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Herz

, Volume 39, Issue 5, pp 581–585 | Cite as

Wenn das Annehmen wichtiger wird als das Machen

Plädoyer für eine neue Kultur des Sterbens
Schwerpunkt

Zusammenfassung

Das Sterbenmüssen ist eine existenzielle Grunderfahrung des Menschen. Die Aussicht auf den Tod und die Angst vor dem Leid und der Vergänglichkeit prägen das gesamte Leben. Im Zuge des Diktats der Machbarkeit tendieren wir heute dazu, auch das Sterben und den Tod als etwas Planbares zu begreifen, als etwas, dessen Zeitpunkt, Art und Umstände wir am liebsten selbst im Voraus bestimmen möchten. Die aktive Sterbehilfe und der assistierte Suizid scheinen hier die probaten Antworten zu sein. Aber lässt sich ein adäquater Umgang mit sterbenden Menschen allein durch den Rekurs auf die Autonomie gewährleisten? In dem Beitrag wird die Rolle der Fürsorge neu herausgearbeitet und für einen Umgang mit Sterbenden plädiert, der eine Ethik der Sorge in den Mittelpunkt stellt, ohne in einen Kontrast zur Autonomie zu geraten.

Schlüsselwörter

Assistierter Suizid Sterbehilfe Ethik der Sorge Annehmen Palliativmedizin 

When letting-be is more important than actions

Plea for a new culture of dying

Abstract

The fact of “being mortal” and mortality are of an existential meaning for every human being. The knowledge of death and the imagination of a finiteness of life have a crucial impact on the whole life. Today it has become a common approach to plan death, to organize and to regulate it. We tend to reduce death to a duty of management. With this rationalization of death we try to get within distance of it. Active euthanasia and assisted suicide seem to be the adequate answers to this approach but is death really well understood if we only try to handle it this way? Is autonomy really the only relevant principle to respect the concerns of dying individuals or desperate people who want to die? This contribution pleads for an emphasis on a new ethics of caring, because a truly human medicine is not possible without caring. It shows that care does not necessarily get in conflict with autonomy but that it is the prerequisite for autonomy.

Keywords

Assisted suicide Active euthanasia Ethics of care Acceptance Palliative care 

Notes

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt. G. Maio gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine Studien an Menschen oder Tieren.

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Copyright information

© Urban & Vogel 2014

Authors and Affiliations

  1. 1.Institut für Ethik und Geschichte der MedizinUniversität FreiburgFreiburg i. Br.Deutschland

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