Maske — Grenze — Geschlecht Bemerkungen zur Lesbarkeit von Geschlechterdifferenz im kulturellen Gedächtnis der Moderne

Zusammenfassung

In Diskursformationen der Moderne wird Weiblichkeit eine spezifische Funktion für die Konstitution des kulturellen Gedächtnisses zugeschrieben. In Virginia Woolfs Orlando ist die Frage nach Geschlechterdifferenz verbunden mit der Konstruktion einer kulturellen Identität, in der Weiblichkeit auf einer Grenze, am Schnittpunkt von Vergessen und Erinnern situiert ist. Eine Rhetorik der Weiblichkeit als Maskerade, wie sie auch die zeitgenössische Psychoanalyse konzipiert hat, verweist auf die Bedingung der Möglichkeit der kulturellen Konstruktion von Identität und Gedächtnis sowie deren Subversion.

Abstract

In modern discursive formations femininity obtains a specific function for the constitution of cultural memory. In Virginia Woolf’s Orlando the question of gender difference is connected with the construction of cultural identity placing femininity on the border of the intersection of forgetting and remembering. A rhetoric of femininity as masquerade, as it was also conceived by contemporary psychoanalysis, points to the conditional framework by which the cultural construction of identity and memory, and of their subversion, are determined.

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„Die ‚Frau ‘— das Wort macht Epoche &“ (Jacques Derrida)

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Funk, J. Maske — Grenze — Geschlecht Bemerkungen zur Lesbarkeit von Geschlechterdifferenz im kulturellen Gedächtnis der Moderne. Dtsch Vierteljahrsschr Literaturwiss Geistesgesch 72, 193–212 (1998). https://doi.org/10.1007/BF03375523

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