Uro-News

, Volume 21, Issue 5, pp 3–3 | Cite as

Quo vadis, Freiberuflichkeit?

  • Springer Medizin
Editorial
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„Gesundheitspolitik unterliegt grundsätzlich der Staatsräson, Freiberuflichkeit ihrerseits ist das Ergebnis der Emanzipation davon.“

Dr. med. Matthias Schulze Praxis Dr. Schulze, DKG-zertifizierte Partnerpraxis des Prostatakarzinomzentrums des Universitätsklinikums Leipzig AöR, Markkleeberg

Stellen Sie sich vor, Sie sind Arzt und Freiberufler. Dann gehören Sie zu den etwa eine Million Erwerbstätigen in Deutschland in dieser Position. Dann gehören Sie auch zu derjenigen Berufsgruppe, die etwa 2,5 % der Erwerbstätigen darstellt und dabei knapp 10 % des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Und Sie gehören zu mehr als 120.000 Ärzten mit einer Wertschöpfung von über 40 Milliarden Euro im Jahr. Bemerkenswerte Zahlen! Doch stehen neben diesen wirtschaftlich guten Daten hinter der ärztlichen Freiberuflichkeit in Deutschland auch Berufsfreiheit und Lebensqualität? Ist ein ärztlicher freier Beruf überhaupt mit deutscher Sozialgesetzgebung vereinbar? Hat die ärztliche Freiberuflichkeit tatsächlich eine Zukunft im deutschen Gesundheitswesen?

Ein reales Dilemma

Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit, war die eigene ärztliche Praxis ein Erfolgsmodell: wenig Gängelung, große Therapiefreiheit, angemessene Honorare und berufliche Zufriedenheit. Blicken wir in die Zukunft, so fragen sich zunehmend etablierte wie potenzielle Freiberufler nach der Perspektive des ärztlichen und freien Berufs. Weitere planwirtschaftliche Regulierungen durch die Sozialgesetzgebung, Ideologisierung und Neidbegünstigung, Reglementierung der ärztlichen Berufsfreiheit, Konzernmedizin, Shareholder Value und Einheitsgebührenordnung werden auch in Zukunft die ärztliche Unfreiheit vergrößern. Das klingt nicht nur wie ein Dilemma, es ist eines! Kurzum: schlechte Zeiten für den freien Beruf?!

Zahlen helfen hier vielleicht weiter. Weniger als ein Drittel aller berufstätigen Ärzte arbeitet heute in eigener Niederlassung. In den 1990er-Jahren waren etwa 42 % der berufstätigen Ärzte niedergelassen. Dieser Anteil ist bis heute um mehr als 10 % gesunken, das heißt, Freiberuflichkeit ist auf dem Rückzug. Die Auswirkung dieser Entwicklung wird umso prekärer, berücksichtigt man das aussterbende Liquidationsrecht der Chefärzte.

Selbstbewusstsein und Stolz wiederbeleben

Gesundheitspolitik unterliegt grundsätzlich der Staatsräson, Freiberuflichkeit ihrerseits ist das Ergebnis der Emanzipation davon. Emanzipation bedeutet Mitbestimmung und Gestaltung; sie braucht Mut, Kreativität und Sachverstand. Die Verteidigung dieser Tugenden erfordert das Engagement jedes Einzelnen und der ärztlichen Verbände.

Zwar könnte nur ein Prophet die teilweise diffusen Perspektiven der Freiberuflichkeit gänzlich klar beleuchten. Zumindest aber praxisnahe Antworten auf viele Fragen zur Niederlassung geben die Beiträge in dieser Ausgabe der URO-NEWS. Sie zeigen Wege und Beispiele, wie Freiberuflichkeit im ärztlichen Alltag praktiziert werden kann, Kooperationen entstehen und wie Selbstbewusstsein und Stolz in der deutschen Ärzteschaft bewahrt, wiederbelebt und gesteigert werden können — zum Wohle der Patienten. Zu diesem tragen auch lebhafte Diskussionen und der Austausch in der Ärzteschaft bei. Deshalb freuen wir uns, durchaus sehr kritische Reaktionen auf den Schwerpunkt „Ich will mich mal durchchecken lassen“, URO-NEWS 3/2017, in der kommenden Juniausgabe präsentieren zu können. Offenbaren sie einerseits gründliche Lektüre der URO-NEWS, zeigen sie zugleich eine Leserschaft, die ein pragmatisches und engagiertes ärztliches Ethos ihr Eigen nennt.

Herzlichst

Ihr

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