„Mystik der Nerven“ Neurasthenie, Zerstreutheit und die Metaphysik des Willens in Hofmannsthals Der Schwierige

Zusammenfassung

In diesem Aufsatz soll Hugo von Hofmannsthals Komödie Der Schwierige aus der Dynamik zweier Text-Bewegungen erklärt werden, die zwei vollkommen differenten diskursiven Formationen entstammen: einer psychiatrischen Debatte über Neurasthenie und Hysterie und einer quasitheologischen über Neo- bzw. Lebensmystik. Als verbindendes Element dieser disparaten Wissensfiguren fungiert im Schwierigen die Zerstreutheit: Die beiden Protagonisten, Kari Bühl und Helen Altenwyl, sind durch ihre „precäre“, d.h. auf der Kippe zur Pathologie stehende, mentale Disposition der Suggestion bzw. psychischen Manipulation von Seiten ihrer Umwelt ausgeliefert. Wenn nun Kari und in gewissen Sinne auch Helen im Verlauf des Stückes von dieser Schutzlosigkeit im Bereich des Unbewußten durch eine „Cur“ geheilt werden, dann nicht, wie man denken könnte, durch Aneignung von Abschottungstechniken, sondern, im Gegenteil, durch die vollendete, im Sinne einer mystischen Henosis zu verstehende Hingabe an diese fremden psychischen Energien — mit dem Ergebnis, daß die beiden Liebenden zu einem im Sinne Schopenhauers überindividuellen Willen und in diesem zu ihrem gemeinsamen Willen, nämlich dem zur Heirat, finden können.

Abstract

This essay is to approach Hugo von Hofmannsthal’s comedy Der Schwierige on the basis of two textual movements, each arising from a fundamentally different discursive formation: a psychiatric debate on neurasthenia and hysteria, and a quasi-theological debate on neomysticism or life mysticism. The linking element between these disparate intellectual concepts in Der Schwierige is absent-mindedness or distraction: both of the central characters, Kari Bühl and Helen Altenwyl, are placed at the mercy of the suggestions or even psychic manipulation of their milieu due to their ‘precarious’ mental state, i.e. they are on the verge of slipping over into a pathological condition. If Kari, and to a certain extent Helen, are healed of this vulnerability in their unconsciousness thanks to a ‘cure’ during the course of the play, then this does not take place, as one might have expected, through the acquisition of defensive techniques, but rather, on the contrary, in an abandonment of the self to these foreign psychic energies in the sense of a mystical he-nosis — with the result that the two lovers find their way to a super-individual will, in Schopenhauer’s sense, and in turn to their common will, more specifically, the will to marry.

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Literature

  1. 2

    Hugo von Hofmannsthal, Ein Brief, Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe, hrsg. Rudolf Hirsch et al., Frankfurt a.M. 1975ff., XXXI, 48f. Im Folgenden wird diese Ausgabe mit der Sigle S W nachgewiesen.

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    Richard von Krafft-Ebing, Nervosität und neurasthenische Zustände, Wien 1895, 79. Herv. M.B.

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    Vgl. zur Historiographie der Neurasthenie: Joachim Radkau, Das Zeitalter der Nervosität. Deutschland zwischen Bismarck und Hitler, München, Wien 1998

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    Volker Roelcke, Krankheit und Kulturkritik. Psychiatrische Gesellschaftsdeutungen im bürgerlichen Zeitalter (1790–1914), Frankfurt a.M., New York 1999

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  8. 11

    Hermann Bahr, Die Überwindung des Naturalismus, Zur Überwindung des Naturalismus. Theoretische Schriften 1887–1904, hrsg. Gotthart Wunberg, Stuttgart et al. 1968, 88.

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    Wilhelm Erb, Ueber die wachsende Nervosität unsrer Zeit, Heidelberg 1894, 25.

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    Hofmannsthal hat auf die Verwandtschaft Chandos/Kari verschiedentlich aufmerksam gemacht; z.B. in einem Brief an Anton Wildgans, 14.2. 1921, SW XII, 504. Vgl. hierzu auch Ursula Renner-Henke, „Nachwort“, zu: Hugo v. Hofmannsthal, Der Schwierige, hrsg. Ursula Renner-Henke, Stuttgart 2000, 173–198, hier: 179; Ralf Simon, „Paradoxien der Interpretation (ausgehend von Hofmannsthals Der Schwierige)“, Jahrbuch der deutschen Schiller-Gesellschaft 46 (2002), 199–218, hier: 202.

