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Heilberufe

, Volume 69, Issue 12, pp 46–46 | Cite as

RICHTIGES VERHALTEN IM SCHADENSFALL

  • Thorsten Siefarth
PflegeAlltag Recht
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Zunächst sollten Sie nach einem (nicht nur strafrechtlich relevanten) Vorfall einen Bericht für den eigenen Gebrauch schreiben. Erledigen Sie das möglichst schnell, weil Ihre Erinnerungen dann noch frisch und weitgehend vollständig sind. Dieses Protokoll hilft Ihrem Gedächtnis später auf die Sprünge. Außerdem können Sie es als Grundlage für einen offiziellen Schadensbericht verwenden. Denken Sie bei letzterem daran, den relevanten Vorgang möglichst neutral zu schildern. Auf keinen Fall sollten Sie ein Schuldeingeständnis abgeben.

Sichern Sie möglichst viele Beweise: Suchen Sie Zeugen, machen Sie Fotos von Örtlichkeiten und Kopien von wichtigen Dokumenten. Vergessen Sie dabei nicht, gegebenenfalls die dazu notwendige Erlaubnis einzuholen. Den direkten Kontakt zum Geschädigten sollten Sie möglichst einschränken oder — wenn möglich — sogar völlig vermeiden. So können Sie einer weiteren Eskalation aus dem Weg gehen und verhindern, dass Sie Informationen weitergeben, die nachher womöglich auf sie zurückfallen.

Wenn Sie von der Polizei befragt werden, dann sollten Sie keine Angaben zur Sache machen. Sie sind lediglich verpflichtet, über ihre Person (Name, Geburtsort und -datum etc.) Auskunft zu geben. Lassen Sie sich weder „einwickeln“ noch „bedrohen“. Vermeiden Sie auch Spontanäußerungen oder „nette Unterhaltungen“.

Werden Sie zur Polizei geladen, müssen Sie dort in der Regel nicht erscheinen. Wohl aber vor einem Staatsanwalt oder Ermittlungsrichter. Allerdings haben Sie auch dort das Recht, Angaben zur Sache zu verweigern:
  • Als Zeuge haben Sie zunächst das Recht, eine Aussage generell zu verweigern. Zum Beispiel dann, wenn ein naher Angehöriger beschuldigt wird (§ 52 Strafprozessordnung, StPO). Aber auch als sogenannter „Berufshelfer“ von Ärzten (§ 53a StPO). In diesem Fall entscheidet der Arzt, ob Sie zu einem medizinischen Sachverhalt eine Aussage machen dürfen. Selbstverständlich kann Sie auch der Patient von der Schweigepflicht entbinden.

  • Das Recht, auf bestimmte Fragen die Auskunft zu verweigern, haben Sie als Zeuge dann, wenn Sie bei der Beantwortung Gefahr laufen würden, damit sich selbst oder Angehörige der Verfolgung wegen einer Straftat oder einer Ordnungswidrigkeit auszusetzen.

  • Werden Sie nicht bloß als Zeuge, sondern gar als Beschuldigter befragt, dann dürfen Sie die Aussage in jedem Fall komplett verweigern.

Bei einer Durchsuchung und/oder Beschlagnahme: Lassen Sie sich den Durchsuchungsbefehl zeigen und prüfen Sie, ob die Durchsuchung von diesem auch gedeckt ist. Sie dürfen bei der Durchsuchung anwesend sein und auch einen Anwalt oder einen Zeugen hinzuziehen. Wenn möglich, dann helfen Sie den Beamten. Dadurch verkürzen Sie die Durchsuchung und verhindern größere Unordnung. Bei der Beschlagnahme sollten Sie sich eine möglichst detaillierte und exakte Quittung ausstellen lassen. Verlangen Sie bei beschlagnahmten Dokumenten, davon Kopien machen zu dürfen. Will die Polizei einen Computer mitnehmen, bitten Sie darum, eine Spiegelung der Festplatte vorzunehmen. Spätestens, wenn Sie zur Staatsanwaltschaft oder vor den Ermittlungsrichter geladen werden oder wenn bei Ihnen durchsucht wird, sollten Sie unbedingt einen Rechtsanwalt einschalten.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  • Thorsten Siefarth
    • 1
  1. 1.

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