Zusammenfassung
Auf der Grundlage von Korrelationsanalysen kommen bisherige Studien zum Preis-Qualitäts-Zusammenhang zu dem Ergebnis, dass der Preis keinen geeigneten Qualitätsindikator bei Lebensmitteln darstellt. Der vorliegende Beitrag wirft daher die Frage auf, welche Funktion der Preis auf Konsumgütermärkten innehat. Am Beispiel von Fruchtsaft werden neue empirische Befunde zum Preis-Qualitäts-Zusammenhang vorgestellt, die sich aus der Kombination unterschiedlicher Methoden und unterschiedlicher Bewertungsmöglichkeiten von Qualität ergeben. Es zeigt sich, dass zwischen subjektiver Gesamtqualität, wie sie sich durch die Kombination der verschiedenen Qualitätseigenschaften ergibt, und dem erzielten Preis ein enger Zusammenhang besteht. Aus den Ergebnissen werden Implikationen für die Ernährungswirtschaft und die Politik abgeleitet.
Abstract
Previous studies employing correlation analysis to the question of price-quality relation conclude that price is not a suitable indicator of foods’ quality. In this paper the function of price on consumer goods markets is discussed. Taking fruit juice as an example and applying the combination of different methods and evaluation approaches to the “quality” issue, we demonstrate new insights into the price-quality relation. The findings demonstrate a close relationship between the subjective quality criteria as a combination of different quality characteristics and the achieved price. Implications for the food industry and policy are discussed.

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Bei Lebensmitteln wird auch zwischen der Produkt- und Prozessqualität unterschieden (Henseleit and Herrmann 2007). Auf diese Unterteilung wird hier nicht näher eingegangen.
Methodisch merkte Hjorth-Anderson (1984) an, dass die Verwendung von Gesamturteilen, die sich durch Gewichtung von Einzelurteilen bilden, zu irreführenden Ergebnissen führen kann, da diese sensitiv auf die verschiedene Gewichte reagieren. Diesen Einwand konnten Curry und Faulds (1986) mittels einer empirischen Überprüfung der Korrelation bei unterschiedlicher Gewichtung der Einzelurteile nicht bestätigen.
In Abgrenzung zum nationalen Einzugsbereich der Fruchtsaftmarke (Wenzel 2001).
Um eine einheitliche Datenbasis zu schaffen, wurden daher auch für Tests, die nach 1998 veröffentlicht wurden, die gerundeten Testnoten zur Berechnung verwendet.
Da die Untersuchungsmethoden bzw. Beurteilungskriterien der Stiftung Warentest im Zeitablauf teilweise geändert wurden, kann sich die Zuteilung zur objektiven bzw. subjektiven Qualität in den verschiedenen Stichproben unterscheiden.
Die Variablen EWG und Inh stehen in einer multikollinearen Beziehung (r = −0,812), so dass entschieden wurde, die Variable Inh nicht in die Schätzung mit einzubeziehen. Daher muss beachtet werden, dass der Preisaufschlag für eine Einweg-Glasflasche auch Bezug zu einer kleineren Gebindegröße hat.
Bei den vorliegenden Daten stellt die Variable Frfl eine perfekte Linearkombination der Variablen DS und EWG dar. Da eine Wertschätzung von Fruchtfleisch nur bei einem Teil der Konsumenten zu erwarten ist (Krischik 1997), wurde die Variable Frfl von der Schätzung ausgeschlossen.
Die Variablen DS, KP und Frfl sind hoch miteinander korreliert (r (DS, KP) = 0,78; r(DS, Frfl) = 0,71; r(Frfl, KP) = 0,91). Daher wurde hier, der Begründung bei Stichprobe B folgend, die Variable Frfl von der Schätzung ausgeschlossen.
Akerlof (1970) formulierte für den Gebrauchtwagenmarkt die Problematik, daß potentielle Autokäufer aufgrund von Qualitätsunsicherheit die wahre Qualität eines Autos schlecht einschätzen können. Als Folge werden auf dem Markt eher Produkte mit niedriger Qualität angeboten, da kein Kunde bereit ist, einen evtl. höheren Preis zu bezahlen, wenn er nicht sicher sein kann, eine höhere Qualität zu erhalten.
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Roeben, A., Möser, A. Was sagt der Preis über die Qualität von Lebensmitteln aus? Neue empirische Befunde am Beispiel von Fruchtsaft. J. Verbr. Lebensm. 6, 69–81 (2011). https://doi.org/10.1007/s00003-010-0580-4
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