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HNO Nachrichten

, Volume 48, Issue 2, pp 3–3 | Cite as

Ärzteeinkommen — beliebte Spielwiese für Selbstdarsteller

  • Springer Medizin
Editorial
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Die Ärzteschaft wird immer mehr zum Spielball von Politik, Wirtschaft und Krankenkassen.

Prof. Dr. med. Gerhard Grevers Chefredaktion

Unterhaltsame Beiträge zum Lieblingsthema „Ärzteeinkommen“ kommen mittlerweile nicht nur aus der Politik, auch die Kassen mischen hier zunehmend mit. Jüngstes Beispiel ist der Beitrag eines Herrn Dr. Baas, rühriger Ex-Unternehmensberater, der in seinem Vorleben auch ein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen hat und kurzzeitig als Klinikarzt tätig war. Deshalb lässt er sich in der Presse auch gerne als Chirurg bezeichnen, das strahlt einfach mehr Seriosität aus.

Seit 2012 ist Baas Chef der Techniker Krankenkasse (TK), die ihre Mitglieder — wie man weiß — auf Kosten der Beitragszahler in den Wellnessurlaub nach Ischia schickt (vgl. Editorial 1/2016). Das nennt man heute Prävention und macht den Laden attraktiv für Versicherungsnehmer. Nun gut, andere Kassen sponsern den Besuch im Fitnessstudio, da will man natürlich nicht nachstehen. Und bei dem gegenwärtigen Kassenüberschuss von 28 Milliarden Euro (einschließlich Gesundheitsfonds) kann man ja schließlich auch mal was springen lassen für einen guten Zweck. Dass zur Gegenfinanzierung dieses Unsinns auch von Bedürftigen Medikamentenzuzahlungen verlangt werden, fällt dabei unter den Tisch. Zu Letzterem hört man leider auch von den „Lauterbachs“ dieser Nation eher wenig, obwohl das eigentlich ganz gut in deren Resort „Zwei-Klassen-Medizin“ passen würde. In eigener Sache gibt Baas auch ganz gerne mal den benachteiligten „Jaul-Paul“ und prangert, wie zuletzt im Herbst 2016 in der FAZ, die ungerechte Verteilung der Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds zu Ungunsten seiner TK an.

Ende vergangenen Jahres nun meldete sich Herr Baas erneut zum Thema „Ungerechtigkeit“ zu Wort, diesmal im Zusammenhang mit der Honorierung der niedergelassenen Ärzteschaft. Der Begriff erfreut sich ja in letzter Zeit vor allem in Politikerkreisen jedweder Couleur zunehmender Beliebtheit und wurde auch im vergangenen Bundestagswahlkampf sowie den diversen Koalitionssondierungs- und sonstigen Gesprächen gerne wählerwirksam bedient — die meisten im Lande fühlen sich schließlich irgendwie ungerecht behandelt. Das ist wohl Teil des deutschen Selbstverständnisses und mit dem Thema kann man eigentlich nichts falsch machen beim Bürger.

Im Kielwasser der Politik hat nun auch Herr Dr. Baas das Thema instinktsicher aufgegriffen — diesmal in einem Interview der Rheinischen Post — und zwar mit der originellen Forderung nach einheitlicher Honorierung der niedergelassenen Ärzteschaft. Auf diese Idee sind nicht einmal die politischen Parteien aus dem demokratischen Randbereich gekommen, zumindest wurde Derartiges meines Wissens nicht offiziell geäußert.

Nun hat es hierzulande ja durchaus Tradition, dass jeder Schwätzer zum Thema adäquate Bezahlung anderer daherschwafelt — und das ist im Rahmen der freien Meinungsäußerung auch legitim. Die öffentlich gemachte Forderung des Dr. Baas, so absurd sie auch scheinen mag, sollte dennoch zu denken geben und führt uns wieder einmal deutlich vor Augen, wie die Ärzteschaft immer mehr zum Spielball von Politik, Wirtschaft und Krankenkassen wird.

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