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Untersuchungen zur Praxistauglichkeit von Instrumenten zur Verbesserung des Verbraucherschutzes der Chemikalien-Verordnung REACh aus Verbrauchersicht

  • Marvin Kröckel
  • Alexander Radzik
  • Annemarie Schwarz
  • Michael Seegmüller
  • Thorsten DaubenfeldEmail author
Research article

Zusammenfassung

Die REACh-Verordnung verpflichtet den Lieferanten eines Erzeugnisses, Verbraucher auf Anfrage über die Anwesenheit von besonders besorgniserregenden Stoffen (SVHC) in dem in Verkehr gebrachten Erzeugnis zu informieren, wenn der Gehalt des Stoffes über 0.1 % (w/w) liegt. Bei 142 angefragten Erzeugnissen wurde in nur 10 Fällen die Anwesenheit von SVHC angezeigt. Die betroffenen Hersteller arbeiten zum Teil aktiv an der Substitution dieser Stoffe durch weniger gefährliche Alternativen. Von weiteren 68 Anfragen, in denen keine grundsätzliche Informationspflicht bestand, wurde bei 44 Antworten nur in einem Fall die Anwesenheit einer SVHC angezeigt. Die Kommunikation von Informationen im Sinne der REACh-Verordnung entlang der Lieferkette scheint daher in Deutschland auf einem funktionsfähigen Niveau etabliert zu sein. In 135 Fällen antworteten Unternehmen, obwohl sie nicht zur Kommunikation verpflichtet gewesen wären. Diese Unternehmen scheinen im Sinne einer „Corporate Social Responsibility“ bemüht zu sein, für den Verbraucher über das gesetzlich erforderliche Maß hinaus Transparenz bezüglich der vertriebenen Erzeugnisse zu schaffen. Es lässt sich aber nicht ausschließen, dass einzelne Unternehmen aus Gründen der Unsicherheit oder Unkenntnis der tatsächlichen Verpflichtungen im Einzelfall der Einfachheit halber sämtliche ihnen zur Verfügung stehende Informationen an ihre Kunden weiterreichen. Verbesserungsbedarf ergibt sich vor allem in der Information des Verbrauchers über die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten: von 200 befragten Personen kannte niemand sein Anfragerecht, obwohl ein hoher Informationsbedarf hinsichtlich Inhaltsstoffen unterschiedlicher Konsumgüter festgestellt wurde.

Schlüsselwörter

REACh SVHC Chemikalien 

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Copyright information

© Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) 2013

Authors and Affiliations

  • Marvin Kröckel
    • 1
  • Alexander Radzik
    • 1
  • Annemarie Schwarz
    • 1
  • Michael Seegmüller
    • 1
  • Thorsten Daubenfeld
    • 1
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  1. 1.Fachbereich Chemie & BiologieHochschule FreseniusIdsteinGermany

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