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Psychische Störungen in der deutschen Allgemeinbevölkerung: Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen und Ausfalltage

  • F. JacobiEmail author
  • M. Klose
  • H.-U. Wittchen
Leitthema: Berliner Gespräche zur Sozialmedizin

Zusammenfassung

Bislang mangelte es in Deutschland an aussagekräftigen Befunden zur Inanspruchnahme und Produktivitätsminderung bei psychischen Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Vorliegende Untersuchungen beziehen sich bislang vorwiegend auf administrative Daten sowie Patientenpopulationen; die Qualität diagnostischer Informationen bei diesen Untersuchungen z. B. im Zusammenhang mit Krankschreibungs-, Medikamentenverschreibungs- und Überweisungsdaten sind erfahrungsgemäß problematisch. Im Rahmen des Bundesgesundheitssurveys 1998/99 und dessen Zusatzsurvey „Psychische Störungen“ wurden in einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Allgemeinbevölkerung (18 bis 65 Jahre, N=4.181) psychische Störungen zusammen mit ausgewählten Indikatoren der Inanspruchnahme und mit Ausfalltagen erstmals umfassend für die erwachsene Allgemeinbevölkerung erfasst. Im vorliegenden Beitrag werden—nach einem Überblick zur Größenordnung und Versorgungssituation psychischer Störungen in Deutschland—Angaben zu Haus- und Facharztbesuchen, stationären Aufenthalten und Krankheitstagen des letzten Jahres für folgende Gruppen verglichen: (1) Personen, die nie die Kriterien für eine psychische Störung erfüllten, (2) Personen, die früher eine oder mehrere psychische Störungen hatten, nicht aber im letzten Jahr (Remittierte), und (3) Personen, die aktuell eine oder mehrere psychische Störungen diagnostiziert bekamen. Es zeigten sich eine deutlich erhöhte Inanspruchnahmerate sowie vermehrte Krankheitstage bei Personen mit einer aktuellen psychischen Störung. Remittierte Fälle wiesen weitgehend ähnliche Werte auf wie diejenigen, die niemals eine psychische Störung hatten. Dieser Befund scheint im Einklang mit dem oft episodischen Verlauf vieler psychischer Störungen zu stehen und könnte darüber-hinaus einen Hinweis auf eine Reduktion von direkten und indirekten Kosten durch Therapiemaßnahmen geben.

Schlüsselwörter

Prävalenz Psychische Störungen Inanspruchnahme Krankheitskosten Arbeitsunfähigkeit Bundesgesundheitssurvey 1998/99 Zusatzsurvey „Psychische Störungen“ 

Mental disorders in the community: healthcare utilization and disability days

Abstract

Mental disorders are considered to be costly in terms of elevated rates of healthcare utilization and increased disability days. For the general German population there has been a lack of data on healthcare utilization and disability rates. The available administrative data are incomplete and problematic because they are based on routine clinical diagnoses that lack reliability. Using the German Health Interview and Examination Survey 1998/99 and its Mental Health Supplement (GHS-MHS) data, this paper examines healthcare utilization and disability associated with mental disorders in a representative sample of the general adult population (18–65 years, n=4181). After reviewing the size and treatment status of mental disorders in Germany, data about primary care or specialist consultations, inpatient treatment, and disability days in the last year are presented for the following groups: (1) subjects who never met the criteria of the diagnosis of a mental disorder, (2) subjects who had one or more mental disorders in the past but none in the past year (“remitted”) and (3) subjects who currently (within the last year) met the criteria of one or more mental disorders. We found increased healthcare utilization as well as more disability days in those individuals with a current diagnosis. Remitted persons, however, showed results similar to those who never had a diagnosis of a mental disorder during their lifetimes. The results are consistent with the episodic course of many mental disorders and furthermore might indicate that treatment of mental disorders might contribute to a substantial reduction of direct and indirect illness costs.

Keywords

Prevalence Mental disorders Healthcare utilization Disability days Costs German Health Interview and Examination Survey Mental Health Supplement (GHS-MHS) 

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2004

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie, AGTechnische Universität DresdenDresden
  2. 2.Institut für Klinische Psychologie und PsychotherapieTechnische Universität DresdenDresden

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