Hintergrund und Ziel:
Der Wert einer intensivierten lokalen Strahlentherapie (RT) bei Neuroblastom Stadium 4 bei Kindern ≥ 1 Jahr ist nicht genau definiert. Ihre möglichen Spätfolgen müssen berücksichtigt werden. Deshalb wurde der Einfluss der RT auf das ereignisfreie (EFS) und Gesamtüberleben (OS) von Patienten der NB97-Studie analysiert.
Patienten und Methodik:
Eingeschlossen wurden 110 Patienten ≥ 1 Jahr mit Neuroblastom Stadium 4, welche Induktionstherapie und Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation rezidivfrei erhalten hatten. Eine perkutane Strahlentherapie des Resttumorvolumens (36 Gy) war vorgesehen, wenn vor Hochdosis-Chemotherapie noch ein im MRT nachweisbarer Rest des Primärtumors mit korrespondierender Metaiodbenzylguanidin-(MIBG-)Mehrbelegung bestand.
Ergebnisse:
Insgesamt 13 Patienten erhielten eine RT des Primärtumorrests. Ihr Überleben (3-Jahres-EFS 85 ± 10%, 3-Jahres-OS 92 ± 7%) entsprach dem von 74 Patienten ohne Resttumor (3-Jahres-EFS 61 ± 6%, 3-Jahres-OS 75 ± 6%). Die Prognose war deutlich schlechter, wenn bei aktivem Primärtumorrest keine RT erfolgte (3-Jahres-EFS 25 ± 10%, 3-Jahres-OS 51 ± 11%, n = 23). Eine separate Analyse von 14 Patienten mit isoliertem Rest des Primärtumors zeigte ein wesentlich besseres Überleben der acht Patienten mit RT (3-Jahres-EFS 100%, 3-Jahres-OS 100%) im Vergleich zu sechs Patienten ohne RT (3-Jahres-EFS 20 ± 18%, 3-Jahres-OS 20 ± 18%). Die multivariate Analyse identifzierte neben MYCN-Amplifikation und Primärtumorrest auch die RT des Primärtumorrests als unabhängigen prognostischen Faktor für EFS (Hazard-Ratio 0,27) und OS (Hazard-Ratio 0,17).
Schlussfolgerung:
Die lokale RT erwies sich als wirksames Element in der Behandlung des Neuroblastoms Stadium 4 bei Kindern ≥ 1 Jahr. Die Ergebnisse dieser retrospektiven Analyse müssen durch eine prospektive, randomisierte Studie bestätigt werden.