Triple Aim – Evaluation in der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal – Gesundheitszustand, Versorgungserleben und Wirtschaftlichkeit

Pursuing the triple aim: evaluation of the integrated care system Gesundes Kinzigtal: population health, patient experience and cost-effectiveness

Zusammenfassung

Hintergrund

Die populationsorientierte Integrierte Versorgung Gesundes Kinzigtal (IVGK), besteht seit neun Jahren. Der IVGK liegen drei Zielsetzungen (Triple-Aim-Modell) zugrunde: Verbesserung des Gesundheitsstatus, Erleben einer besseren Versorgung durch die Versicherten und optimierter Ressourceneinsatz (Wirtschaftlichkeit).

Fragestellung

Ziel des vorliegenden Beitrages ist es, die Effekte der IVGK im Hinblick auf das Triple Aim zu evaluieren.

Material und Methoden

Die IVGK wird extern und intern mithilfe verschiedener quantitativer und qualitativer Methoden wissenschaftlich evaluiert. Hier werden ausgewählte Ergebnisse, exemplarisch für die Triple-Aim-Dimensionen, präsentiert.

Ergebnisse und Diskussion

Die Mehrzahl der evaluierten Indikatoren zur Versorgungsqualität weist auf eine positive Entwicklung. Mit Blick auf die hier exemplarisch referierte Häufigkeit einer Fraktur bei Osteoporose wurde in der Population „Kinzigtal“ (≥20 Jahre) im Jahr 2011 eine solche bei knapp 26 % der Fälle dokumentiert; in der Vergleichspopulation lag dieser Anteil bei 33 %. In der Analyse des Versorgungserlebens der Versicherten gaben 92,1 % der Teilnehmer einer Befragung an, sie würden die IVGK „bestimmt“ oder „wahrscheinlich“ weiterempfehlen. Zusätzlich äußerten 24 % der Befragten, dass sie jetzt „gesünder leben“ als vor ihrer Einschreibung in die IVGK. Bei den Versicherten, die gleichzeitig auch Gesundheitsziele mit ihrem Arzt vereinbart hatten, lag dieser Anteil bei 45,4 %. Bei den Kosten ist über alle Jahre bei beiden Krankenkassen ein positives Ergebnis gegenüber der Vergleichspopulation festzuhalten – im siebten Jahr (2012) lag bei der AOK Baden-Württemberg (BW) ein Deckungsbeitragsplus von 4,56 Mio. € vor. Für die 31.156 Versicherten der AOK BW entsteht damit ein verbesserter Deckungsbeitrag von 146 € pro Kopf (LKK Baden-Württemberg (BW)=322 € pro Kopf verbesserter Kostensatz). Die Ergebnisse weisen in allen drei untersuchten Dimensionen auf relevante Effekte der IVGK hin. Weitere geplante longitudinale Untersuchungen sollen diese Ergebnisse validieren; Detailanalysen sollen Einflüsse der Teilelemente der Gesamtintervention besser erklären helfen.

Abstract

Background

The integrated care system Gesundes Kinzigtal (ICSGK), one of the most comprehensive population-based ICS in Germany, started its work nearly 9 years ago. The ICSGK is pursuing the Triple Aim: improving the health of the population, improving the individual's experience of care, and at the same time reducing the per capita costs of care.

Objectives

To evaluate the impact of the ICSGK on the Triple Aim.

Materials and methods

The ICSGK is being evaluated externally and internally via a mix of diverse quantitative and qualitative methods. This paper presents selected results for each Triple Aim dimension.

Results and Conclusions

Regarding population health, most of the quality indicators examined by the external scientific evaluation show positive development. For example, the prevalence of patients with fractures among all insurants with osteoporosis is presented. In 2011, this prevalence was approximately 26 % in the “Kinzigtal” population (aged ≥ 20 years old) in comparison to 33 % in the control group. As far as patient experience is concerned, to the question “Would you recommend becoming a member of Gesundes Kinzigtal to your friends or relatives?” 92.1 % of those questioned answered “Yes, for sure” or “Yes, probably.” Twenty-four percent of those questioned further stated that they would now live "more healthy" than before enrolment in the ICSGK. In the subgroup of questioned insurants who had objective agreements with their doctors 45.4 % answered in this way. On the subject of cost-effectiveness, for both participating socil health insurance schemes, cost savings relative to the costs normally expected for the ICSGK population concerned are observed every year. In the seventh intervention year (2012) the total is 4.56 million Euros for the AOK Baden-Württemberg (BW), which is a contribution margin of 146 Euros per insurant for the 31.156 insurants concerned (LKK BW = 322 Euros per insurant relative to cost savings). The results presented in this paper indicate positive effects in all three Triple Aim dimensions. Further longitudinal studies are recommended to validate those first results together with a detailed analysis to obtain in-depth insights into the specific influence of subcomponents of the total intervention.

