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Die Entlassungsmedikation im Arztbrief

Eine explorative Befragung von Hausärzten/-innen

Reporting the Discharge Medication in the Discharge Letter. An Explorative Survey of Family Doctors

Zusammenfassung

Hintergrund und Ziel:

Die ambulante Weiterführung einer stationär angesetzten Therapie beruht in der Regel auf der Mitteilung der Entlassungsmedikation durch den entlassenden Klinikarzt mittels Kurzarztbrief und (späterem) Entlassungsbrief. Das Format und die Qualität dieser Information waren Gegenstand des Interesses, da hierzu häufiger Klagen bekannt werden.

Methodik:

In einem postalischen Survey wurden n = 536 Hausärzte/-innen aus dem Raum Lübeck bzw. Frankfurt am Main bezüglich der Information zur Medikation nach Entlassung der Patienten aus dem Krankenhaus befragt. Der Fragebogen (26 Einzelfragen) enthielt Fragen 1. zur Bezeichnung der Entlassungsmedikation (Präparatenamen, Wirkstoffbezeichnung [INN]) im Kurzarztbrief und Entlassungsbrief, 2. nach weiteren Angaben zur Fortführung der Medikation oder den Austauschmöglichkeiten z. B. durch ein Generikum, 3. nach Gründen des Hausarztes für die Umsetzung einer Entlassungsmedikation und 4. zur Bewertung von Verbesserungsvorschlägen hinsichtlich ihrer Eignung in der Praxis.

Ergebnisse:

207 Fragebögen wurden ausgewertet (Rücklaufquote 39%). 82% der Hausärzte/-innen gaben an, dass im Kurzarztbrief immer bzw. häufig Präparate ohne Angabe der Wirkstoffbezeichnung genannt werden und zusätzliche Hinweise auf ein Generikum oder auf einen anderen Wirkstoff der gleichen Wirkstoffklasse fehlen. Auch für den Entlassungsbrief gaben 65% der Antwortenden an, dass häufig bis immer nur der Name des Präparats mitgeteilt wird, Hinweise auf ein Generikum oder auf einen Wirkstoff der gleichen Wirkstoffklasse erfolgen bei 41% im Entlassungsbrief und 18% im Kurzarztbrief. Nur 41% der Antwortenden gaben an, dass immer oder häufig Hinweise zur besonderen Anwendung und Überwachung der Medikation im Entlassungsbericht gegeben werden. Nach Angaben von 95% der Antwortenden wird die Gabe von neuen Medikamenten oder der Wechsel von Medikamenten im Arztbrief selten oder nie begründet, Patienten werden selten oder nie bei der Entlassung über Medikamentenwechsel oder Neuansetzung informiert (88%). Für 58% der Hausärzte/-innen sind ökonomische Gründe der bedeutsamste/ wichtigste Grund für Medikationsänderungen. 97% der Antwortenden geben an, eine Originalverschreibung des Krankenhauses häufig oder immer durch ein (verfügbares) Generikum oder einen ähnlichen Stoff derselben Wirkstoffklasse (81%) zu ersetzen. 83% halten Vorabinformationen, z. B. via Fax, für sinnvoll, 67% regelmäßige Treffen zwischen Krankenhausärzten und Hausärzten, 54% die Einrichtung einer Hotline zum Krankenhaus für Medikationsprobleme.

Schlussfolgerung:

Die Umfrage zeigt Defizite bei der Informationsübermittlung der Entlassungsmedikation, welche den Handlungsspielraum von Hausärzten/-innen bei der Therapieführung und Nutzung kostengünstigerer Alternativen einschränken.

Abstract

Background and Purpose:

In Germany, the discharge medication is usually reported to the general practitioner (GP) by an inital short report (SR)/notification (handed over to the patient) and later by a more detailed discharge letter (DL) of the hospital. The quality and appropriateness of these reports have been occasionally objected. Until now, a systematic survey has not been reported.

Methods:

N = 536 GPs (from Franfurt am Main and Luebeck) were asked after the typical report format of their patients discharge medication by the local hospitals. The questionnaire asked for 26 items covering (1) the designation of the medication (brand name, generic name) in SR and DL, (2) further specifications, e. g., possibilities of generic substitution or supervision of sensible medications, (3) reasons why GPs do not follow the hospitals recommendations, and (4) possibilities for an improvement in the medication-related communication between GP and hospitals.

Results:

39% GPs responded sufficiently to the questionnaire. The majority of the GPs (82%) quoted that in the SR only brand names are given (often or ever) and neither the generic name nor any further information on generic substitution is available (seldom or never). 65% of the responders quoted that even in the DL only brand names are given. Only 41% of the reponders quoted that further treatment-relevant specifications are given (often or ever). 95% responded that new medications or change of custom medication are seldom or never explained in the DL and GP were not explicitly informed about relevant medication changes. 58% of the responders quoted economic reasons for readjustment of the discharge medication, e.g., by generic substitution. The majority of responders (83%) are favoring (useful or very useful) a predischarge information (e. g., via fax) about the medication and 54% a hot line to some relevant person in the hospital should treatment problems emerge. 67% of the responders quoted in favor of regular meetings between GPs and hospital doctors regarding actual pharmacotherapy.

Conclusion:

This survey points to marked deficiencies in reporting the discharge medication to GPs, which leave room for improvement.

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Roth-Isigkeit, A., Harder, S. Die Entlassungsmedikation im Arztbrief. Med Klin 100, 87–93 (2005). https://doi.org/10.1007/s00063-005-1001-9

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Schlüsselwörter:

  • Entlassungsmedikation
  • Arztbrief
  • Schnittstellenproblematik

Key Words:

  • Discharge medication
  • Discharge letter
  • Pharmacotherapy