Uro-News

, Volume 21, Issue 5, pp 44–44 | Cite as

Niedrigzinsphase trifft auch ständische Versorgungswerke

Die Rente der Ärzte ist sicher — aber ...

  • Michael Sudahl
Praxis konkret
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Auch die ärztlichen Versorgungswerke müssen die Gürtel in Zeiten niedriger Zinsen enger schnallen. Daher lohnt es sich für Ärzte durchaus, eine komplementäre Vorsorgestrategie zu ihrer — an sich sicheren — Rente zu verfolgen.

Reinhard Müller aus Ludwigshafen ist entsetzt. Während und nach seiner Assistenzarztzeit in Hessen hatte der Mediziner sieben Jahre lang jeden Monat Beiträge an das dortige Versorgungswerk entrichtet. Nun wurde dem 54-jährigen Praxisbesitzer mitgeteilt, dass seine Rentenanwartschaft „durch neue Berechnungsmodalitäten“ von monatlich 380 auf 250 € gesunken ist. Das entspricht einem Verlust von knapp 30 %.

„Hätte Dr. Müller bis zum Ende seiner Berufstätigkeit an dieses Versorgungswerk gezahlt, wäre das Defizit weniger stark aufgefallen“, meint Markus Sobau, erfahrener Versicherungsexperte aus Mannheim, der seit 20 Jahren Ärzte in Finanzfragen berät. Zwar hat ein Großteil der 89 deutschen Versorgungswerke den Rechnungszins von den bisher üblichen 4 % um bis zu 2 % gesenkt, trotzdem würden bestehende Rentenansprüche nur in den seltensten Fällen gekürzt. „Stattdessen steigen die Anwartschaften einfach weniger schnell“, erklärt der Finanzwirt. Das Resultat aber bleibe gleich: weniger Rente.

Obwohl ihre Altersbezüge vergleichsweise hoch und sicher sind, sollten auch Ärzte ihren Ruhestand zusätzlich finanziell absichern.

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Elastisches Finanzierungsmodell zahlt sich jetzt aus

Stefan Strunk, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft berufsständiger Versorgungseinrichtungen (ABV), beruhigt: „Trotz Niedrigzinsphase erwirtschaften die meisten Versorgungswerke Erträge oberhalb ihres Rechnungszinses.“ Grund hierfür ist das elastische Finanzierungsmodell. Anders als beispielsweise Lebensversicherungen müssen Versorgungswerke gemäß Anlageverordnung nur ein Viertel ihrer Kapitalanlagen in festverzinsliche Wertpapiere investieren. Im Niedrigzinsumfeld erhöhen daher viele Einrichtungen ihre Immobilien- und Aktienquoten. Dies federe die Zinseinbußen ab — noch. Fakt ist, dass die durchschnittliche Arztrente von 2004 bis heute lediglich um etwas weniger als 2 % im Jahr angehoben wurde. Dabei sind die Abweichungen vom Durchschnitt teilweise erheblich: von 2 % in 13 Jahren insgesamt bis deutlich über 2 % jedes Jahr.

Was erschwerend hinzukommt und den wenigsten Ärzten bewusst ist: Künftige Rentner müssen ihr Altersruhegeld höher versteuern. Ausschlaggebend für die Höhe der Abgaben ist die geltende Besteuerungssituation im Jahr des Renteneintritts. Wer 2025 in den Ruhestand geht, versteuert bereits 85 % der monatlichen Auszahlungen — ein Leben lang. Ab dem Jahr 2040 sind die Renten voll steuerpflichtig“, bestätigt Björn Demuth, Fachanwalt für Steuerrecht aus Stuttgart. So landen von 4.000 € ab 2030 nur noch circa 2.500 € netto auf dem Konto des Ruheständlers.

Die Kosten für die PKV belasten Rentner zusätzlich

Ein anderer wenig bedachter Kostenpunkt ist die private Krankenversicherung (PKV). Privatkassen berechnen Beiträge bekanntlich nicht nach dem Einkommen wie die gesetzlichen Kassen, sondern nach dem individuellen Risiko, krank oder pflegebedürftig zu werden. Daher steigen die Kosten im Alter. Zudem gehen PKV-Beiträge von der Nettorente ab. Anders als die gesetzliche Rentenversicherung bezuschussen Versorgungswerke die Beitragszahlungen nämlich nicht.

Um ihre Anwartschaften zu erhöhen, reagieren viele Ärzte mit freiwilligen Zuzahlungen. Finanzplaner Sobau rät hier aber eher zur Skepsis. „Alle Finanzmittel, auch Zuzahlungen, sind im Versorgungswerk bis zur Rente und darüber hinaus gebunden“, gibt er zu bedenken. Statt freie Gelder per Zusatzzahlung zu binden, sollten Ärzte nach sinnvollen Möglichkeiten mit mehr Ertrag und Sicherheit suchen, bei denen das investierte Geld kurz und mittelfristig verfügbar bleibt. Infrage kommen beispielsweise Immobilien und abgesicherte Wertpapierdepots.

Festzuhalten bleibt: Das Versorgungswerk ist nicht mehr unbedingt der Fels in der Brandung, der es einst war. Es bleibt aber trotzdem ein vergleichsweise stabiler Baustein für die Ruhestandsplanung. Wer sich zusätzlich absichern will, kombiniert die berufsständischen Leistungen mit einem zweiten privaten Rentenstandbein.

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Authors and Affiliations

  • Michael Sudahl
    • 1
  1. 1.

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