Das neue Opioid Remifentanil wird rasch durch unspezifische Blut- und Gewebeesterasen metabolisiert und läßt so kurze Aufwachzeiten erwarten. In der vorliegenden klinischen Untersuchung sollte das Aufwachverhalten bei Kombination von Remifentanil mit Propofol oder Isofluran in hypnotisch wirksamen Konzentrationen verglichen werden.
Methodik
Untersucht wurden 40 Patienten (ASA I–II), die sich einer elektiven Arthroskopie unterziehen mußten. Die Narkoseeinleitung war in beiden Gruppen identisch:Remifentanilbolus (1 µg/kg), Beginn der Remifentanilinfusion (0,5 µg/kg/min), sofort anschließend Propofol (ca. 2 mg/kg). Die weitere Narkoseführung erfolgte mit Remifentanil 0,25 µg/kg/min in Kombination mit 0,1 mg/kg/min Propofol oder mit 0,5 MAC Isofluran (=0,6 Vol.−%) in O2/Luft. Die Anästhetikazufuhr wurde erst mit der letzten Hautnaht beendet und die üblichen Aufwachzeiten ermittelt.
Ergebnisse
In beiden Gruppen (je n=20) benötigte der Aufwachvorgang zwischen beginnender Rückkehr des Bewußtseins und vollständiger Wachheit nur ca.90 s. Dabei waren die Aufwachzeiten in der Remifentanil-lsoflurangruppe signifikant kürzer als in der Remifentanil-Propofolgruppe:Spontanatmung im Mittel nach 5,1 vs.8,1 min (p<0,05), Extubation nach 5,5 vs. 8,6 min (p<0,02).
Diskussion
Bei der vom Hersteller empfohlenen Dosierung verlief die Aufwachphase nach Remifentanil mit 0,5 MAC Isofluran signifikant schneller als bei der Kombination von Remifentanil mit 0,1 mg/kg/min Propofol. Bisherige klinische Erfahrungen lassen vermuten, daß insbesondere die Propofoldosis weiter reduziert werden kann. Die für beide Remifentanilgruppen bemerkenswert kurze Zeitspanne zwischen beginnender Rückkehr des Bewußtseins und anschließend vollständiger Wachheit ohne Atemdepression (ON-OFF-Phänomen) kann zur post-anästhesiologischen Sicherheit beitragen.