Skip to main content
Log in

Enthüllung oder Verkleidung des Selbst? Aspekte einer Soziologie der Mode

  • Published:
Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte Aims and scope Submit manuscript

Zusammenfassung

Mode ist nicht dazu da, um das Ich auf die eine oder andere Weise zu drapieren, sondern sie ist eine der Formen, in denen es eine erkennbare Identität erhält. Indem die Mode der Gegenwart ihren Zeitcharakter und damit ihre Vergänglichkeit thematisiert, bietet sie sich ihren Benutzern als ein Medium eines vorübergehenden Selbstverständnisses, einer vorübergehenden Selbstdarstellung an.

Abstract

Fashion is not a mode of disguising an inner self, but rather one of the forms of developing a distinct personal identity. By exposing its time-dependence and transitori-ness, contemporary fashion offers to its users a transitory self-understanding and self-presentation.

This is a preview of subscription content, log in via an institution to check access.

Access this article

Price excludes VAT (USA)
Tax calculation will be finalised during checkout.

Instant access to the full article PDF.

Literature

  1. Vgl. Herbert Blumer, “Fashion: From Class Differentiation to Collective Selection”, The Sociological Quarterly 10 (1969), 275–291.

    Article  Google Scholar 

  2. Ich schließe mich hier der Definition von Elke Drengwitz an, die Mode definiert als “ein ‘zeitgemäß und üblich’ geltendes Normengefüge, welches von bestimmten Personen kreisen (bzw. einem Personenkreis) als solches akzeptiert und für relativ kurze Dauer beibehalten wird” (Elke Drengwitz, Mode und Selbstdarstellung. Eine soziologische Studie über das heutige Bekleidungsverhalten der Frauen in der Bundesrepublik Deutschland, Diss. Hamburg, 1986, 83).

    Google Scholar 

  3. Georg Simmel, Die Mode, in: ders., Philosophische Kultur, Gesammelte Essais, Berlin 1983 (1911), 26–51, hier: 28f.

    Google Scholar 

  4. Walter Benjamin, Das Passagen-Werk, Gesammelte Schriften, hrsg. Rolf Tiedemann, Frankfurt a.M. 1982, V.1, 112.

  5. Dies würden allerdings Richardson/Kroeber bestreiten, die in ihrer quantitativen Analyse von drei Jahrhunderten Frauenkleidern lediglich zugestehen würden: “Soziokulturelle Spannungen und Unruhe scheinen Verzerrungen und Instabilität in der Mode zu erzeugen. Sie üben ihren Einfluß jedoch auf ein bereits existierendes Stilmuster aus, das sie durcheinanderbringen oder umkehren” (Jane Richardson, Alfred L. Kroeber, “Drei Jahrhunderte Frauenkleider. Eine quantitative Analyse”, in: Silvia Bovenschen (Hrsg.), Die Listen der Mode, Frankfurt a.M. 1986, 264–290, hier: 288).

    Google Scholar 

  6. David Frisby, Fragmente der Moderne. Georg Simmel, Siegfried Kracauer und Walter Benjamin, Rheda-Wiedenbrück 1989, 103.

    Google Scholar 

  7. René König, Menschheit auf dem Laufsteg. Die Mode im Zivilisationsprozeß, Frankfurt a.M., Berlin 1988, 55.

    Google Scholar 

  8. Barbara Vinken, Mode nach der Mode. Kleid und Geist am Ende des 20. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 1993, 59.

    Google Scholar 

  9. “Die Wandervögel” waren “junge Leute mit nach hinten gekämmten langen Haaren, bekleidet mit farbigen Kitteln, die statt der Knöpfe mit Schnürsenkeln am Hals zusammengezogen waren. Gegürtet waren sie mit Lederriemen, die mit einer großmächtigen Bronzeschließe versehen waren.” Die Mädchen waren “erwachsene Mädchen mit langen Zöpfen oder Schneckenfrisuren, in hemdartige hellblaue Stoffe gehüllt. Auf der Brust trugen sie Bronzeschilder, auf denen ein Vogel Greif in getriebner Arbeit hervorglänzte.” Die Gelbe Zeitung schildert im Mai 1914 den Traum dieser Bewegung: “So gingen sie in den Herbst hinein mit großen und heftigen Schritten, unter Gesang und frischem Atem holen im Winde… Sie fanden viele, die am Mittag saßen an einem Wasser um ein Feuer, bei einem Kessel, die Speise zu bereiten. Es waren helle, gute Burschen, es waren Traumgesichter und kühne Blicke… Es waren Mädchen, jene blonden, weichen, warmherzigen guten Kinder, jene feinen, schmalen, strengen Wesen…, die wahren Wesen deutsch. Sie verachteten zusamt die Tracht der Mode, es gab solche, die trotz des Windes nackt gingen bis an die Knie, in Sandalen, mit freiem Halse und offener Brust und das Haar nachwehen ließen ohne Bedeckung…” (zit.n. Dieter Baacke, “Wechselnde Moden. Stichwörter zur Aneignung eines Mediums durch die Jugend”, in: Dieter Baacke, Ingrid Volkmer, Rainer Dollase, Uschi Dresing, Jugend und Mode, Opladen 1988, 11–65, hier: 16f.).

