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Kriterien zur Beurteilung von Nahrungsergänzungsmitteln

Marketability of food supplements – criteria for the legal assessment

Zusammenfassung

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel. Die verwendeten Stoffe und die Kennzeichnung der Erzeugnisse müssen den komplexen rechtlichen Anforderungen des Lebensmittelrechts genügen. Verantwortlich für die Einhaltung der Regelungen ist der Lebensmittelunternehmer. Im vorliegenden Beitrag werden die einzelnen Prüfschritte beschrieben, die sicherstellen, dass ein Erzeugnis rechtmäßig als NEM in Verkehr gebracht werden kann. In einem Ablaufschema werden die Prüfschritte übersichtlich dargestellt. Bei den verwendeten Inhaltsstoffen ist auszuschließen, dass sie eine pharmakologische Wirkung entfalten und als Arzneimittel einzustufen sind. Handelt es sich um ein Lebensmittel, muss der Lebensmittelunternehmer sicherstellen, dass es sich nicht um ein nichtgenehmigtes neuartiges Lebensmittel oder eine neuartige Lebensmittelzutat handelt und dass die eingesetzten Stoffe nicht unsicher sind. Zudem muss er bei Abweichungen von den Regelungen der nationalen Gesetzgebung gegebenenfalls eine Ausnahmegenehmigung oder eine Allgemeinverfügung beantragen. Die EU-weit gültigen Regelungen mit Höchst- und Mindestmengen für Zusatzstoffe, Aromen und Enzyme müssen ebenso eingehalten werden wie die Höchstgehalte für Rückstände und Kontaminanten. Auf der Verpackung sind sowohl die Pflichtangaben vollständig und richtig zu kennzeichnen als auch die freiwilligen Angaben, wie beispielsweise die gesundheitsbezogenen Angaben. Es wird ein Überblick über Informationen gegeben, die im Bundesamt zu NEM vorliegen: In Schaubildern werden die Anzahl der Anzeigen von NEM übersichtlich dargestellt sowie Schnellwarnungen zu nicht rechtmäßig als NEM vermarkteten Erzeugnissen aufgelistet. Ein kurzer Überblick über die Kontrolle des Handels von Nahrungsergänzungsmitteln im Internet rundet das Bild ab.

Abstract

To be placed on the market legally, food supplements have to meet national and European food law regulations. This is true for all substances used as well as for the labeling on the packaging of and the advertising for food supplements. The food business operator is responsible for its compliance with all regulations. Therefore, in this article, a concise step-by-step assessment is presented, covering all necessary legal requirements to market food supplements. Additionally, all steps are visualized in a flow chart. All vitamins, minerals and other substances used have to meet the legal conditions. Food business operators have to make sure that their products do not contain medicinal ingredients based on their pharmacologic effect. It is prohibited to place medicinal products as food supplements on the market. Furthermore, food business operators have to make sure that their products are not non-authorized novel foods according to the novel food regulation (EC) no. 258/97. Also, food supplements have to meet the requirements of article 14 of Regulation (EC) No. 178/2002 concerning the safety of foodstuff. Food shall not be placed on the market if it is unsafe. For food supplements that fail the German food-related legal standards but are legally manufactured in another EU member state or are legally put into circulation, the importer requires the so-called general disposition, which must be applied for at the BVL according to § 54 of the German Food and Feed Act. Another possibility for food which fails to meet German food law is to apply for a certificate of exemption according to § 68 of the Food and Feed Act. The food business operator has to meet the harmonized regulations concerning maximum and minimum levels of additives, flavors and enzymes. The packaging has to meet the compulsory labeling as well the voluntary labeling, like health claims. The BVL is also the relevant authority for other tasks concerning food supplements. A figure shows all notifications since 2005 of food supplements in Germany at the BVL. Additionally, an overview for notifications in the rapid alert system for food and feed concerning food supplements is given as well as a brief introduction into the survey of food supplements marketed on the internet.

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Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 4
Abb. 5

Notes

  1. Verordnung (EG) Nr. 178/2002 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28.1.2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts, zur Errichtung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und zur Festlegung von Verfahren zur Lebensmittelsicherheit (ABL. L 31 vom 1.2.2002, S. 1).

  2. Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25.10.2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel und zur Änderung der Verordnungen (EG) Nr. 1924/2006 und (EG) Nr. 1925/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates und zur Aufhebung der Richtlinie 87/250/EWG der Kommission, der Richtlinie 90/496/EWG des Rates, der Richtlinie 1999/10/EG der Kommission, der Richtlinie 2000/13/EG des Europäischen Parlaments und des Rates, der Richtlinien 2002/67/EG und 2008/5/EG der Kommission und der Verordnung (EG) Nr. 608/2004 der Kommission.

  3. Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20.12.2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel (Health Claims Verordnung – HCVO).

  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16.5.2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel als Angaben über die Reduzierung eines Krankheitsrisikos sowie die Entwicklung und die Gesundheit von Kindern.

  5. Verordnung (EG) Nr. 353/2008 der Kommission vom 18.4.2008 zur Festlegung von Durchführungsbestimmungen für Anträge auf Zulassung gesundheitsbezogener Angaben gemäß Artikel 15 der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates.

  6. Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16.12.2008 über Lebensmittelzusatzstoffe.

