Hintergrund: Die Non-Hodgkin-Lymphome gehören zu den wenigen malignen Tumoren, für die in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Aufwärtstrend in Inzidenz und Mortalität zu verzeichnen ist. Dieser Trend ist insbesondere in Industrieländern zu beobachten. Die Gründe für diesen Anstieg sind noch unklar.
Material und Methoden: Basierend auf einer Medline-Recherche identifizierten wir Fallkontroll- und Kohortenstudien zu medizinisch-biologischen und ausgewählten Umweltrisikofaktoren für Non-Hodgkin-Lymphome, die in den Jahren 1992 bis 1998 publiziert wurden. Die wichtigsten methodischen Aspekte und Ergebnisse dieser Arbeiten werden tabellarisch dargestellt, und es wird der Beitrag verschiedener Risikofaktoren zu den ansteigenden Inzidenzraten des Non-Hodgkin-Lymphoms diskutiert.
Ergebnisse: Aus den insgesamt 64 identifizierten Studien ergab sich, dass die medikamentöse Immunsuppression sowie verschiedene Erkrankungen, die mit einer gestörten Funktion des Immunsystems einhergehen, als gesicherte Risikofaktoren für Non-Hodgkin-Lymphome gelten können. Sie erklären die ansteigenden Raten jedoch nur zu einem sehr geringen Teil. Der Verlauf der HIV/AIDS-Epidemie in Deutschland trägt ebenfalls wenig zu den Trends bei Non-Hodgkin-Lymphomen bei, andere virale Erreger werden derzeit nur mit bestimmten Non-Hodgkin-Lymphom-Subtypen assoziiert. Rauchen und Ernährungskomponenten sind allenfalls schwache Risikofaktoren mit geringem Einfluss auf die Non-Hodgkin-Lymphom-Morbidität.
Schlussfolgerung: Nur ein Teil des beobachteten Anstiegs der Inzidenz und Mortalität der Non-Hodgkin-Lymphome ist derzeit erklärbar. Neue epidemiologische Studien sollten Faktoren mit Einfluss auf das Immunsystem und mögliche Interaktionen zwischen verschiedenen ätiologischen Faktoren untersuchen.