Hintergrund:
Bei Patienten mit typischer Angina pectoris ohne relevante Koronarstenosen finden sich häufig kardiovaskuläre Risikofaktoren und/oder Zeichen einer myokardialen Ischämie. In vielen Fällen ist die Koronarreserve eingeschränkt. Regionale Messungen der Koronarreserve belegen eine Heterogenität zwischen einzelnen Myokardarealen.
Patienten und Methodik:
Ziel dieser Untersuchung war die regionale Bestimmung der myokardialen Perfusionsreserve (MPR) bei klinisch symptomatischen Patienten ohne relevante epikardiale Koronarstenosen mittels Röntgendensitometrie aus digitalen Subtraktionsangiogrammen. Die MPR ist definiert als Quotient der Anstiegszeit (AT; Beginn der lokalen kontrastmittelinduzierten myokardialen Anfärbung bis zu deren Maximum) unter Ruheflussbedingungen und unter medikamentös induzierter maximaler Hyperämie.
Ergebnisse:
Die MPR lag im Gesamtkollektiv in den Versorgungsgebieten der jeweiligen Koronarien bei 1,6 ± 0,5 (RIVA), 2,0 ± 0,7 (RCx) bzw. 2,2 ± 0,6 (RCA). Bei Hypertonikern war die MPR mit 1,5 ± 0,3 versus 2,2 ± 0,7 (RIVA), 1,8 ± 0,5 versus 2,5 ± 0,7 (RCx) und 2,1 ± 0,5 versus 2,5 ± 0,9 (RCA) in allen Gefäßterritorien signifikant niedriger als bei Normotonikern. Die AT ist umgekehrt proportional zur Ruheperfusion. Sie war in Ruhe bei Hypertonikern (5,0 ± 1,1 s [RIVA], 4,8 ± 1,1 s [RCx], 5,9 ± 1,4 s [RCA]) im Vergleich zu Normotonikern (6,5 ± 2,0 s [RIVA], 6,1 ± 2,6 s [RCx], 7,8 ± 4,0 s [RCA]) signifikant kürzer, während sich die AT unter papaverininduzierter maximaler Hyperämie nicht signifikant unterschieden. Eine statistisch signifikante Korrelation zwischen der MPR und der Wanddicke bestand nur im Perfusionsgebiet des RIVA.
Der Variabilitätsindex als Maß der Heterogenität war bei den Normotonikern in Ruhe in allen Gefäßregionen größer als bei den Hypertonikern, während es unter Hyperämie zu einer weitgehenden Angleichung kam. Die semiquantitativen Wash-in-Messungen der Myokardszintigraphie zeigten in den drei Gefäßgebieten keine sichere Korrelation zur MPR.
Schlussfolgerung:
Bei den untersuchten Patienten, insbesondere bei denen mit arteriellem Hypertonus, ist die MPR niedriger als der in der Literatur im Allgemeinen mit 3 angenommene untere Normwert der MPR Herzgesunder. Die Einschränkung ist im Versorgungsgebiet des RIVA besonders ausgeprägt und erklärt sich vor allem durch eine erhöhte Ruheperfusion. Ihr Nachweis ist im Rahmen einer diagnostischen Koronarangiographie mittels Röntgendensitometrie ohne großen Aufwand möglich.