Vernetzte kommunale Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche

Überblick über den Status quo in Deutschland

Health promotion networks for children and youth on the local level

An overview of the status quo in Germany

Zusammenfassung

In den letzten Jahren haben immer mehr Kommunen damit begonnen, sektorenübergreifende Netzwerke der Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche aufzubauen. Sie werden dabei von zahlreichen Initiativen auf Bundes- und Länderebene unterstützt. Ziel des Beitrags ist es, einen Überblick über diese Initiativen zu geben sowie zentrale Hindernisse der Umsetzung vernetzter kommunaler Gesundheitsförderung darzustellen. Hierfür behandelt der Beitrag zunächst allgemein die Rolle der Kommunen im Bereich der Gesundheitsförderung, bevor die Initiativen beschrieben werden. Als zentrale Hindernisse der Umsetzung identifiziert der Beitrag die schlechte Finanzsituation vieler Kommunen, Schwierigkeiten bei der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit der Kommunalverwaltungen, die im internationalen Vergleich schwache Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) sowie die fehlende Evidenz der Wirksamkeit vernetzter und integrierter Ansätze für Deutschland. Anhand der Beispiele Großbritannien und des Bezirks Västerbotten in Schweden werden zudem zwei gesundheitspolitische Alternativen aufgezeigt.

Abstract

In recent years, more and more municipalities in Germany have started to establish cross-sectoral health promotion networks for children and teenagers. They are supported by several initiatives at the state and federal level. The aim of this article is to provide an overview of these initiatives and to describe the central barriers for the implementation of health promotion networks on the local level. For this purpose, the authors first outline the role of municipalities in health promotion in Germany in general, and then describe the initiatives in more detail. The authors identify four central obstacles for implementing health promotion networks on the local level: the tight financial situation of many municipalities, difficulties of the local public service in realizing intersectoral cooperation, the traditionally weak role of the local health service, and missing evidence for Germany regarding the effectiveness of networks and integrated strategies. In addition, the article presents two alternative solutions: Great Britain and Västerbotten, a county in Sweden.

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Abb. 1

Notes

  1. 1.

    Frühe Hilfen sind durch Artikel 1 „Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz“ des Bundeskinderschutzgesetzes vom 22.12.2011 bundesgesetzlich geregelt.

  2. 2.

    Weitere Informationen zur Umsetzung in Niedersachsen finden sich auf der Website www.praeventionsketten-nds.de.

  3. 3.

    Näheres zu dem Programm findet sich unter [15].

  4. 4.

    Das Modellprojekt trug ursprünglich den Titel „Kein Kind zurücklassen, Kommunen in NRW beugen vor (KeKiz)“, wurde aber nach dem Regierungswechsel 2017 von der neuen schwarz-gelben Landesregierung in „Kommunale Präventionsketten“ umbenannt und wird vorläufig bis Ende 2018 weitergeführt. Weitere Informationen zum Modellprojekt finden sich unter www.kommunale-praeventionsketten.de.

  5. 5.

    Seit der ersten Phase beteiligte sich so beispielsweise auch die Stadt Dormagen am Modellprojekt KeKiz. Schon seit Mitte der 1990er-Jahre wurde dort die Zusammenarbeit von Kinder- und Jugendhilfe mit dem Sozialamt intensiviert und seitdem in verschiedenen Schritten ein Netzwerk für Familien aufgebaut, zu dessen Angebot seit dem Jahr 2006 auch Willkommensbesuche zählen. Vgl. [18].

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Böhm, K., Gehne, D. Vernetzte kommunale Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche. Bundesgesundheitsbl 61, 1208–1214 (2018). https://doi.org/10.1007/s00103-018-2803-2

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Schlüsselwörter

  • Prävention
  • Integrierte Strategien
  • Sektorenübergreifenden Zusammenarbeit
  • Frühe Hilfen
  • Netzwerk

Keywords

  • Disease prevention
  • Integrated strategies
  • Intersectoral cooperation
  • Early interventions
  • Municipalities