Nur wenige menschliche Meningeome zeigen einen normalen Chromosomensatz, während bei den meisten der Verlust eines G-Chromosoms zu beobachten ist, auf den oft der Verlust weiterer, meist akrozentrischer, Chromosomen folgt. Da der Chromosomensatz in den einzelnen Meningeomen meist einheitlich ist, erscheinen diese Tumoren besonders für die Untersuchung geeignet, welche Chromosomen an der Nucleolusorganisation beteiligt sind. Zu diesem Zweck verglichen wir die Nucleolenzahlen in Meningeomkulturen die kein, ein, zwei oder mehr akrozentrische Chromosomen verloren hatten. Dabei fand sich nur ein geringer Unterschied zwischen Tumoren mit normalem Chromosomensatz und solchen mit einer G-Monosomie. Ein hochsignifikanter Rückgang der Nucleolenzahl war jedoch bei Verlust von 2 oder mehr akrozentrischen Chromosomen zu beobachten (P<0.01). Ein Verlust anderer Chromosomen hatte keinen Einfluß auf die Nucleolenzahl.
Es konnte weiterhin beobachtet werden, daß bei nur 2–3tägiger Züchtungsdauer die Nucleolenzahl in allen untersuchten Meningeomgruppen signifikant niedriger war, als bei einer Kulturdauer von 7–9 Tagen (P<0.01). Bereits in diesem frühen Wachstumsstadium der Meningeomkulturen wurde eine stark verminderte Nucleolenzahl bei den Tumoren festgestellt, die mehrere akrozentrische Chromosomen verloren hatten.
Die Ergebnisse stützen die Annahme, daß die akrozentrischen Chromosomen den entscheidenden Anteil an der Nucleolusorganisation haben.