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Der Chirurg

, Volume 90, Issue 12, pp 955–956 | Cite as

Lymphknotendissektion bei primären und sekundären Tumoren der Lunge

  • J. SchirrenEmail author
Einführung zum Thema
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Lymph node dissection in primary and secondary tumors of the lungs

Eine erfolgreiche Resektion primärer oder sekundärer Malignomen der Lunge muss Mindestanforderungen erfüllen. Als eine „good quality resection“ (GQR) gilt eine Resektion beim Lungenkarzinom, wenn sie innerhalb anatomischer Grenzen (anatomisches Segment und größer), makroskopisch und mikroskopisch im Gesunden (R0) und unter Mitnahme drainierender Lymphknoten in Lunge und Mediastinum erfolgt.

Die S3-Leitlinie Lungenkarzinom fordert bei kurativen Resektionen die GQR und erachtet die systematische Dissektion ipsilateraler Lymphknoten als „unveräußerlichen Teil“ der Operation. Die Forderung nach einer systematischen Dissektion fußt jedoch auf einem schwachen Evidenzlevel (Level C).

Qualitätsmerkmale der Lymphknotendissektion sind nicht definiert

Art, Technik und Ausmaß der Dissektion unterscheiden sich. Qualitätsmerkmale der Dissektion sind nicht definiert. International konkurrieren Dissektion und Sampling miteinander. Die Europäische Gesellschaft für Thoraxchirurgie (ESTS) unterscheidet fünf Techniken der Lymphknotenentfernung, allein drei Formen der Dissektion.

Welche Form der Dissektion wird dem biologischen Verhalten des Lungenkarzinoms und den Besonderheiten des thorakalen Lymphsystems am gerechtesten? Was sind die Qualitätsmerkmale einer systematischen Lymphknotendissektion? Neunundfünfzig Jahre nach ihrer Erstschreibung bleibt weiter unklar, ob die systematische, kompartimentorientierte Dissektion gerade im Zeitalter der individualisierten Tumortherapie als eigenständige Therapiemodalität unabdingbar oder nur die Maximalform des invasiven Nodalstagings ist.

In dieser Ausgabe von Der Chirurg mit dem Leitthema „Lymphknotendissektion bei primären und sekundären Tumoren der Lunge“ werden die Notwendigkeit und Technik der systematischen Lymphknotendissektion an Lunge und Mediastinum dargestellt und die Rolle der Lymphknotendissektion im Rahmen mulitmodaler Therapiekonzepte diskutiert.

Der Chirurg verbürgt sich durch seine Sorgfalt für die Vollständigkeit der Dissektion

Sind die Qualitätsmerkmale der Lungenkarzinomchirurgie uneingeschränkt auf die Metastasenchirurgie der Lunge übertragbar? Die extraanatomische Resektion der Lungenmetastase ist etabliert und legitim, bedarf es somit auch keiner Dissektion von Lymphknoten? Als relevantester Prognosefaktor der Metastasenchirurgie gilt die Vollremission der Erkrankung nach der Resektion. Inwieweit die Lymphknotendissektion einzig eine diagnostische Maßnahme darstellt oder zur Vollremission beiträgt ist nicht abschließend geklärt. Sicher ist allerdings, dass lokale Komplikationen durch Einbruch in mediastinale Organe vermieden werden können und somit Lebensqualität und ggf. -zeit gewonnen wird.

Die Bewertung der Ergebnisse der Lymphknotendissektion bei Tumorbefall ist komplex. Art, Technik und Dosis einer Chemo- und/oder Radiotherapie sind standardisiert. Art, Technik und Ausmaß der Lymphknotendissektion unterliegen der Auslegung des Chirurgen. Eine unvollständige Lymphknotendissektion kann nicht durch aggressive, additive System- oder Strahlentherapien korrigiert werden. Der Chirurg verbürgt sich durch seine Sorgfalt für die Vollständigkeit der Dissektion.

Der Einsatz der Immun- und Tyrosinkinaseinhibitor(TKI)-Therapien führen dazu, dass die Grenzen zwischen Palliation und Kuration verschwimmen. TKI- und Immuntherapien werden in Zukunft in neoadjuvante und adjuvante Therapieregime integriert werden. Die Grenzen der technischen und onkologischen Operabilität werden sich damit verschieben. Die Chirurgie wird ihre Führungsposition in der kurativen Therapie des Lungenkarzinoms jedoch nur dann behaupten können, wenn sie ihre Mindestanforderungen maximiert.

Die systematische mediastinale, hiläre und interlobäre Lymphknotendissektion innerhalb anatomischer Kompartimente ist integraler Bestandteil der lokoregionären R0-Resektion. Sie ist nicht radikal, superradikal oder ultraradikal, sie ist einzig vollständig oder unvollständig. Ein Vergleich mit der Hallstedt-Tumorchirurgie an der Mamma ist nicht gegeben. Die systematische Lymphknotendissektion an Lunge und im Mediastinum muss nach den gleichen Prinzipien der Kompartimentresektion intestinaler Karzinome erfolgen.

Prof. Dr. Joachim Schirren

Notes

Interessenkonflikt

J. Schirren gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für ThoraxchirurgieAgaplesion Frankfurter Diakonie KlinikenFrankfurt am MainDeutschland

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