HNO Nachrichten

, Volume 46, Issue 6, pp 41–41 | Cite as

Schwindeldiagnostik: Auch die Funktion der Kopfgelenke testen

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Ausgangspunkt für neue Ansätze zum Verständnis des vestibulären Systems sei die Tatsache, dass der Schwerpunkt des Kopfes vor dessen Drehpunkt liegt, sagte Priv.-Doz. Dr. Matthias Hölzl, HNO-Zentrum Traunstein. Schon die horizontale Kopfhaltung bedarf daher einer genau justierten muskulären Arbeit. Zur Rolle, welche die Kopfgelenke, das heißt die Bänder, Muskeln, Wirbel und neuronalen Strukturen der oberen Halswirbelsäule, beim Gehen für das vestibuläre System spielen, sind bislang jedoch keine Erkenntnisse publiziert.

Die Blickfixierung während des Gehens erfordere eine aktive, feine, schnelle und exakte Kopfsteuerung, erläuterte Hölzl. Von entscheidender Bedeutung sei dabei eine vestibulo-collische Kopf-Körper-Koordination. Für ein funktionierendes vesitbuläres System spielen neben der intrakraniell-vestibulären Sensorik auch extrakraniell-vestibuläre Lage- und Beschleunigungssensoren eine Rolle. Sensorische Rezeptoren am Kopf sind über den Fasciculus longitudinalis medialis mit der kurzen Nackenmuskulatur verbunden. Der Fasciculus longitudinalis medialis vermittelt vestibulo-collische Reflexe, die bei Bewegung die Blickfixierung unterstützen müssen.

Neben einem vestibulären Funktionsverlust könne auch eine arthrogene Funktionsstörung am kraniozervikalen Übergang zu einer vestibulo-collischen Störung führen, erklärte Hölzl. Der HNO-Arzt stellte eine einfache Methode vor, die vestibulo-collische Koordination zu untersuchen: Während Patienten auf einem Laufband gehen, werden über mobile Beschleunigungssensoren an Stirn und Füßen sowie über eine okuläre Hochfrequenzvideobrille Daten erfasst, zusammengeführt und ausgewertet. Diese praxistaugliche Funktionsanalyse könnte in Zukunft einen guten Beitrag zur weiteren Differenzierung der vestibulären Diagnostik leisten.

Literatur

  1. Hölzl M.: Neue Aspekte zu den vestibulären KopfgelenkenGoogle Scholar

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