Hintergrund
Angesichts der Zunahme antibiotikaresistenter Bakterien wurde im Jahr 2011 die Verpflichtung für Kliniken und Einrichtungen für ambulantes Operieren zur Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance (AVS) im Infektionsschutzgesetz festgeschrieben. Die Gesundheitsämter sollen die Einhaltung dieser Vorgabe überwachen. Nachfolgend werden die AVS-Daten aller Krankenhäuser in Frankfurt am Main von 2012–2014 sowie die Überwachungstätigkeit des Gesundheitsamtes vorgestellt.
Methoden
Die Kliniken erfassen den Antibiotikaverbrauch gemäß der gesetzlichen Vorgabe und nach den Ausführungsempfehlungen des Robert Koch-Instituts als daily defined doses (DDD) pro Wirkstoff. Mit der Angabe der Patiententage (PT) wurden dann DDD/100 PT berechnet, um einen Vergleich zwischen den Kliniken zu ermöglichen. Das Gesundheitsamt erfasste im Jahr 2015 zusätzlich Organisations- und Strukturdaten zur AVS.
Ergebnisse
Bei über 1,5 Mio. Patiententagen pro Jahr und mehr als 1 Mio. DDD lag der Verbrauch im Jahr 2012 bei 67,5 DDD/100 PT und bei 66,0 DDD/100 PT im Jahr 2014, mit Spannweiten zwischen 26,4 und 86,7 DDD/100 PT in den einzelnen Krankenhäusern. Cefuroxim machte im Jahr 2012 mit 256.343 DDD insgesamt 24 % des Gesamtverbrauchs aus, gefolgt von Ciprofloxacin, Ceftriaxon und Levofloxacin mit jeweils über 6 %. Hier waren bis 2014 keine wesentlichen Änderungen zu verzeichnen. Im Jahr 2012 machten Carbapeneme mit 65.772 DDD resp. 4,1 DDD/100 PT die viertgrößte Gruppe der Antibiotikaverordnungen aus, nach den Cephalosporinen (408.519 DDD; 25,7 DDD/100 PT), Penicillinen (215.591 DDD; 13,5 DDD/100 PT) und den Fluorchinolonen (144.195 DD; 9,1 DDD/100 PT). Jedoch nahm der Verbrauch an Carbapenemen bis 2014 um 24 % auf 82.007 DDD zu. In allen 16 Kliniken wurde bis 2015 eine AVS durchgeführt, jedoch ist die Information der Mitarbeiter noch nicht vollumfänglich umgesetzt.
Fazit
Hiermit liegen erstmals AVS-Daten aller Kliniken einer ganzen Stadt vor. Nach Zusammenstellung und Aufbereitung der Daten spiegelte das Gesundheitsamt diese Daten im Jahr 2015 im Rahmen der Begehungen an die Einrichtungen zurück – im anonymisierten Vergleich zu den anderen Kliniken der Region, mit dem Ziel, dass die Kliniken Antibiotika noch zurückhaltender einsetzen, um den Resistenzdruck zu mindern. Die nächsten Jahre werden zeigen, welchen Effekt die Antibiotika-Verbrauchs-Surveillance und die Diskussion der Daten auf den weiteren Antibiotikaverbrauch haben.