Venöse Thromboembolien (VTE) sind eine seltene, aber schwerwiegende, manchmal auch tödliche Komplikation während der Schwangerschaft und nach der Geburt. In der Bevölkerung beträgt die Inzidenz von schwangerschaftsassoziierten Thrombosen rund 1 auf 15000 Geburten und ist circa 5-fach höher als bei nicht schwangeren Frauen. Das Risiko steigt nach der Geburt noch weiter an. Frauen mit angeborenen oder erworbenen Gerinnungsanomalien haben ein erhöhtes Risiko für eine VTE während der Schwangerschaft und nach der Geburt. Bei Frauen mit bekannten Thromboserisikofaktoren, wie der Faktor V:R506Q Mutation, der Faktor II: G2021 OA Variation, Antithrombin- oder Protein C-Mangel wurde ein relatives Risiko einer schwangerschaftsassoziierten Thrombose von 3,4 bis 15,2 gefunden. Frauen, die schon einmal eine Thrombose durchgemacht hatten, haben ein ca. 3,5-fach erhöhtes Rezidivrisiko während der Schwangerschaft.
Unsere Möglichkeiten der klinischen Diagnose einer Thrombose sind während der Schwangerschaft sehr unsicher, da Atemnot oder Schmerzen oder Schwellung in den Beinen häufig auch ohne Thrombose vorkommen. Die Objektivierung der Diagnose ist für die richtige Therapieentscheidung notwendig. Bei einer Strahlenexposition von weniger als 50.000 μGy (5rad) ist keine Schädigung des ungeborenen Kindes zu erwarten, sodass röntgenologische Methoden neben der Sonographie bei Bedarf einzusetzen sind.
Heparin überschreitet nicht die Plazentaschranke und ist daher das Antikoagulans erster Wahl bei schwangeren Patientinnen. Die Behandlung der akuten Thrombose erfolgt mit gewichtsadaptiertem niedermolekularen Heparin so wie bei nicht-schwangeren Patienten. Es gibt eine anhaltende Diskussion, ob Frauen mit einer Vorgeschichte von Thrombosen während der Schwangerschaft prophylaktisch Heparin erhalten sollen. Patientinnen mit Antithrombin-Mangel, Antiphospholipid-Antikörpern, kombinierten Thromboserisikofaktoren oder einem schwerwiegenden Ereignis in der Vorgeschichte (Lungenembolie, aus gedehnte Thrombose) sollten auf jeden Fall eine Thromboseprophylaxe erhalten, beginnend im ersten Trimenon. Nach der Geburt sollte bei allen Frauen mit Thrombose-Vorgeschichte eine Prophylaxe durchgeführt werden.