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    Richard von Krafft-Ebing, Über gesunde und kranke Nerven, Wien41898, 31: Der Schmerz „setzt […] in den Entwicklungsjahren ein und belästigt Jahrzehnte lang“.

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    Zum Verhältnis Neurasthenie/Hypochondrie im 19. Jahrhundert, vgl. Esther Fischer-Homberger, Hypochondrie. Melancholie bis Neurose: Krankheiten und Zustands- bilder, Bern et al. 1970, 85ff.

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  14. 31

    Heinz Hiebler, Hugo von Hofmannsthal und die Medienkultur der Moderne, Würzburg 2003, 385ff., sieht sogar die alleinige Ursache für Karis Sprachskepsis im Telefon und seinen medialen Implikationen.

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    Otto Dornblüth, Gesunde Nerven. Ärztliche Belehrungen für Nervenkranke und Nervenschwache, Würzburg41908, 3.

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  16. 40

    So Inka Mülder-Bach, „Herrenlose Häuser. Das Trauma der Verschüttung und die Passage der Sprache in Hofmannsthals Komödie Der Schwierige“, Hofmannsthal-Jahrbuch 9 (2001), 136–161, hier: 145.

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  17. 40a

    Bernhard Greiner, „Die Rede des Unbewußten als Komödie. Hofmannsthals Lustspiel Der Schwierige“, GQ 59 (1986), 228–251, hier: 229ff., geht ebenfalls davon aus, daß Hofmannsthal „Freud nahe“ sei. Beide Theorien fußen, so denke ich, auf der Prämisse, daß, wie es z.B. auch bei Worbs heißt, die Literatur um 1900 vollständig auf Freud umgeschwenkt sei und allen anderen psychiatrischen Theorien wie der der Hysterie und Neurasthenie keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt habe

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  18. 40b

    (Michael Worbs, Nervenkunst. Literatur und Psychoanalyse im Wien der Jahrhundertwende, Frankfurt a.M. 1983, 62). Zur psychoanalytischen Auseinandersetzung mit den Kriegsneurosen

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    vgl. ausführlich Esther Fischer-Homberger, Die traumatische Neurose. Vom somatischen zum sozialen Leiden, Bern et al. 1975, 151 ff.

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  20. 41

    Adolf Strümpell, Die Schädigungen der Nerven und des geistigen Lehens durch den Krieg. Ein Vortrag, gehalten in der Wiener Urania am 4. Oktober 1917, Leipzig 1917, 5.

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  21. 42

    Ebd., 18; 16; 14. Freud sprach der Neurasthenie sehr früh ab, einen „‚psychische[n] Mechanismus“ ‘zu besitzen: Sigmund Freud, Zur Psychotherapie der Hysterie, in: ders., Joseph Breuer, Studien über Hysterie, Leipzig, Wien 1995, 224. Zur weiteren Kritik Freuds an der Neurasthenie, vgl. Roelcke (Anm. 5), 180ff. Zur Bekanntschaft Hofmannsthals mit Freud, genauer: den Studien, der Traumdeutung und der Psychopathologie des Alltagslebens

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  22. 42a

    vgl. Bernd Urban, Hofmannsthal, Freud und die Psychoanalyse. Quellenkundliche Untersuchungen, Frankfurt a.M. et al. 1978, 20ff.; 38ff.; 62ff. Die genannten Texte werden von mir vorzüglich herangezogen.

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  23. 44

    Emil Redlich, „Einleitendes Referat. Diskussion zur Frage der Entschädigung der traumatischen Neurosen im Kriege (Sitzung des Vereines für Psychiatrie und Neurologie in Wien, 8.2. 1916)“, Wien. klin. Wochenschr. 29/1 (1916), 630f.

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  24. 44a

    Den Begriff der traumatischen Neurose entwickelt Hermann Oppenheim, Die traumatischen Neurosen nach den in der Nervenklinik der Charité in den 8 Jahren 1883–1891 gesammelten Beobachtungen, Berlin 21892.

