Advertisement

Uro-News

, Volume 21, Issue 11, pp 14–14 | Cite as

Chemo- und Strahlenzystitis: gute Erfahrung mit intravesikaler Therapie

  • Thomas Meißner
Medizin aktuell
  • 442 Downloads

Bei Patienten mit einer nicht bakteriellen Zystitis, zum Beispiel nach Chemo- oder Strahlentherapie, sei eines der wichtigsten Therapieziele, die Glykosaminoglykan(GAG)-Schicht des Blasenurothels wiederherzustellen, erläuterte Prof. Daniela Schultz-Lampel aus Villingen-Schwenningen. Die zu erwartende Besserung unter medikamentöser Therapie, etwa mit Natrium-Pentosanpolysulfat, Analgetika oder Amitriptylin liegt bei 20–50 %. Der Effekt tritt erst nach bis zu sechs Monaten ein.

Bei Chemozystitis sei die Prophylaxe mit Mesna empfehlenswert, bei Frauen mit antihormonell bedingter Zystitis die lokale Östrogenisierung.

„Die besten Erfahrungen haben wir mit der intravesikalen Therapie gemacht“, erläuerte Schultz-Lampel. Die applizierten Substanzen legen sich auf die Blasenschleimhaut und ersetzen vorübergehend die GAG-Schicht, die sich nun regenerieren kann. Die instillierte Substanz soll mindestens 30 Minuten in der Blase belassen werden. Es sind zunächst mehrere Instillationen wöchentlich und später Folgeinstillationen in längeren Intervallen erforderlich, so die Urologin. Die dazu auf dem Markt befindlichen Medizinprodukte enthalten Hyaluronsäure und/oder Chondroitinsulfat. Die Instillationstherapie kann unter Radiatio auch prophylaktisch erfolgen.

Die Formalin-Instillation bleibe ebenfalls eine wichtige Therapieoption mit Erfolgsraten von 70–89 %, allerdings auch häufigen Komplikationen wie Nekrose und Fistelbildung. Die ebenfalls empfohlene hyperbare Oxygenierung bewertete Schultz-Lampel als aufwendig und logistisch eher wenig praktikabel.

Eine weitere Behandlungsoption bei allen Formen der nicht bakteriellen Zystitis ist die sogenannte EMDA (Electromotive Drug Administration). Dabei handelt es sich um eine Kombination der Instillation einer hohen Arzneimittelkonzentration in die Blase und Iontophorese.

In der Ein-Stufen-EMDA werden Lidocain oder Ropivacain, Dexamethason und Epinephrin verwendet, in der Zwei-Stufen-EMDA kommen zusätzlich Pentosanpolysulfat oder Hyaluronsäure zum Einsatz. „Wir haben in unserem Kontinenzzentrum seit vielen Jahren gute Erfahrungen damit“, sagte Schultz-Lampel. Drang und Schmerz bei den Betroffenen bessern sich, eine Heilung ist jedoch die Ausnahme. Es handelt sich meist um eine Dauertherapie. Der Effekt hält bei den Patienten jeweils zwei Wochen bis zu einem Jahr an.

Bei Strahlenzystitis sind zudem gute Effekte mit Botulinumtoxininjektionen erzielt worden. „Nach Ausschöpfen aller konservativen und minimalinvasiven Verfahren kann die Zystektomie mit orthotoper oder nicht orthotoper Harnableitung die Lebensqualität zurückbringen“, so Schultz-Lampel.

Literatur

  1. Forumssitzung „Neurourologie — Update 2017“, 21.9.2017, 69. DGU-Kongress, DresdenGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • Thomas Meißner
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations