Heilberufe

, Volume 69, Issue 12, pp 55–55 | Cite as

Leserbriefe

  • C. Koch
  • S. Drees
Sonstiges
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Zu „Pflegekammer in der Hauptstadt. Kommt sie oder kommt sie nicht?“ In: HEILBERUFE 10/2017

Auf facebook.com/springerPflege fragten wir Sie außerdem um Ihre Meinung: Ist eine Pflegekammer der richtige Weg, den Beruf attraktiver zu machen? Hier sind einige Kommentare:

Kristin Barselak: Jaaa. Sie soll endlich kommen. Und der Schwachsinn mit der „Zwangsgebühr“ nervt einfach nur noch... Vielleicht mal die Vorteile abwägen. Aber soweit denken ja einige nicht.

Petra Sdrenka: Wer „gesunde“ Menschen zwingt irgendwo einzutreten; was macht der mit pflegebedürftigen Menschen. Die Pflegekammer will meine Rechte vertreten. Gerne! Bitte helft mir, dass ich mein Recht wahrnehmen kann und nicht gezwungen werde, einer Vereinigung beizutreten...

Sabine Dinse: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass... oder wie muss ich das verstehen? Sie wollen Hilfe bei der Wahrnehmung Ihrer Rechte — fühlen sich aber nicht verpflichtet, hier entsprechend aktiv zu werden.

Petra Sdrenka: Ich berufe mich auf die UN-Menschenrechtcharta. Kein Mensch darf gezwungen werden, einer Vereinigung anzugehören. Darum geht es mir! Ob ich freiwilliges Mitglied werde, entscheide ich dann selbstbestimmt.

Kristin Barselak: Die Pflegekammer kann nur tätig werden, wenn alle Mitglied sind.

Anke Jakobs: Jeder Arzt ist in einer Kammer. Wenn alle Pflegenden in den Berufsverband eintreten würden und ihre berufspolitische Verantwortung wahrnehmen würden, dann... Das ehrenamtliche berufspolitische Engagement Einzelner muss endlich von allen getragen werden.

Petra Sdrenka: Ich arbeite neben meiner Haupttätigkeit noch als 450 Euro-Kraft. Bin gewerkschaftlich organisiert und werde gegebenenfalls entscheiden, ob ich Mitglied sein möchte. Aber ich werde nirgendwo Mitglied sein wollen, wo man Menschen zwingt... Die Zeiten sind ja Gott sei Dank in Deutschland vorbei.

Annemarie Fajardo: Die Pflegekammer ist nicht nur der richtige Weg, sie ist momentan der einzige Weg hin zur Selbstverwaltung und einem Mitspracherecht in den obersten Gremien der Bundespolitik.

Jörg Benter: Ist dringend einzurichten — für die Weiterentwicklung der Pflegeberufe und als Ansprechpartner für Politik und Patienten in pflegerischen Belangen.

Conny Vollmayr-Krause: Ja sie muss kommen.

Susanne: Nein! Schon gar nicht mit Zwangsgebühren! Eine Frechheit.

Kristin Barselak: Ehrlich— dieses „Argument“ nervt.

Zur aktuellen Situation in der Pflege erreichten uns folgende Leserbriefe:

Mit Einführung des DRG-Systems ist der Wettbewerb im Gesundheitswesen eröffnet worden. Die Liegezeiten der Patienten verkürzen sich auf ein unerträgliches Maß. In kürzester Zeit wird ihnen eine maximale Behandlungsqualität von Ärzten und Pflegenden „verabreicht“. Und das mit steigenden Patienten- und sinkenden Personalzahlen. 1996 kamen auf eine Pflegekraft im Durchschnitt 46,3 Patienten, 2014 waren es 60,1 Patienten. Im europäischen Vergleich steht Deutschland damit auf den hintersten Rängen. Die Grenzen sind schon vor vielen Jahren überschritten worden. Der Druck in dieser Branche ist unerträglich geworden und die Pflege bricht darunter zusammen. Bei den Personalkosten wird seit Jahrzehnten in Größenordnungen eingespart, die im Alltag nicht mehr tragbar sind. Das geht zu Lasten der Pflege und letztlich des Patienten. Das ist ethisch nicht mehr vertretbar. Diese Behauptung beruht auf meiner jahrelangen Arbeit in diesem Bereich sowie auf Tatsachenberichten vieler Kollegen bundesweit. Es gibt unzählige Beispiele für Hilferufe von Kollegen in den sozialen Netzwerken. Die Pflege steht 24 Stunden an 365 Tage im Jahr hinter ihren Patienten/Bewohnern, um das umzusetzen, was nötig ist, damit es ihnen wieder besser geht oder um am Ende des Lebens einem Menschen einen würdigen Abschied zu ermöglichen. Unserer Berufsgruppe wird genau das immer mehr durch den wirtschaftlichen Zwang, dem die Unternehmen unterliegen, verweigert. Es werden Prozessoptimierungen vorgenommen, vermehrt Pflegehelfer und Leiharbeiter verpflichtet. Der ambulante Pflegedienst jagt von einem Patienten zum nächsten und das mit steigenden Patientenzahlen. In der Altenpflege sieht es nicht viel besser aus: beispielsweise 100 Bewohner im Nachtdienst auf eine Fachkraft. Man stelle sich vor, wenn nur fünf der Bewohner zweistündlich gelagert werden müssen, um Dekubitus zu vermeiden, ist das für einen Altenpfleger unmöglich umzusetzen. Da rede ich noch nicht von Körperpflege, Toilettengang, psychische Betreuung und Dokumentation. Und der Patient hat noch nichts gegessen!

Für die Personalbemessung gibt es bis heute von der Politik keinen bindenden Personalschlüssel. Das heißt, dass Richt- und Leitlinien vorgegeben werden, an die sich der Arbeitgeber jedoch nicht halten muss und in den meisten Fällen auch nicht hält.

Es gibt seitens der Politik Bemühungen, 2019 eine Untergrenze von Personal für die „pflegeintensiven“ Bereiche zu installieren. Jeder Bereich ist meiner Meinung nach ein pflegeintensiver Bereich und das auf seine eigene individuelle Art und Weise. Dem entgegen steht der Vorstoß von Verdi, „Entlastung jetzt!“, einen tariflich festgesetzten Personalschlüssel zu installieren. Gewerkschaft wird immer gerne mit mehr Lohn gleichgesetzt. Dies ist jetzt nicht mehr so, es geht um die Bedingungen, unter denen wir arbeiten müssen.

Eine Woche im September. Jeder redet über Pflegenotstand, dringende Hilfe, bessere Bezahlung, Aufwertung der Pflege ... Richtig — ich rede von der Woche vor der Bundestagswahl. Am Tag nach der Wahl ging es dann um die großen Themen wie Jamaika, wer mit wem, nicht noch mal Schwarz-Rot etc. Nun gut, ist ja wirklich wichtig. Aber was ist mit den tollen Forderungen, die zu unseren Gunsten erhoben wurden? Es ist zu befürchten, dass es wie immer ablaufen wird — also in den Gulli. Allerdings hat auch keiner der Politiker erwähnt, wie mehr und besser bezahlte Pflegende finanziert werden sollen. Ist ja auch nicht so wichtig, dauert eh, bis da einer nachfragt. Ich sehe oft neidisch zu den ärztlichen Kollegen. Gut organisiert, ein starker Berufsverband im Rücken — da lässt sich manche Forderung umsetzen.

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© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • C. Koch
    • 1
  • S. Drees
    • 1
  1. 1.

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