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  25. 44b

    Zu Oppenheims Theorie der traumatischen Neurose und seiner Rolle in der sich an seinen Thesen entzündenden Simulationsdebatte, vgl. Fischer-Hom- berger (Anm. 40), 56ff., sowie Paul Lerner, Hysterical men. War, psychiatry, and the politics of trauma in Germany, 1890–1930, Ithaca, London 2003, 6 Iff. Zum Zusammenhang von Trauma und Versicherung, vgl. auch den instruktiven Aufsatz von Wolf gang Schaffner, „Das Trauma der Versicherung. Das Ereignis im Zeitalter der Wahrscheinlichkeit“, in: Inka Mülder-Bach (Hrsg.), Modernität und Trauma. Beiträge zum Zeitenbruch des Ersten Weltkriegs, Wien 2000, 104–120, zu Oppenheim und zur traumatischen Neurose: 106 f.

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  26. 46

    E.F., Zusammenfassung eines Aufsatzes von M. Nonne, „Soll man wieder ‚trauma- tische Neurose’ bei Kriegsverletzten diagnostizieren“, Wien. klin. Wochenschr. 28/2 (1915), 1014.

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  27. 47

    Strümpell (Anm.41), 15f. Strümpell hatte diesen Gedanken und den Begriff der „Begehrungs-Vorstellungen“ bereits im 19. Jahrhundert an der Unfallneurose entwik- kelt: Adolf Strümpell, „Über die Untersuchung, Beurtheilung und Behandlung von Unfallkranken. Praktische Bemerkungen“, Münch. Med. Wo. schr. 42 (1895), 1137–1140; 1165–1168, hier: 1137. Vgl. hierzu Fischer-Homberger (Anm.40), 128ff.; Ursula Link- Heer, „‚Männliche Hysterie‘. Eine Diskursanalyse“, in: Ursula A.J. Becher, Jörn Rüsen (Hrsg.), Weiblichkeit in geschichtlicher Perspektive. Fallstudien und Reflexionen zu Grundproblemen der historischen Frauenforschung, Frankfurt a.M. 1988, 364–396, insbes. 377ff., und Hofer (Anm.5), 245f.

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  28. 50

    Zu Hofmannsthals eigener ideologischer Haltung gegenüber der österreichischen Kriegsführung, allerdings ohne Berücksichtigung der Psychiatrie, vgl. Wolfram Mauser, „Österreich und das Österreichische in Hofmannsthals ‚Der Schwierige‘“, Recherches Germaniques 12 (1982), 109–130, hier: 117ff.

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  29. 55

    Max Nonne, „Über erfolgreiche Suggestivbehandlung der hysteriformen Störungen bei Kriegsneurosen“, Z. ges. Neurol. Psych. 37 (1917), 191–218, hier: 192, schreibt, daß es 1915 „noch für unerlaubt galt, die Diagnose bei Soldaten auf Hysterie zu stellen. Ich glaube sagen zu dürfen, daß in dieser Auffassung […] der Kriegsneurosen die Münchener Tagung der Gesellschaft deutscher Nervenärzte im September 1916 Wandel geschaffen hat“. Vgl. zu den Debatten der deutschen und österreichischen Psychiater im Weltkrieg, Hofer (Anm.5), 241 ff.; Fischer-Homberger (Anm.40), 136ff., sowie Eva Horn, „Erlebnis und Trauma. Die narrative Konstruktion des Ereignisses in Psychiatrie und Kriegsroman“, in: Inka Mülder-Bach (Anm.44), 131–162, hier: 134ff.; Radkau (Anm.5), 428ff.

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    Erwin Stransky, Krieg und Geistesstörung. Feststellungen und Erwägungen zu diesem Thema vom Standpunkte angewandter Psychiatrie, Wiesbaden 1918, 63.

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  31. 62

    Vgl. zur Hysterie-Debatte im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert, Horst Thomé, Autonomes Ich und Jnneres Ausland‘. Studien über Realismus, Tiefenpsychologie und Psychiatrie in deutschen Erzähltexten (1848–1914), Tübingen 1993, 196ff.

