Uro-News

, Volume 21, Issue 5, pp 40–40 | Cite as

Prostatakarzinom: Antiandrogen verbessert Ergebnis der Salvage-Bestrahlung

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Durch eine Antiandrogentherapie mit Bicalutamid über zwei Jahre zusätzlich zu einer Salvage-Strahlentherapie leben operierte Prostatakarzinompatienten länger. Außerdem kommt es in einem Zeitraum von zwölf Jahren seltener zu Metastasen, und weniger Patienten sterben an den Folgen ihrer Krebserkrankung.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

Vor fast 20 Jahren wurde die randomisierte Phase-III-Studie RTOG 9601 (NRG Oncology Radiation Therapy Oncology Group) begonnen, an der 760 Männer mit einem Prostatakarzinom teilnahmen. Die Männer hatten Tumoren im Stadium T2 und T3 und hatten sich zuvor einer Prostatektomie und einer Lymphadenektomie unterzogen. Im Median waren die Studienteilnehmer 65 Jahre alt und wiesen bei Studieneintritt einen medianen PSA-Wert von 0,6 ng/ml auf. Geprüft werden sollte durch die RTOG-9601-Studie, ob eine antiandrogene Behandlung das Ergebnis einer Salvage-Strahlentherapie bei Patienten mit anhaltend oder wiederholt erhöhten PSA-Werten weiter verbessern kann.

In der Verumgruppe wurden die Männer nach der Operation lokal bestrahlt, und zwar mit einer Gesamtdosis von 64,8 Gy in insgesamt 36 Fraktionen von 1,8 Gy an fünf Bestrahlungsterminen pro Woche. Dazu nahmen die Patienten täglich 150 mg Bicalutamid ab Bestrahlungsbeginn über einen Zeitraum von 24 Monaten ein. In der Vergleichsgruppe erhielten die Studienteilnehmer ein Scheinpräparat. Primärer Endpunkt der Studie war die Gesamtüberlebensrate. Zu den sekundären Endpunkten gehörten unter anderem die krankheitsspezifische Sterberate und Fernmetastasen. Das mediane Follow-up betrug 13 Jahre.

Wie Dr. William U. Shipley vom Massachusetts General Hospital and Harvard Medical School in Boston, USA, und seine Kollegen über die Endauswertung der Studie berichteten, lag das Gesamtüberleben nach zwölf Jahren bei 76,3 % in der Verumgruppe im Vergleich zu 71,3 % in der Placebogruppe. Die Wahrscheinlichkeit, im Studienzeitraum zu sterben, wurde um 23 % durch die Behandlung mit dem Antiandrogen verringert (Hazard Ratio [HR]: 0,77; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,59 und 0,99; p = 0,04). Der Anteil der Patienten, die über einen Zeitraum von zwölf Jahren an den Folgen der Krebserkrankung starben, lag in der Verumgruppe bei 5,8 % und in der Vergleichsgruppe bei 13,4 % — ein signifikanter Unterschied (HR: 0,49; 95%-Konfidenz-intervall zwischen 0,32 und 0,74; p < 0,001).

Die orale Behandlung über zwei Jahre hatte darüber hinaus einen Effekt auf die Metastasierung: Die kumulative Inzidenz metastasierter Prostatakarzinome errechneten die Ärzte nach zwölf Jahren zu 14,5 % in der Gruppe mit Bicalutamidbehandlung und zu 23 % in der Placebogruppe (HR: 0,63; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,46 und 0,87; p = 0,005).

Wesentliche unerwünschte Wirkung der Antiandrogentherapie war eine Gynäkomastie, die bei knapp 70 % der Männer in der Verumgruppe diagnostiziert wurde, und nur bei 10,9 % der Männer in der Placebogruppe (p = 0,001). Schließlich war die kumulative Inzidenz eines zweiten biochemischen Rezidivs in der Verumgruppe signifikant geringer (44,0 % vs. 67,9 %). Mithilfe der Multivariatanalyse stellte sich heraus, dass die Bicalutamidbehandlung, ein niedriger PSA-Wert (1,6 bis 4,0 ng/ml) zu Studienbeginn und ein Alter unter 65 Jahren jene Faktoren waren, die einen Hinweis auf eine höhere Gesamtüberlebensrate lieferten.

Fazit: William U. Shipley und seine Kollegen berechneten anhand der dokumentierten Daten, dass über einen Zeitraum von zwölf Jahren 20 Männer mit Bicalutamid behandelt werden müssten, um zu verhindern, dass ein Patient an den Folgen seiner Krebserkrankung stirbt. Um den Stellenwert dieses Zusammenhangs zu verdeutlichen, erinnerte Dr. Ian M. Thompson, Jr., vom Christus Santa Rosa Health System and Christus Oncology Research Council in San Antonio, USA, in seinem Kommentar zur Studie daran, dass deutlich mehr Männer operiert oder bestrahlt werden müssten, um das gleiche Ziel zu erreichen, nämlich 27.

Literatur

  1. Shipley WU et al. Radiation with or without Antiandrogen Therapy in Recurrent Prostate Cancer. NEJM. 2017; 376: 417–28.CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2017

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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