Skip to main content

Grundsätze ärztlicher Haftung für den Anästhesisten

Die Arbeit eines Anästhesisten hat mit Menschen zu tun, die sich oft im Grenzbereich zwischen Leben und Tod befinden. Ein Fehler oder auch nur eine Unaufmerksamkeit kann fatale Folgen haben, so daß Gefängnis und Haftung die Konsequenz sein können. Die Grenze zwischen unabwendbarem Schicksal und individueller Schuld ist im anästhesiologischen Bereich aber nur sehr schwer zu ziehen. Der Anästhesist sucht deshalb Rat bei Juristen, deren Verhaltensmaßregeln aber of unverständlich sind und zudem im Alltag nicht umgesetzt werden können.

Die Entscheidungen von Gerichten werden oft kritisiert, aber ein Richter — verpflichtet, nach Recht und Gesetz zu urteilen, so gut er es kann — ist gewöhnlich ein medizinischer Laie. Er ist weitgehend von Gutachten abhängig, die Mediziner erstellen. Die Rechtsprechung des BGH verlangt, daß ein Urteil nur auf Sachverständigen-Grundlage gefällt werden kann, die sich an den geltenden medizinischen Standards orientiert.

Die zivilrechtliche Haftung manifestiert sich auf zwei rechtlichen Ebenen: Einerseits dem ärztlichen Behandlungsfehler und andererseits der ärztlichen Aufklärungsverpflichtung. Die ober- und höchstrichterliche Rechtsprechung hat aber seit der Grundsatzentscheidung des BGH vom 27.6.1978 noch einen für den Patienten weiteren, oft prozeßentscheidenden Vorteil geschaffen, nämlich die Beweiserleichterung bis hin zur Umkehr der Beweislast (zum Nachteil des Arztes) bei Vorliegen eines sog. Dokumentationsmangels. Mit diesen drei Schwerpunkten sind die folgenden Ausführungen gekennzeichnet und damit auch gegliedert.

Summary

Every action taken by a physician comes under the jurisdiction of the courts. The physician is sentenced when he offends against the duties of care, set down by the respective standard, or when he carries out treatment without having first obtained the patient's consent. Using the examples of many decisions made by the chief justice and the supreme court relating to the field of anaesthesia, this paper sets out to indicate which rules on diligence apply in this area. In the second part, 14 guiding principles on the physician's obligation to obtain informed consent are set out. The burden of proof for fulfillment of this obligation lies with the physician. The final part of the paper is a discussion of the documentational obligations, which are important for litigation on the physician's liability. A description of a variety of topics from a physician's everyday work is also given.

This is a preview of subscription content, access via your institution.

Author information

Affiliations

Authors

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Cite this article

Schlund, G. Grundsätze ärztlicher Haftung für den Anästhesisten. Anaesthesist 45, 789–797 (1996). https://doi.org/10.1007/s001010050311

Download citation

  • Issue Date:

  • DOI: https://doi.org/10.1007/s001010050311

  • Key words Liability – Treatment mistakes – Court decisions – Informed consent
  • Schlüsselwörter: Haftung – Behandlungsfehler – Entscheidungen des BGH – Aufklärungsverpflichtung