Hintergrund
Mit dem Ziel, praktische Erfahrungen möglichst früh in die studentische Ausbildung einfließen zu lassen, wurde ein Modellstudiengang von der medizinischen Fakultät der RWTH Aachen konzipiert, der seit dem Wintersemester 2003 für alle Studierenden des Jahrgangs angeboten wird. Schon vor dieser Umstrukturierung wurde das Fach „Anästhesiologie“ als Pflichtveranstaltung mit Praktika in den Bereichen Anästhesiologie und Notfallmedizin eingeführt. Für den Modellstudiengang sollte nun auch für den Bereich Intensivmedizin unter Berücksichtigung der zeitlichen Vorgaben und personellen Ressourcen ein solches Praktikum entwickelt werden. Zur Qualitätskontrolle war eine Evaluation des Praktikums in schriftlicher, anonymisierter Form sowohl durch die teilnehmenden Studierenden als auch durch die Lehrkräfte vorgesehen.
Methodik
Basierend auf den Evaluationsdaten ähnlicher Veranstaltungen wurde für das achte bzw. neunte Semester ein einwöchiges Blockpraktikum für jeweils 6 Studenten/Woche entwickelt, das sich an die ein- bzw. zweiwöchigen Blockpraktika in der Anästhesie bzw. Notfallmedizin anschließt. Schwerpunkte dieses Blockpraktikums sind Definition, Diagnose, Therapie und Prophylaxe der Sepsis, Grundlagen der maschinellen Beatmung und die strukturierte Patientenvorstellung im Rahmen der täglichen Visite. Diese Themen werden mit einem Dozenten in 4 Seminaren begleitend zum praktischen Unterricht erarbeitet. Auf den Stationen ist jeder Studierende jeweils einem Stationsarzt zugeteilt, um die praktische Umsetzung der theoretischen Inhalte zu erlernen. Das Praktikum endet am letzten Tag mit einer abschließenden Lehrvisite unter Aufsicht des Dozenten, bei der die Studierenden die Patientenvorstellung selbst vornehmen und erlernte Kenntnisse sowie Fähigkeiten rekapituliert werden können. Erstmals im Sommersemester 2007 angeboten, durchliefen in dieser Zeit 83 Studierende das Blockpraktikum Intensivmedizin und bewerteten die Veranstaltung mit dem Onlinebewertungssystem EvaLuna (Schulnoten von 1 bis 6). Der Kurs wurde zusätzlich durch 23 an dem Praktikum mitwirkende Dozenten beurteilt.
Ergebnisse
Die vermittelte Verständlichkeit der Sachverhalte wurde im Mittel mit 1,6±0,7 benotet, die stimmige Strukturierung der Veranstaltung mit 1,6±0,7 und die Absprache der Dozenten untereinander mit 1,7±0,7. Der persönliche Lerneffekt wurde mit 1,7±0,7 bewertet. Bei einer Gesamtnote von 1,7±0,6 konnte sich dieses Praktikum damit unmittelbar nach Einführung unter den besten drei der Fakultät platzieren. Die Dozenten beurteilten die Fokussierung in der Themenauswahl zu über 80% als sinnvoll, bewerteten Verständlichkeit, Strukturierung, Absprache unter den Dozenten und den persönlichen Lerneffekt für die Studenten jedoch im Mittel um eine Note schlechter als die Studierenden selbst.
Schlussfolgerung
Die Ergebnisse der studentischen Veranstaltungsbewertung und das Feedback der Lehrenden bestätigen den Ansatz zur Einbringung intensivmedizinisch relevanter Fragestellungen in das medizinische Pflicht-Curriculum. Als maßgeblich positiv beeinflussende Faktoren konnten die Themenreduktion, Seminare in Kleingruppen und die generell strikte Strukturierung ausgemacht werden. Verbesserungsmöglichkeiten des Kurses sind nach Freitextkommentaren der Studierenden vor allem in einer Integration von Simulationstraining und der Erstellung kursbegleitender Unterrichtsmaterialien zu sehen.