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  32. 63

    Vgl. hierzu Vf., „Multiple Magie. Zur Verwandlung psychiatrischen Wissens in Hofmannsthals ‚Andreas‘-Fragmenten“, in: Matthias Luserke-Jaqui (Hrsg.), ,Alle Welt ist medial geworden‘. Literatur, Technik, Naturwissenschaft in der klassischen Moderne. Internationales Darmstädter Musil-Symposium, Tübingen 2005,53–72; ders., „Die illegale Schwester. Persönlichkeitsspaltung, Perversion und experimentelle Rückkoppelung in Hofmannsthals ‚Andreas‘-Fragmenten“, in: Nicolas Pethes, Marcus Krause (Hrsg.), Literarische Experimentalkulturen. Zur Poetologie des Experiments im 19. Jahrhundert, Würzburg 2005, 193–224. Innerhalb der Debatte, in der sich Hofmannsthal bewegt, nämlich der der Hysterie/Persönlichkeitsspaltung, kann meines Erachtens der Terminus ‚Schizophrenie* keine Anwendung finden (so geschehen z.B. in Gotthart Wunberg, Der frühe Hofmannsthal. Schizophrenie als dichterische Struktur, Stuttgart et al. 1965). Der Grund läßt sich bei Ian Hacking, Multiple Persönlichkeit. Zur Geschichte der Seele in der Moderne, übers, von Max Looser, München 1996,170ff., nachlesen: Bleulers Begriff der Schizophrenie sammelt, ähnlich wie Freuds ‚Angstneurose‘, die Reste der ab 1895 überkommenen (d.h. von ihren Theoretikern selbst aufgegebenen) Hysterie- und Dissoziations-Debatte ein, überführt sie jedoch in andere, nicht-kompatible Kontexte.

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  33. 64

    Zur Psychologie des frühen Pierre Janet, vgl. Leonhard Schwartz, Die Neurosen und die dynamische Psychologie von Pierre Janet, Basel 1951; Björn Sjövall, Psychology of tension. An analysis of Pierre Janet’s concept of Jension psychologique’ together with an historical aspect, Stockholm 1967

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  34. 64a

    Nicolas Hoffmann, Zwänge und Depressionen. Pierre Janet und die Verhaltenstherapie, Berlin et al. 1998, und natürlich Henry F. Ellenberger, Die Entdeckung des Unbewußten. Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung, übers, von Gudrun Theusner-Stampa, Zürich21996, 997–1026. Zur Rolle Pierre Janets in der Wiener Moderne, insbesondere bei Schnitzler, vgl. Thomé (Anm. 62), 620ff.

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  35. 65

    Pierre Janet, L’état mental des hystériques. Les stigmates mentaux des hystériques, les accidents mentaux des hystériques, études sur divers symptômes hystériques, le traitement psychologique d l’hystérie, Paris 21911, 36.

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  36. 66

    Pierre Janet, L’automatisme psychologique. Essai de psychologie expérimentale sur les formes inférieures de l’activité humaine, Paris 1889, 308.

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  37. 70

    Auch Breuer, ebd., 202, macht gegen diese Theorie, wenn auch aus ganz anderen Gründen, Front: „Dem gegenüber möchten wir unsere Anschauung kurz im folgenden formuliren: Die Spaltung des Bewusstseins tritt nicht ein, weil die Kranken schwachsinnig sind, sondern die Kranken erscheinen schwachsinnig, weil ihre psychische Thätigkeit getheilt ist und dem bewussten Denken nur ein Theil der Leistungsfähigkeit zur Verfügung steht“. Vgl. hierzu auch Jonathan Crary, Aufmerksamkeit. Wahrnehmung und moderne Kultur, übers, von Heinz Jatho, Frankfurt a.M. 2002, 81 f.

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  38. 72

    Alle Zitate Morton Prince, The dissociation of a personality. A biographical study in abnormal psychology, London et al. 1919 [ED 1906], 192f.

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  39. 74

    Das Thema der Zerstreutheit und ihre intrikate Abgrenzung von psychischen Störungen, die unter Hypnose bzw., wie der Begriff noch im frühen 19. Jahrhundert hieß, im Somnambulismus oder magnetischen Schlaf, konzentriert und gesteigert zum Ausdruck kommen, wird schon bei Franz Anton Mesmer, auf dessen Theorien sich die französischen Psychiater des 19. Jahrhunderts, allen voran Janets Lehrer Martin Charcot, bekanntlich beziehen, berührt: „denn es ist gewiß, daß alle Schattierungen von Geistes-Abwesenheit zu dieser außerordentlichen Krise [gemeint ist der magnetische Schlaf] gehören“ — Friedrich Anton Mesmer, Mesmerismus Oder System der Wechselwirkungen, Theorie und Anwendung des thierischen Magnetismus als die allgemeine Heilkunde zur Erhaltung des Menschen, hrsg. Karl Christian Wolfart, Berlin 1814, 198.

