Hintergrund
In den letzten Jahren wurde die Digoxintherapie kritisch betrachtet, nachdem verschiedene Studien über einen Zusammenhang mit erhöhter Mortalität bei Patient(inn)en mit Vorhofflimmern (VF) berichtet hatten. Die klinischen Wirkungen von Digoxin auf die Mortalität waren eng mit den Serumdigoxinkonzentrationen (SDC) in diesen Studien verknüpft. In der vorliegenden Arbeit untersuchten die Autor(inn)en die Rolle des SAMe-TT2R2-Scores und des modifizierten SAMe-TT2R2-Scores zur Vorhersage der therapeutischen Breite der Therapie mit Digoxin.
Methoden
Die Krankenakten der Klinik der Autor(inn)en wurden auf Patient(inn)en hin durchsucht, die zwischen 2008 und 2018 mit Digoxin behandelt wurden. In die Studie wurden 2418 Patient(inn)en einbezogen, für welche die SDC dokumentiert waren. Eine SDC von <0,5 oder >1,2 ng/ml wurde als außerhalb der therapeutischen Breite liegend definiert.
Ergebnisse
In multivariablen Regressionsanalysen wurden ein anomaler Body Mass Index (Odds Ratio, OR: 1,59; 95 %-Konfidenzintervall, 95 %-KI: 1,29–1,95; p < 0,01), die Leukozytenzahl (OR: 1,12; 95 %-KI: 1,01–1,27; p < 0,01) und der modifizierte SAMe-TT2R2-Score (OR: 4,19; 95 %-KI: 3,71–4,72; p < 0,01) als unabhängige Prädiktoren eines Werts außerhalb der therapeutischen Breite ermittelt. Ein modifizierter SAMe-TT2R2-Score >3 sagte einen Wert außerhalb der therapeutischen Breite mit einer Sensitivität von 86 % und einer Spezifität von 65 % (AUC: 0,825; p < 0,01) voraus.
Schlussfolgerung
Weiterhin ist Digoxin zur Therapie der Herzinsuffizienz und des VF weit verbreitet – trotz Bedenken hinsichtlich des erhöhten Mortalitätsrisikos, wenn die Spiegel außerhalb der therapeutischen Breite liegen. In der vorliegenden Studie erwies sich der modifizierte SAMe-TT2R2-Score als unabhängiger Prädiktor eines Werts außerhalb der therapeutischen Breite. Dieser Score kann Klinikärzt(inn)en dabei helfen, Patient(inn)en zu erkennen, die mit höherer Wahrscheinlichkeit Vorteile von einer Digoxintherapie haben.