Inanspruchnahme außerfamiliärer vorschulischer Kindertagesbetreuung und Einfluss auf Merkmale psychischer Gesundheit bei Kindern

Zusammenfassung

Im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS), einer repräsentativen Gesundheitsstudie für Kinder und Jugendliche der Bundesrepublik Deutschland mit 17.641 Teilnehmern im Alter von 0–17 Jahre wurde u. a. die Betreuungssituation im Vorschulalter erfasst. Die Daten lassen Aussagen darüber zu, wie viele Kinder außerfamiliär betreut wurden und welche Betreuungsform (Kinderkrippe/KiTa/Kindergarten; Tagesmutter) vorlag. Dabei kann nach sozioökonomischen Kategorien wie höchster Bildungsabschluss und Berufstätigkeit der Mutter, Vollständigkeit der Familie, Migration und Herkunft Ost/West differenziert werden. Die hier vorgestellte Arbeit soll einen Beitrag zur Diskussion über die Konsequenzen vorschulischer Kindertagesbetreuung leisten und geht der Frage nach, ob und inwieweit sich ausschließlich familiär betreute Kinder hinsichtlich Verhaltensauffälligkeiten und prosozialem Verhalten von denen unterscheiden, die in einer Kindertageseinrichtung betreut werden und welche Rahmenbedingungen die Inanspruchnahme einer Kindertagesbetreuung befördern. Insgesamt 74,7 % der Kinder und Jugendlichen befanden sich zum Befragungszeitpunkt in außerfamiliär vor schulischer Tagesbetreuung oder haben diese jemals in Anspruch genommen. Große Unterschiede bestehen nach wie vor zwischen Ost- und Westdeutschland. Ostdeutsche Kinder befinden sich weitaus mehr und früher in vorschulischer Tagesbetreuung als westdeutsche Kinder. Außerfamiliär betreute Kinder von Müttern mit Universitäts-/Fachhochschulabschluss kommen zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt in die Tagesbetreuung als Kinder von Müttern mit niedrigeren Bildungsabschlüssen. Kinder von Müttern mit Vollzeitbeschäftigung und Kinder Alleinerziehender befinden sich ebenfalls häufiger und früher in vorschulischer Tagesbetreuung, Kinder mit Migrationshintergrund hingegen insgesamt weniger und später. Die mulitvariate Betrachtung der verschiedenen Einflussfaktoren im logistischen Modell erbrachte keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten (erfasst mit dem SDQ) von Kindern, die sich zum Befragungszeitpunkt in vorschulischer Tagesbetreuung befanden. Dabei wurde auch das Alter bei Betreuungsbeginn berücksichtigt. Es gab keine Hinweise auf Unterschiede im prosozialen Verhalten der Kinder in Abhängigkeit vom Besuch vorschulischer Kinderbetreuungsstätten. Mit den in dieser Arbeit dargestellten Ergebnissen soll die Diskussion um Vor- bzw. Nachteile einer außerfamiliären Kindertagesbetreuung weiter befördert und versachlicht werden. Ziel ist es dabei, die Bedingungen für die bestmöglichen Entwicklungschancen der Kinder in Deutschland zu eruieren.

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Schlack, R., Hölling, H. & Kurth, BM. Inanspruchnahme außerfamiliärer vorschulischer Kindertagesbetreuung und Einfluss auf Merkmale psychischer Gesundheit bei Kindern. Bundesgesundheitsbl. 50, 1249–1258 (2007). https://doi.org/10.1007/s00103-007-0336-1

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Schlüsselwörter

  • Kinder- und Jugendgesundheitssurvey
  • Außerfamiliäre Betreuung im Vorschulalter
  • Soziale Kompetenz
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • SDQ