Hintergrund
Volatile Anästhetika können bei maligne-Hyperthermie- (MH-)disponierten Patienten zu einer hypermetabolen Stoffwechselentgleisung, einer Laktatacidose und zur Rhabdomyolyse führen. Die Autoren nahmen an, dass die intramuskuläre Koffein- und Halothaninjektion einen stärkeren Anstieg der interstitiellen Laktatkonzentration bei MH-veranlagten als bei MH-nichtveranlagten Probanden (MHS- resp. MHN-Probanden) und Kontrollpersonen induziert.
Material und Methodik
Im M. rectus femoris von 14 MHS-, 12 MHN- und 7 Kontrollprobanden wurden 3 Mikrodialysesonden platziert und mit 1 µl/min Ringer-Lösung perfundiert. Nach Äquilibrierung wurde ein Bolus von 250 µl Koffein (80 mM) an die Spitze der ersten Sonde injiziert, während die zweite Sonde mit 10 Vol.-% Halothan perfundiert wurde. Eine dritte Mikrodialysesonde diente als Kontrolle. Die Laktatkonzentration wurde spektrophotometrisch im Dialysat gemessen. Die systemischen hämodynamischen und metabolischen Parameter wurden während der Versuchsdauer überwacht. Werte sind als Median und Quartilenspanne angegeben.
Ergebnisse
Die Laktatwerte vor Triggerapplikation unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht. Intramuskulär injiziertes Koffein und Halothan induzierten einen signifikanten Laktatanstieg bei MHS-Probanden [5,0 mM (3,4–8,1 mM) resp. 3,7 mM (2,6–5,0 mM)] im Vergleich zu MHN-Probanden [1,6 mM (1,3–2,0 mM) resp. 1,9 mM (1,6–2,0 mM)] bzw. zu den Kontrollpersonen [2,1 mM (1,9–2,3 mM) resp. 2,0 mM (1,6–2,1 mM)]. Während sich die hämodynamischen und metabolischen Parameter zwischen den Gruppen nicht unterschieden, stieg die Kreatinkinasekonzentration in der MHS-Gruppe signifikant an.
Schlussfolgerung
Intramuskuläre Koffein- und Halothaninjektionen führen bei MHS-Probanden zu einer zeitlich begrenzten und im Vergleich zu MHN- und Kontrollprobanden ausgeprägteren Stoffwechselsteigerung. Ein funktioneller metabolischer Test scheint als minimal-invasives Verfahren zum Nachweis einer MH-Veranlagung geeignet.