  7. Verordnung (EG) Nr. 1334/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16.12.2008 über Aromen und bestimmte Lebensmittelzutaten mit Aromaeigenschaften zur Verwendung in und auf Lebensmitteln sowie zur Änderung der Verordnung (EWG) Nr. 1601/91 des Rates, der Verordnungen (EG) Nr. 2232/96 und (EG) Nr. 110/2008 und der Richtlinie 2000/13/EG (Text von Bedeutung für den EWR).

  8. Verordnung (EG) Nr. 396/2005 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23.2.2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen Ursprungs und zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG des Rates.

  9. Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 der Kommission vom 19.12.2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln.

  10. Verordnung (EG) Nr. 1925/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 20.12.2006 über den Zusatz von Vitaminen und Mineralstoffen sowie bestimmten anderen Stoffen zu Lebensmitteln (ABl. L 404 vom 30.12.2006, S. 26).

  11. Richtlinie 2002/46/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 10.6.2002 zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über Nahrungsergänzungsmittel.

  12. Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Betäubungsmittelgesetz – BtMG).

  13. Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 27.1.1997 über neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten zuletzt geändert durch die Verordnung (EG) Nr. 596/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18.6.2009 (Novel-Food-Verordnung).

Literatur

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  2. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit – Statistik des Referats 104

  3. Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit – interne Statistik des Referats 101

  4. Informationen für Antragsteller zum Verfahren zur Genehmigung gesundheitsbezogener Angaben auf Lebensmitteln http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/01_HealthClaims/lm_healthClaims_node.html#doc1406756bodyText4. Zugegriffen: 1. Sept. 2016

  5. Register der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben http://ec.europa.eu/nuhclaims/?event=search&CFID=2563545&CFTOKEN=d2f3495c6e3381f6-F5786092-BAA3-718E-D16C735940CD1AF4&jsessionid=9312a103d97ad52a89ae5943617 f05152966TR. Zugegriffen: 1. Sept. 2016

  6. https://www.efsa.europa.eu/de/topics/topic/nutrition. Zugegriffen: 1. Sept. 2016

  7. Stephan K (2017) Pharmakologische Wirkung als Kriterium von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln. Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz 60(3) (Im Druck)

  8. Novel Food Katalog http://ec.europa.eu/food/safety/novel_food/catalogue/search/public/index.cfm. Zugegriffen: 1. Sept. 2016

  9. Zugelassene neuartige Lebensmittel http://ec.europa.eu/food/safety/novel_food/authorisations/list_authorisations/index_en.htm. Zugegriffen: 1. Sept. 2016

  10. Informationen für Antragsteller zur Genehmigungsverfahren nach der Verordnung über neuartige Lebensmittel und Lebensmittelzutaten www.bvl.bund.de/novelfood. Zugegriffen: 1. Sept. 2016

  11. BVL (2014) Stoffliste des Bundes und der Bundesländer – Kategorie „Pflanzen- und Pflanzenteile“. BVL Report, Bd. 8.4. Springer, Basel

    Google Scholar 

  12. Homepage der Gemeinsamen Expertenkommission http://www.bvl.bund.de/DE/01_Lebensmittel/01_Aufgaben/07_Expertenkommission/lm_expertenkommission_node.html. Zugegriffen: 1. Sept. 2016

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Danksagung

Ich danke den Kollegen im BVL sehr herzlich, die Informationen für diesen Artikel beigesteuert haben. Hier seien stellvertretend genannt: Dr. Peter Kranz (BVL, Referat 190, G@ZIELT), André Hans, David Trigo (BVL, Referat 104, Nationale Kontaktstelle des RASFF) und Frau Dr. Noble (BMEL). Mein besonderer Dank gilt den Referenten, Sachbearbeitern und Bürosachbearbeitern des Referats 101 des BVL, Herrn Florian Riedel, Frau Susanne Köhler, Frau Susann Hönig, Frau Dr. Carolin Bendadani, Frau Klara Jirzik, Frau Marianne Blattmann-Greschniok, Herrn Dr. Marcel Duhs, Frau Marie-Kristin Höbert, Frau Birgit Liebscher, Frau Sabine Kantemir, Frau Ulrike Saerbeck und Herrn Michael Jud sowie Frau Doreen Schmidt, Frau Maria Meier und Herrn Marco Kannemann. Sie sorgen mit ihrer täglichen Arbeit dafür, dass die gesetzlichen Aufgaben des BVL in diesem Bereich erledigt werden, auf der hier mehrfach zitierten Homepage des BVL neue und aktuelle Informationen unter anderem zu Nahrungsergänzungsmitteln zur Verfügung stehen und sich die Öffentlichkeit damit umfassend informieren kann.

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E. Breitweg-Lehmann gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

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Breitweg-Lehmann, E. Kriterien zur Beurteilung von Nahrungsergänzungsmitteln. Bundesgesundheitsbl 60, 277–285 (2017). https://doi.org/10.1007/s00103-016-2504-7

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Schlüsselwörter

  • Nahrungsergänzungsmittel
  • Lebensmittelsicherheit
  • Rechtliche Einstufung
  • Beurteilung
  • Prüfschritte

Keywords

  • Food supplement
  • Food safety
  • Legal assessment
  • Step-by-step survey
  • Evaluation