Hintergrund:
Eppendorf-Elektroden-Messungen der Tumoroxygenierung haben
den ungünstigen Effekt der Tumorhypoxie auf die Prognose nach
Strahlenbehandlung und anderen Therapieformen gesichert,
insbesondere bei HNO- und Zervixkarzinomen sowie
Weichteilsarkomen. Der immunhistochemische Nachweis von
Proteinen, die an der sog. hypoxischen Antwort (Abbildung 1)
beteiligt sind, wird derzeit als Methode zur Abschätzung der
Hypoxie in klinischen Tumoren diskutiert.
Material und
Methodik:
Diese Übersicht umfasst klinische und experimentelle Daten
zum prognostischen Wert und zur Vergleichbarkeit mit anderen
Methoden der Hypoxiemessung für drei potentielle endogene
Hypoxiemarker, und zwar Hypoxia-inducible Factor-1α (HIF-1α),
Carboanhydrase 9 (CA 9) und Glucose-Transporter 1
(GLUT1).
Ergebnisse:
Keiner der drei Marker ist ausschließlich
hypoxiespezifisch, und unter normoxischen In-vitro-Bedingungen
war jeweils Protein nachweisbar. HIF-1α reagiert schnell auf
Hypoxie, aber auch auf Reoxygenierung, so dass die Stabilität
dieses Markers im Rahmen einer routinemäßigen Probengewinnung
problematisch ist. Eine perinekrotische Lokalisation und
zufrieden stellende Übereinstimmung mit injizierbaren
Hypoxiemarkern wie Pimonidazol wurden am übereinstimmendsten für
CA 9 beschrieben. Alle drei Marker zeigten eine Korrelation mit
Eppendorf-Elektroden-Messungen bei Zervixkarzinomen. In neun von
13 Arbeiten, darunter alle drei zur primären Radiotherapie von
HNO-Tumoren, war die HIF-1α-Überexpression mit einer ungünstigen
Prognose assoziiert (Tabelle 2). CA 9 war ein negativer
Prognosefaktor für Zervixkarzinome, HNO-Tumoren und
Bronchialkarzinome, in zwei weiteren HNO-Serien aber nicht mit
der Prognose korreliert (Tabelle 3). GLUT1 war bei kolorektalen,
Zervix- und Bronchialkarzinomen ein Indikator ungünstiger
Überlebensraten.
Schlussfolgerung:
Endogene Marker können therapeutisch relevante Hypoxie in
Tumoren detektieren. Um den Nutzen einzelner Marker zu
beurteilen, sind klinische Studien erforderlich, in denen die
Fähigkeit eines Hypoxiemarkers, den Vorteil einer
hypoxievermittelten Therapie (z. B. Tirapazamin, „ARCON“-Schema)
vorherzusagen, untersucht wird.