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HNO Nachrichten

, Volume 46, Issue 6, pp 42–42 | Cite as

Glukokortikoidtherapie bei Hörsturz?

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Medizin aktuell
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Bei akutem idiopathischem Hörverlust (Hörsturz) gelten systemisch applizierte Steroide weltweit als Standard für die primäre Behandlung. Deren Wirksamkeit wie auch die anderer Therapieoptionen sei jedoch nicht klar belegt, sagte Prof. Dr. Stefan K. Plontke, Universitätsklinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie Halle (Saale). In der deutschen Leitlinie „Hörsturz“ [S1-Leitlinie AWMF-Reg. Nr 017/010] empfohlen und auch routinemäßig angewendet wird eine Hochdosis-Steroidtherapie, auch wenn deren Wirksamkeit und Sicherheit bislang nicht in randomisierten, kontrollierten klinischen Studien nachgewiesen wurde. Diese Evidenzlücke zu schließen und Unsicherheiten bei der Anwendung der Steroidtherapie auszuräumen, ist Ziel der bundesweiten multizentrischen Studie HODOKORT (Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit der HOchDOsis-GlukoKORTikoid-Therapie beim akuten, idiopathischen, sensorineuralen Hörverlust), berichtete Studienleiter Plontke. Die Studie wird finanziell durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) getragen und ist eine der beiden ersten Studien des Deutschen Studienzentrums für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DSZ-HNO) Bonn. In einem dreiarmigen Parallelgruppendesign werden eine intravenöse sowie eine orale Hochdosis-Glukokortikoidtherapie (fünf Tage 250 mg Prednisolon intravenös bzw. fünf Tage 40 mg Dexamethason oral) im Vergleich zur international empfohlenen Standarddosistherapie (fünf Tage 60 mg Prednisolon oral plus ausschleichende Dosen) verglichen [Plontke SK et al.: HNO 2016; 64: 227–236; hodokort-studie.hno.org].

Beim Hörsturz, ebenso wie beim Morbus Menière und bei Tinnitus, findet auch eine intratympanale Glukokortikoidtherapie zunehmendes Interesse. In der Primärtherapie des Hörsturzes sei diese ebenso wirksam oder nicht wirksam wie die systemische Standarddosis, so Plontke. Es gibt aber Hinweise, dass bei ungenügender Erholung des Hörverlustes nach systemischer Therapie eine intratympanale Glukokortikoidgabe als Sekundärtherapie, die zwischen zwei und vier Wochen nach der Primärtherapie begonnen wird, mit einer signifikant höheren Wahrscheinlichkeit zu einer Hörschwellenverbesserung führt. In der HODOKORT-Studie werden auch Daten zu einer solchen Sekundärtherapie gesammelt, die dem Studienprotokoll zufolge ab vier Wochen nach Hörsturz begonnen werden kann. Die Ergebnisse dürfen mit Spannung erwartet werden.

Literatur

  1. Plontke S.: Aktuelle Aspekte der HörsturztherapieGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2016

Authors and Affiliations

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