HNO Nachrichten

, Volume 46, Issue 6, pp 19–19 | Cite as

Kopf- und Halstumoren: Beobachten statt Neck-Dissection

  • Christina Berndt
Literatur kompakt
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Bei Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom im Kopf- und Halsbereich (SCCHN) sind oft auch die Lymphknoten befallen. Neueren Daten zufolge scheint ein vollständiges Ausräumen der Lymphknoten ohne konkreten Befund aber nicht sinnvoll.

Bei kompletter Remission nach Chemoradiotherapie von Kopf-Hals-Tumoren beträgt das Rezidivrisiko weniger als 10 %. Es könnte also sinnvoller sein, eine Neck-Dissection nur bei besonders gefährdeten Patienten vorzunehmen und diese mittels Bildgebung zu identifizieren. Schließlich geht die Ausräumung aller Lymphknoten häufig mit Komplikationen einher. Diese Strategie wurde prospektiv randomisiert untersucht.

564 SCCHN-Patienten mit N2- oder N3-Status und ohne Fernmetastasen (M0) erhielten randomisiert entweder obligat eine Neck-Dissection oder lediglich dann, wenn 12 Wochen nach Ende der Chemoradiotherapie in der Bildgebung mittels kombinierter Positronenemissions-/Computertomografie (PET/CT) Hinweise auf ein Residuum vorlagen. Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben (OS). 17 % der Patienten hatten ein N2a-, 62 % ein N2b-Stadium, 84 % ein Oropharynxkarzinom, 75 % eine p16-Expression im Tumor als Hinweis auf humane Papillomviren. Das mediane Follow-up betrug 36 Monate.

In der Gruppe mit PET/CT-Überwachung wurde seltener eine Neck-Dissection durchgeführt als in der Gruppe mit obligatem Eingriff (54 vs. 221). Chirurgische Komplikationen traten aber in beiden Gruppen vergleichbar häufig auf (42 und 38 %). Die Rate für das 2-Jahres-OS betrug 84,9 % in der Überwachungs- und 81,5 % in der Gruppe mit geplanter Operation. Die Hazard Ratio für Tod fiel leicht zugunsten der PET/CT-Gruppe aus. Keinen signifikanten Einfluss hatte die p16-Expression. Die Lebensqualität war in beiden Gruppen ähnlich. Die PET/CT-geführte Überwachung führte im Vergleich zur Neck-Dissection zu Ersparnissen in Höhe von 2.200 US-Dollar pro Patient über die Dauer der Studie.

Fazit: Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom, bei denen nach der Chemoradiotherapie eine Lymphknotenausräumung an einen positiven PET/CT-Scan gebunden ist, leben genauso lange wie Patienten mit geplanter vollständiger Neck-Dissection. Die Strategie der PET/CT-Überwachung führte aber zu erheblich weniger Operationen und war kosteneffektiver.

Literatur

  1. Mehanna H et al. PET-CT Surveillance versus Neck Dissection in Advanced Head and Neck Cancer. N Engl J Med. 2016;374:1444–54.CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin 2016

Authors and Affiliations

  • Christina Berndt
    • 1
  1. 1.

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