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Der Chirurg

, Volume 87, Issue 12, pp 999–1001 | Cite as

Operationssaal der Zukunft

  • B. P. Müller-Stich
  • M. W. Büchler
Einführung zum Thema
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Operating rooms of the futures

Moderne Operationssäle zeichnen sich durch ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Berufsgruppen und die Nutzung einer Vielzahl technischer Geräte aus. Insbesondere in der minimalinvasiven Chirurgie stellt die Minimierung des Zugangstraumas bei gleichzeitig immer ausgedehnteren Eingriffen beispielsweise in der Rektum-, Pankreas- oder Ösophaguschirurgie hohe Anforderungen an den Chirurgen und sein Team sowie die genutzten Werkzeuge und Technologien. Während in anderen, ähnlichen technisierten Arbeitsfeldern, wie der Luft- und Raumfahrt, oder sogar in modernen Automobilen intelligente Assistenzsysteme die Nutzer unterstützen und die Sicherheit erhöhen, sind derartige Systeme im Operationssaal bisher kaum zu finden.

Mittlerweile findet jedoch ein Umdenken statt: Waren Symposien, die sich mit dem Operationssaal der Zukunft befassen [1], vor wenigen Jahren noch die Ausnahme, so gibt es heute auch in Deutschland zahlreiche chirurgische Forschungsgruppen, die neue Technologien für den Operationssaal der Zukunft entwickeln und in die klinische Translation überführen.

In dieser Schwerpunktausgabe zum „Operationssaal der Zukunft“ in Der Chirurg sollen das breite Arbeitsfeld der aktuellen Entwicklungen, aber auch die neuesten Forschungsergebnisse dargestellt werden.

Im ersten Beitrag stellen Feußner et al. den Status quo integrierter Operationssäle dar. Auf Grundlage der derzeit kommerziell verfügbaren Systeme werden die Ergebnisse des BMBF-Leuchtturmprojekts OR.NET vorgestellt, in dem die deutsche Medizintechnikindustrie ein internationales Programm zur Verknüpfung sämtlicher Geräte im Operationssaal anstrebt, um die Grundlage für den digitalen Operationssaal zu schaffen.

Darauf aufbauend stellen Strauß et al. am Beispiel der Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie dar, wie aufbauend auf der Digitalisierung von Patientendaten eine maßvolle Standardisierung von Operationsabläufen nicht nur die automatisierte Dokumentation verbessern, sondern – ähnlich den Checklisten eines Piloten – die Sicherheit bei chirurgischen Eingriffen erhöhen kann.

Die aktuellen Möglichkeiten intraoperativer mehrdimensionaler Visualisierung stellen Sperling et al. dar. Sie zeigen auf, welche Möglichkeiten die Nutzung von Techniken der erweiterten Realität zur Anzeige präoperativer Bilddaten oder auch die intraoperative Computertomographie oder Magnetresonanztomographie bieten. Darüber hinaus wird gezeigt, dass spezialisierte Bildgebungstechnologien wie Fluoreszenz oder Optoakustik durch Visualisierung von Risikostrukturen (Gallengang, Gefäße) oder Zielstrukturen (Lebermetastasen nach Chemotherapie) die intraoperative Entscheidungsfindung verändern können.

Welche Bedeutung der Einsatz von Robotik im Operationssaal hat, insbesondere bei komplexen Operationen mit aufwendiger Rekonstruktionsphase, stellen Kirchberg et al. dar. Sie zeigen, dass die Robotik sich auch in Deutschland in den letzten Jahren zunehmend aus der Nische in die breitere Anwendung entwickelt hat. Dabei sind jedoch, auch vor dem Hintergrund der hohen Kosten, randomisierte Studien weiterhin dringend notwendig.

Im Beitrag von Kenngott et al. soll gezeigt werden, warum der Operationssaal der Zukunft ein „intelligenter Operationssaal“ sein muss. Um das Potenzial der beschriebenen neuen Technologien im Operationssaal auszuschöpfen, wird nicht nur eine umfassende Integration der Geräte notwendig sein. Durch die Nutzung chirurgischen Hintergrundwissens und kognitiver Technologien der Informationsverarbeitung wird der Operationssaal der Zukunft idealerweise zu einem aufmerksamen Mitarbeiter werden, der ähnlich einem guten menschlichen Assistenten mitdenkt, vom Chirurgen lernt, ihn unterstützt und vor Gefahren warnt.

Eine solche Entwicklung muss allerdings von den Chirurgen angetrieben werden, denn die Anforderungen an Forschung und Industrie können nur von den Chirurgen definiert werden. Nur so lässt sich die Zukunft der Chirurgie am Patientenwohl und am chirurgischen Bedarf ausrichten. Ein entsprechender Dialog unter Chirurgen, aber auch zwischen Entwicklern, Industrie und Chirurgen um den Operationssaal der Zukunft ist daher von entscheidender Bedeutung.
Prof. Dr. Beat P. Müller-Stich

Prof. Dr. Markus W. Büchler

Notes

Interessenkonflikt

B. P. Müller-Stich und M. W. Büchler geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Cleary K, Kinsella A (2004) OR2020: The Operating Room of the Future“ Workshop Report, 18.–20.03.2004. http://www.dtic.mil/dtic/tr/fulltext/u2/a430482.pdf. Zugegriffen: 5. Okt. 2016Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Allgemein-, Viszeral- und TransplantationschirurgieUniversitätsklinikum HeidelbergHeidelbergDeutschland

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