Liebe Leserin, lieber Leser,

Die negativen Auswirkungen sind den Experten bekannt: Die Verlagerung innerstädtischer Funktionen an die Peripherie der Städte führt zur Zersiedelung der Landschaft und zu ernsthaften Problemen im Bereich der regionalen Entwicklung. Zudem sind die zusätzlichen Verkehrsströme problematisch – nicht nur wegen ihrer ökologisch negativen Auswirkungen. Am gravierendsten sind jedoch die Folgen für die Innenstädte: Ihre Urbanität ist gefährdet, wenn erhebliche Kundenströme ausbleiben. Eine mögliche und erfolgversprechende Revitalisierung der Innenstädte wird unterbunden.

Außderdem entstehen bereits erste “weiße Flecken” auf der Karte der Nahversorgung. Vor zwanzig Jahren sprach alle Welt vom Sterben der Tante–Emma–Läden mit ihren 80 bis 100 qm Verkaufsfläche. Heute beobachten wir das Sterben der Läden mit etwa 400 qm.

Insgesamt erleidet die Gesamtwirtschaft durch eine Fehllokation ökonomischer Ressourcen Schaden – kurzfristige einzelwirtschaftliche Kostenvorteile führen langfristig zu volkswirtschaftlichen Verlusten.

Im vorliegenden STANDORT–Heft wird die oben skizzierte Thematik aufgegriffen. Als positives Ergebnis der verschiedenen Beiträge kann festgehalten werden:

1. Raumordnung und Stadtplanung sind dem Ansturm der “Grünen Wiese” und der Factory–Outlet–Center nicht wehrlos ausgesetzt. Mit regionalen Einzelhandelskonzepten und Raumordnungsplänen als Abwehrstrategie kann auf die Entwicklung Einfluß genommen werden.

2. Aber auch das Instrument der Stadtmarketing bzw. City–Managements – als Positivstrategie – ist in der Lage, die Attraktivität der innerstädtischen Lagen zu stärken und somit der “Grünen Wiese” Paroli zu bieten.

Unterstützt werden diese Anstrengungen von Initiativen auf politischer Ebene. Zum einen fließen die Erfahrungen aus Pilotprojekten des Experimentellen Wohnungs– und Städtebaus sowie die Ergebnisse von Hearings des Bundesbauministeriums in die Diskussion ein. Zum anderen formiert sich derzeit die “Initiative Pro Innenstadt”, in der sich auf höchster Ebene Verbände, Kirchen, Städte und Gemeinden, Bund und Länder zusammenfinden, um die oben skizzierten Bemühungen zu unterstützen. Darüber hinaus gab es aber – neben dem thematischen Anliegen – einen weiteren Grund für die Gestaltung eines STANDORT-Schwerpunktheftes zur Einzelhandelsentwicklung und ihren räumlichen Konsequenzen: Die vorliegenden Fachbeiträge zeigen deutlich, daß sich hier ein weiteres Betätigungsfeld fü,r Geographinnen und Geographen ergibt. Nutzen wir als Fach diese Chance.

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, . Liebe Leserin, lieber Leser,. STANDORT – Zeitschrift für Angewandte Geographie 22, 1 (1998). https://doi.org/10.1007/PL00021356

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