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  40. 79

    Jacob Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in Italien, hrsg. Horst Günther, Frankfurt a.M. 1989, 380: „Alles wohl erwogen, könnte man einen solchen Menschen [den Hof mann im Sinne Castigliones] an keinem Hofe brauchen“. Ich folge einem Hinweis von Achatz von Müller, Universität Basel.

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  41. 85

    Auf den Zusammenhang von Gestik und Inhalt des Gesprächs weist, allerdings ohne genauere Ausführungen, bereits Walter Pape, „‚Ah, diese chronischen Missverständnisse! ‘Hugo von Hofmannsthal: ‚Der Schwierige‘“, in: Winfried Freund (Hrsg.), Deutsche Komödien. Vom Barock bis zur Gegenwart, München 1988, 209–225, hier: 216, hin.

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  42. 85a

    Thomas Wirtz, „Abenteuer Ehe. Anmerkungen zu einem Dualismus in Hofmannsthals späten Komödien“, Colloquia germanica 31 (1998), 155–172, 163f., betont darüber hinaus das Unbewußte der Gesten.

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  43. 85b

    Martin Stern, „Die Entstehung von Hofmannsthals anachronistischem Gegenwartslustspiel ‚Der Schwierige‘“, in: Joseph P. Strelka (Hrsg.), Wir sind aus solchem Zeug wie das Träumen … Kritische Beiträge zum Werk Hofmannsthals, Bern 1992, 257–281, hier: 274, erwägt schließlich einen Zusammenhang mit der Psychopathologie des Alltagslebens, führt diesen Gedanken allerdings nicht aus. Dies soll hier nachgeholt werden.

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  44. 86

    Freud, Psychopathologie des Alltagslebens, Gesammelte Werke. Chronologisch geordnet, hrsg. Anna Freud, London 1940ff., IV, 190.

  45. 91

    L. Loewenfeld, Die Suggestion in ihrer Bedeutung für den Weltkrieg, Wiesbaden 1917, 9f.; Herv. M.B., mit Bezug auf die bekannte Studie von Gustave LeBon Psychologie des foules.

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  46. 97

    Peter-André Alt, „Die soziale Botschaft der Komödie. Konzeption des Lustspiels bei Hofmannsthal und Sternheim“, DVjs 68 (1994), 278–306, hier: 288ff., versucht, sehr instruktiv, die offene mentale Disposition Karis über Machs Analyse der Empfindungen zu verstehen. Das Moment, das ich stark zu machen versuche, die Suggestibilität, kann er durch diese Herangehensweise allerdings nicht berücksichtigen.

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  47. 108

    Zur Neomystik um 1900 vgl. Uwe Spörl, Gottlose Mystik in der deutschen Literatur um die Jahrhundertwende, Paderborn et al. 1997, insbesondere 75 ff.

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    Wolfgang Riedel, ‚Homo Natura‘. Literarische Anthropologie um 1900, Berlin, New York 1996, 92ff.; 25Iff.; Monika Fick, Sinnenwelt und Weltseele. Der psycbophysische Monismus in der Literatur der Jahrhundertwende, Tübingen 1993, 224ff 262ff.; 335 ff.

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  49. 108b

    Martina Wagner-Egelhaaf, Mystik der Moderne. Die visionäre Ästhetik der deutschen Literatur im 20. Jahrhundert, Stuttgart 1989.

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  50. 108c

    Vgl. auch die Sammelbände von Bettina Gruber (Hrsg.), Erfahrung und System. Mystik und Esoterik in der Literatur der Moderne, Op-laden 1997

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  51. 108d

    Moritz Baßler, Hildegard Châtellier (Hrsg.), Mystique, mysticisme et modernité, Straßburg 1998.

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  52. 110

    Hofmannsthal, Aufzeichnungen aus dem Nachlass 1909, Gesammelte Werke in zehn Einzelhänden, hrsg. Bernd Schoeller et al., Frankfurt a.M. 1986, Reden und Aufsätze III, 502; Herv. M.B. Vgl. hierzu auch Renner-Henke (Anm. 18), 175.