    Chapter  Google Scholar 

  10. Ein Einfluß auf die herrschende Mode könnte etwa darin gesehen werden, daß Versuche unternommen wurden, ein “Reformkleid” zu kreieren. Ingrid Loschek zum Beispiel schreibt: “Dieses sackförmige Kleid erregte viel Aufsehen, aber wegen seines ‘gesundheitsmäßigen unmodischen’ Aussehens setzte es sich höchstens in Künstlerkreisen durch” (Ingrid Loschek, Mode im 20. Jahrhundert. Eine Kulturgeschichte unserer Zeit, München 1984, 21). Allerdings beginnt zur selben Zeit der Niedergang des Korsetts. Paul Poiret, der führende Pariser Couturier, verzichtet 1906 auf das Korsett.

    Google Scholar 

  11. Hans-Georg Soeffner, “Stil und Stilisierung. Punk oder die Überhöhung des Alltags”, in: Hans Ulrich Gumbrecht, Karl Ludwig Pfeiffer (Hrsg.), Stil. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements, Frankfurt a.M. 1986, 317–341, hier: 324.

    Google Scholar 

  12. Vgl. Martin Seel, “Plädoyer für die zweite Moderne”, in: Harry Kunneman, Hent de Vries (Hrsg.), Die Aktualität der ‘Dialektik der Aufklärung’, Frankfurt a.M., New York 1989, 36–66, hier: 57.

    Google Scholar 

  13. Werner Sombart, “Wirtschaft und Mode. Ein Beitrag zur Theorie der modernen Bedarfsgestaltung”, in: Silvia Bovenschen (Hrsg.), Die Listen der Mode, Frankfurt a.M. 1986, 80–105, hier: 104.

    Google Scholar 

  14. Allerdings schreibt Max von Boehn in seiner Kostümgeschichte: “Die Farblosigkeit, die im großen und ganzen bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts vorherrschte, stammt erst aus dem Ende der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts. 1832 war ein laubgrüner Frack, dazu lichtgrüne Weste und violettes Beinkleid sehr chic…” (Max von Boehn, Die Mode, II, München 1976, 208).

    Google Scholar 

  15. Vgl. Thorstein Veblen, Theorie der feinen Leute. Eine ökonomische Untersuchung der Institutionen, Frankfurt a.M. 1986 (am. Originalausg.: The Theory of the Leisure Class [1899]).

    Google Scholar 

  16. Vgl. als Beispiel die Formulierung von Simone de Beauvoir: “Wenn sie ihre Sendung als sexuelles Objekt akzeptiert hat, schmückt sie sich gern”, sie “verkleidet sich zum Vergnügen aller Männer und zum Stolz ihres Eigentümers” (Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht, Reinbek 1968, 510).

    Google Scholar 

  17. Helmut Plessner spricht in diesen Zusammenhang von “Körper sein” und “Körper haben”. Vgl. Helmut Plessner, Philosophische Anthropologie. Lachen und Weinen. Das Lächeln. Anthropologie der Sinne, hrsg. von Günter Dux, Frankfurt a.M. 1970, 162ff.

  18. Vgl. auch Hans-Georg Soeffner, “Rituale des Antiritualismus — Materialien für Außeralltägliches”, in: Hans-Georg Soeffner, Die Ordnung der Rituale. Die Auslegung des Alltags 2, Frankfurt a.M. 1992. Soeffner beschreibt hier detailliert den Gebrauch von Interaktionsritualen für den Aufbau temporärer Interaktionsgemeinschaften.

    Google Scholar 

  19. Roland Barthes, Die Sprache der Mode, Frankfurt a.M. 1985, 255.

    Google Scholar 

Download references

Author information

Authors and Affiliations

Authors

Rights and permissions

Reprints and permissions

About this article

Cite this article

Keppler, A. Enthüllung oder Verkleidung des Selbst? Aspekte einer Soziologie der Mode. Dtsch Vierteljahrsschr Literaturwiss Geistesgesch 69, 392–403 (1995). https://doi.org/10.1007/BF03374573

Download citation

  • Published:

  • Issue Date:

  • DOI: https://doi.org/10.1007/BF03374573

Navigation