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Abb. 1
Abb. 2

Notes

  1. 1.

    Nicht enthalten sind Verwaltungskosten, Satzungs- und Ermessensleistungen sowie zahnärztliche Leistungsausgaben.

  2. 2.

    Heute der Krankenkassenzweig der 2013 neu organisierten Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG).

  3. 3.

    Siehe im Internet unter www.ekiv.org. Dort finden sich auch weitere Evaluationsergebnisse und -berichte.

  4. 4.

    Als epidemiologisch sichere Fälle wurden hierbei diejenigen Patienten definiert, die mindestens eine der folgenden drei Bedingungen erfüllen: 1) stationärer Aufenthalt mit der Diagnose „Osteoporose“ (ICD10: M80/M81) als Hauptentlassungsdiagnose, 2) Diagnose „Osteoporose“ in einem Quartal und mindestens eine Verordnung eines zur Therapie spezifischen Arzneimittels (z. B. Bisphosphonate), verordnet durch den Diagnose stellenden Arzt im Quartal der Diagnosenennung oder 3) Diagnose in mindestens zwei Quartalen.

  5. 5.

    Hier nicht dargestellt; ausführliche Publikation ist in Vorbereitung.

  6. 6.

    Da das Gesunde Kinzigtal Modell bereits im Jahr 2005 gestartet wurde, basiert die Berechnung in den Anfangsjahren, bis inkl. dem Jahr 2008, auf dem alten Risikostrukturausgleich [5]. Erst ab dem Jahr 2009 konnte der Morbi-RSA als Basis für die Erfolgsmessung zur Anwendung gebracht werden, da dieser erst dann eingeführt wurde.

  7. 7.

    Beschränkung auf die Hauptleistungsbereiche: Arzt-, Dialysesach-, Arzneimittel-, Krankenhaus-, sonstige Kosten und Krankengeld. Verwaltungskosten, Satzungs- und Ermessensleistungen sowie zahnärztlichen Kosten sind nicht enthalten.

  8. 8.

    Aus datentechnischen Gründen wurden bei der Ziehung der Vergleichsgruppe nur Versicherte mit Geburtsdatum vor dem 1.10.1991 bezogen. Vergleiche zwischen der LKK Interventionsgruppe n Populationen „Kinzigtal“ und „Stichprobe BW“ im Jahresquerschnitt 2004–2011 sind damit nur für Versicherte im Erwachsenenalter (Alter ≥ 20 Jahre) möglich. Da die in dem Evaluationsprojekt vereinbarten Zielindikationen nicht auf Kinder und Jugendliche zielen, konnte eine Nacherhebung von jüngeren Versicherten entfallen.

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H. Hildebrandt, A. Pimperl, T. Schulte, C. Hermann, H. Riedel, I. Schubert, I. Köster, A. Siegel und M. Wetzel geben an, dass sie direkt mit dem Untersuchungsgegenstand in unterschiedlichen Rollen, als Vertragspartner, Betreiber oder externe Evaluatoren, verknüpft sind.

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Hildebrandt, H., Pimperl, A., Schulte, T. et al. Triple Aim – Evaluation in der Integrierten Versorgung Gesundes Kinzigtal – Gesundheitszustand, Versorgungserleben und Wirtschaftlichkeit. Bundesgesundheitsbl. 58, 383–392 (2015). https://doi.org/10.1007/s00103-015-2120-y

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Schlüsselwörter

  • Integrierte Versorgung
  • Gesundes Kinzigtal
  • Triple Aim
  • Evaluation
  • Einsparcontracting

Keywords

  • Integrated care
  • Gesundes Kinzigtal
  • Triple Aim
  • Shared savings contract
  • Evaluation