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Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Hilfen und darüber hinaus durch psychosozial belastete Eltern

Knowledge and use of different support programs in the context of early prevention in relation to family-related psychosocial burden

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Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz Aims and scope

Zusammenfassung

Hintergrund

Die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte Bundesinitiative Frühe Hilfen unterstützt durch den Ausbau spezifischer Angebote belastete Familien. Da repräsentative deutsche Daten fehlen, führte das Nationale Zentrum Frühe Hilfen eine repräsentative nationale Studie zu psychosozialen Belastungen bei Familien mit Kindern von 0 bis 3 Jahren durch.

Fragestellung

Ermittlung der Zusammenhänge von familiärer Belastung auf der einen sowie Kenntnis und Inanspruchnahme verschiedener Unterstützungsangebote auf der anderen Seite.

Methoden

8063 Eltern von Kindern von 0 bis 3 Jahren wurden über pädiatrische Praxen rekrutiert und füllten einen Fragebogen zu objektiven Belastungsmerkmalen, subjektivem Belastungserleben sowie Kenntnis und Inanspruchnahme von Unterstützungsangeboten und spezifischen Angeboten der Frühen Hilfen aus. Unterschiede in der Kenntnis- und Nutzungsrate zwischen den verschiedenen Bildungsgruppen wurden mittels Chi-Quadrat-Tests getestet. Sehr gute Kenntnisse der Maßnahmen sowie Angebot und Annahme einer Familienhebamme wurden mittels einer Regressionsanalyse untersucht.

Ergebnisse

Es zeigen sich deutliche Unterschiede in den Kenntnis- und Nutzungsraten der einzelnen Angebote. Viele Angebote werden überwiegend von Familien mit einem mittleren und hohen Bildungsniveau in Anspruch genommen. Eine Ausnahme bildet die Unterstützung durch Familienhebammen, bei denen niedrig gebildete Familien anteilig die größten Nutzenden sind. Darüber hinaus werden per Regression ermittelte durchschnittliche prognostizierte Prozentwerte der Kenntnis und Nutzung für spezifische Gruppen belasteter Eltern vorgestellt.

Diskussion

Die Ergebnisse werden im Hinblick auf die Zugangshürden einzelner Angebote sowie die Passgenauigkeit der Vermittlung von Frühen Hilfen in der Praxis diskutiert.

Abstract

Background

The Federal Initiative for Early Prevention (funded by German ministry BMFSFJ), through the development of specific assistance programmes, supports families that suffer from psychosocial burden. As nationally representative data are missing, the National Centre for Early Prevention carried out a national survey on the psychosocial burden experienced by families with children aged 0–3 years.

Aims

Ascertainment of the connections between family-related psychosocial burden and knowledge and use of different assistance programmes.

Data and methods

Via paediatricians, 8063 parents were recruited to complete a questionnaire on objective burden, subjective experience of burden as well as knowledge and use of assistance programmes. Differences in knowledge and use between educational groups were tested by means of chi-squared tests. Very good knowledge of available assistance programmes and the offer and acceptance of aid by family midwives were subjected to regression analyses.

Results

Clear differences in knowledge and use of individual assistance programmes between educational groups were observed. Many programmes are predominantly used by better educated families, although there are exceptions, for example in the case of family midwives. Despite generally small group differences, less-educated families are the proportionally largest user group of family midwives. Furthermore we present average predicted percentages of knowledge and use for specific groups of psychosocially burdened parents as derived from the regression analyses.

Discussion

The results are discussed in the context of barriers to access for individual assistance programmes as well as their match with families’ needs in the practice of early prevention.

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Abb. 1
Abb. 2

Notes

  1. Dieses direkte Maß zur Bestimmung der Verletzung und Vernachlässigung von Kindern ist nicht Teil der vorliegenden Analyse, da es hier um vorab bestimmbare Gruppen von Familien und ihr Inanspruchnahmeverhalten gehen soll (ohne ein Outcome dafür zu benötigen). Eine Fragestellung beruhend auf Berechnungen mit direkten Items ist für eine eigene zukünftige Publikation eingeplant.

  2. Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung der Bundesinitiative Frühe Hilfen durch das NZFH wurde vom Deutschen Jugendinstitut eine Kommunalbefragung durchgeführt (vgl. [15]). Befragt wurden alle Kommunen, die örtliche Träger der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe und entsprechend förderfähig im Sinne der Bundesinitiative sind. Die Veröffentlichung der Projektergebnisse ist in Vorbereitung.

  3. Additiver Index aus den Belastungsmerkmalen: alleinerziehend, ungeplante Schwangerschaft, kindliche Dysregulation, hoher elterlicher Stress, elterliche Impulsivität/Explosivität, elterliche Gewalterfahrung in Paarbeziehungen, hohes Angststörungs-/Depressionsrisiko, negative elterliche Kindheitserfahrungen, häufige Partnerschaftskonflikte, junge Mutter bei Geburt des Kindes (<21), SGB-II-Bezug.

  4. Es sollte bei Tab. 2 beachtet werden, dass Kenntnis und Nutzung einiger Angebote mit dem Alter der Kinder steigen. Die gezeigten Durchschnitte reflektieren eher die Mehrheit der Mütter mit Kindern im Altersbereich 0–11 Monate. Eine Aufteilung der Stichprobe in 0–11 Monate und 24–35 Monate ergäbe folgende Abweichungen (gerundet): Familien- oder Stadtteilzentrum (Nutzung): 11 % vs. ca. 16 %. Familien- oder Erziehungsberatungsstelle: (Kenntnis): 66 % vs. 73 % (Nutzung): 4 % vs. 7 %. Frühförderung: (Kenntnis) 60 % vs. 69 % (Nutzung): 4 % vs. 8 %. Eltern-Kind-Gruppen (Nutzung): 48 % vs.60 %. Der Zusammenhang zwischen Kenntnis/Nutzung und Bildung wird durch die Alterseffekte jedoch nicht eingeschränkt.

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Danksagung

Wir bedanken uns bei unseren Mitarbeiterinnen Ashley Comes, Kristina Freyberg, Linda Liang und Julia Spiegler für ihre ausführlichen und sehr hilfreichen Literaturauswertungen sowie Marlene Koch für ihre Erstellung von Grafiken.

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Correspondence to Andreas Eickhorst.

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Interessenkonflikt

A. Eickhorst, A. Schreier, C. Brand, K. Lang, C. Liel, I. Renner, A. Neumann und A. Sann geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Alle beschriebenen Untersuchungen am Menschen wurden mit Zustimmung der zuständigen Ethik-Kommission, im Einklang mit nationalem Recht sowie gemäß der Deklaration von Helsinki von 1975 (in der aktuellen, überarbeiteten Fassung) durchgeführt. Von allen beteiligten Patienten liegt eine Einverständniserklärung vor.

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Eickhorst, A., Schreier, A., Brand, C. et al. Inanspruchnahme von Angeboten der Frühen Hilfen und darüber hinaus durch psychosozial belastete Eltern. Bundesgesundheitsbl 59, 1271–1280 (2016). https://doi.org/10.1007/s00103-016-2422-8

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