsskelett, insbesondere bei skelettalen Rekonstruktionen, bei Umstellungsosteotomien und in der Traumatologie. Sie sind auch Grundlage der Herstellung patientenspezifischer Implantate (PSI). Dies erfordert eine enge Abstimmung zwischen den Chirurgen und den planenden/herstellenden Ingenieuren („Kommunikation“). Zudem ist klinische Erfahrung („Kompetenz“) und speziell bei der Planung von PSIs Kreativität erforderlich. Trotz sorgfältigster Planung und Realisation eines computergestützten Eingriffes darf nicht vergessen werden, dass sich die zu behandelnden Krankheitsbilder dynamisch verändern können. Demzufolge kann sich die klinische Situation zwischen Planungsbeginn und Operationsumsetzung verändert haben, wodurch individuell kreative Lösungsansätze gefunden werden müssen.

Aus der Neurochirurgie kommt der Beitrag „Hirnmetastasen – interdisziplinär zur personalisierten Behandlung“. Darin gehen Grau et al. auf den Therapiefortschritt und auf geänderte Konzepte bei der Behandlung von Hirnmetastasen ein. Die Fortschritte mit deutlich verbesserten Überlebenszeiten resultieren wesentlich aus der interdisziplinären Vernetzung von Chirurgen, Strahlentherapeuten und internistischen Onkologen sowie aus der Entwicklung interdisziplinärer Therapiekonzepte („Kommunikation“). Dabei kommt der Entwicklung und dem Einsatz neuer immunmodulatorischer Medikamente („Kreativität“) eine wesentliche Rolle zu. Die komplexen Therapieansätze werden unter Bündelung der Kompetenzen verschiedener beteiligter Fächer zunehmend individualisiert im Sinne einer personalisierten Medizin.

“Interdisziplinäre Konferenzen können die Qualität der Traumaversorgung verbessern”

Der Artikel von Stolberg-Stolberg et al. analysiert die Situation der Traumatologie in Deutschland und macht unter dem Titel „Kompetenz, Kreativität und Kommunikation: Grundlagen zur Qualitätsverbesserung in der Traumatologie – Realität und Herausforderung der Zukunft“ Vorschläge zur weiteren Qualitätsverbesserung in der Traumaversorgung („Kreativität“). Als wesentlich wird dabei die interdisziplinäre Vernetzung („Kommunikation“) der verschiedenen an der Traumaversorgung beteiligten Fachgebiete beispielsweise in einer interdisziplinären muskuloskelettalen Konferenz angesehen, damit eine bestmögliche Therapie („Kompetenz“) erfolgen kann. Weitere Vorschläge sind der Apotheker auf Station, die strukturierte Delirprophylaxe in der Alterstraumatologie und die digitale Vernetzung wie beispielsweise digitale Sprechstunden, Teleschockräume und die computerassistierte Entscheidungsfindung bei Traumapatienten.

Alle vier Beiträge illustrieren, wie enorm wichtig heute der interdisziplinäre Dialog und Austausch in Kombination mit der Entwicklung interdisziplinärer Therapie- und Lösungsansätze ist und von allen Fachgebieten so gesehen wird. Ohne es direkt angesprochen zu haben, unterstreicht dies die Bedeutung großer Fachkongresse wie dem DCK, unter dessen Dach es zu einem wissenschaftlichen und gesundheitspolitischen Austausch der beteiligten Fachgesellschaften kommt.

figure a

Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Michael Ehrenfeld

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding author

Correspondence to Michael Ehrenfeld.

Ethics declarations

Interessenkonflikt

M. Ehrenfeld gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Additional information

Redaktion

M. Ehrenfeld, München

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Ehrenfeld, M. Kompetenz – Kreativität – Kommunikation. Chirurg 92, 187–188 (2021). https://doi.org/10.1007/s00104-021-01352-6

Download citation

  • Accepted:

  • Published:

  • Issue Date:

  • DOI: https://doi.org/10.1007/s00104-021-01352-6