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  53. 113

    Gustav Landauer, „Durch Absonderung zur Gemeinschaft“, in: Heinrich Hart, Julius Hart (Hrsg.), Das Reich der Erfüllung. Flugschriften zur Begründung einer neuen Weltanschauung (H. 2), Leipzig 1901, 45–68, hier: 46. Die beiden geschilderten Konzepte sind allerdings wesentlich ähnlicher, als man gemeinhin annimmt. Schon in den theologischen Entwürfen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit wird mit der mystischen Henosis ein Eingehen in die Menschheit, verstanden als mystischer Körper Christi, angestrebt. Vgl. hierzu Vf., „‚Also sind wir in Christo nur einer’. ‚Menschheit’ als theologisches Fundament soziozentrierter Mystik“, erscheint: Poetica 38 (2006).

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  54. 115

    Zur Konstruktion des Plots über die gewesenen und bestehenden Beziehungswünsche der männlichen Figuren, vgl. W.E. Yates, „HofmannsthaPs Comedies“, in: Thomas B. Kovach (Hrsg.), A companion to the works of Hugo von Hofmannsthal, New York 2002, 139–158, hier: 151.

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  55. 116

    Wolfram Mauser, Hugo von Hofmannsthal. Konfliktbewältigung und Werkstruktur. Eine psychosoziologische Interpretation, München 1977, 142ff., macht auf die Abhängigkeit Hofmannsthals in diesem Punkt von der Lebensphilosophie aufmerksam, kann aber die Herkunft der hier eingesetzten Dichotomie Notwendigkeit/Zufall nicht restlos klären. Zu Hofmannsthals über den Schwierigen hinausgehenden Verwendung des Begriffs Notwendigkeit, vgl. ebd., 193 f. Zu dessen Rückgriff auf die Lebensphilosophie allgemein, vgl. Fick (Anm. 108), 335ff.; zum Verhältnis Hofmannsthal/Schopenhauer sowie Schopenhauers Rolle in der Lebensmystik allgemein, vgl. Riedel (Anm. 108), 25ff.

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  56. 118

    Arthur Schopenhauer, Transscendente Spekulation über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des Einzelnen, Zürcher Ausgabe. Werke in 10 Bänden, hrsg. Angelika Hübscher et al., Zürich 1977, VII, 230; Herv. M.B.

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  57. 126

    Das Paradoxon lautet: „Epimenides, der Kreter, sagt, daß alle Kreter lügen“. Vgl. hierzu Richard M. Sainsbury, Paradoxes, Cambridge et al. 1988, 109–140. Zu den historischen Quellen vgl. Horst Rüdiger, Sokrates ist nicht Sokrates. Der Kampf mit dem gesunden Menschenverstand, Zürich, München 1975, 57–63. Zum Verhältnis dieses Paradoxons zur Literatur und Literaturtheorie, vgl. Vf., Schöne Seelen, groteske Körper. Jean Pauls ästhetische Dynamisierung der Anthropologie, Hamburg 2003, 207f.

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  58. 128

    Martin Buber, „Das Reden des Ekstatikers“, Neue Blätter, Dritte Folge 1913, H. 1–2 (Buberheft), 5–14, hier: 6–8. Der Topos, daß die mystische Erfahrung jenseits von Sprache und Erkenntnis liegt, rührt von Ps.-Dionysius Areopagita, Mystische Theologie 997B her (vgl. hierzu ausführlich Alois M. Haas, Nim din selbes war. Studien zur Lehre von der Selbsterkenntnis bei Meister Eckhart, Johannes Tauler und Heinrich Seuse, Fribourg 1971, 54f., und Vf., „Also sind wir in Christo“ [Anm. 113]). Diese Schrift wird wiederum in Martin Buber (Hrsg.), Ekstatische Konfessionen, Jena 1909, 224f., wiedergegeben.

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Bergengruen, M. „Mystik der Nerven“ Neurasthenie, Zerstreutheit und die Metaphysik des Willens in Hofmannsthals Der Schwierige. Dtsch Vierteljahrsschr Literaturwiss Geistesgesch 80, 212–244 (2006). https://doi.org/10.1007/BF03374631

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