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Heilberufe

, Volume 69, Issue 11, pp 26–26 | Cite as

Welchen Rahmen braucht die „smarte“ Pflege?

  • Oliver LudwigEmail author
PflegePraxis Journal Club
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Mobile Technologien nehmen in der Gesellschaft immer mehr Raum ein. Nichts scheint mehr zu gehen — ohne Smartphone und Tablet. Aber wie sicher sind sie — besonders in der Pflege?

Das vorliegende Diskussionspaper untersucht, ob und wie in Australien der Einsatz mobiler Technologien in der Pflege geregelt ist. Aber auch inwieweit ihr Potenzial für eine verbesserte Pflegepraxis durch informelles Lernen und kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung im Gesundheitswesen berücksichtigt wird. Laut Forschergruppe fehlen bisher eindeutige Regelungen und Gesetzmäßigkeiten, wann, wo und wie Pflegekräfte mobile Technologien während ihrer Pflegetätigkeiten nutzen können, sollten oder sogar müssen. Die smarte Technik wird im australischen Arbeitsalltag von Pflegekräften bereits an vielen verschiedenen Stellen eingesetzt:
  • bei Pflegetätigkeiten und zur Verbesserung der Pflegepraxis

  • zur Erfüllung der Anforderungen für die Registrierung als Pflegefachkraft: z.B. berufliche Weiterentwicklung

  • zur Unterstützung des mobilen Lernens.

Die Studienautoren betonen die Diskrepanz zwischen dem raschen Anstieg in der Nutzung der mobilen Technologien im Pflegealltag und den fehlenden oder unklaren Richtlinien für deren Einsatz gibt. Sie bezeichnen dies als Paradoxon der mobilen Technologie und kommen zu dem Schluss, dass die derzeitig fehlenden Gesetzmäßigkeiten sowohl die Pflegepraxis als auch das mobile informelle Lernen und die kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung am Arbeitsplatz stark negativ beeinträchtigen. Die Autorengruppe gibt Reformvorschläge, um die bestehenden Barrieren zu überwinden und die mobilen Technologien in die alltägliche Pflegepraxis zu integrieren. Sie empfehlen geeignete Standards, Leitlinien und Gesetze zu überarbeiten und die konkrete berufs- und praxisbezogene Nutzung der mobilen Technologie in Curricula zu implementieren.

Kommentar

Bei der raschen Entwicklung der mobilen Technologien in der Pflege kommen die Gesetzgeber, hier am Beispiel von Australien, gar nicht hinterher, einen verbindlichen Rahmen für die Nutzung zu etablieren.

Die Situation in Australien deckt sich natürlich nicht gänzlich mit der in Deutschland. Trotzdem wird das Thema Technologie in der Pflege hier ebenfalls vielfach diskutiert. Der Nutzen von mobiler Technologie zur Unterstützung der Pflege und des mobilen Lernens zur Verbesserung der Pflegepraxis ist, wie in Australien auch, in Deutschland nicht von staatlicher Seite geregelt. Das vorliegende Paper arbeitet diese Situation sehr deutlich heraus und liefert sogar Reformvorschläge. Es ist zu hoffen, dass diese Empfehlungen auch in Deutschland bald Gehör finden, damit die Potenziale der smarten Technik in der Pflege nicht ungenutzt bleiben. Weitere Interventionsstudien, die geeignete Implementierungsmöglichkeiten ermitteln und auf die effektive Nutzung als auch auf die Risiken beim Einsatz mobiler Technologie im Pflegealltag hinweisen, sind notwendig. Nur so können eindeutige Regelungen bezüglich der Nutzung von mobilen Technologien im Pflegealltag durch den Gesetzgeber geschaffen werden.

Oliver Ludwig

Literatur

  1. Mather et al. Governing mobile technologogy use for continuing professional development in the Australian nursing profession. BMC Nursing (2017) 16:17. DOI 10.1186/s12912-017-0212-8CrossRefPubMedPubMedCentralGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.

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