Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 107, Issue 1, pp 274–291 | Cite as

Die Auswirkungen von biologischem und konventionellem Landbau auf Flora und Fauna

  • U. Ammer
  • H. Utschick
  • H. Anton
Article

Zusammenfassung und Schlußfolgerungen

  1. 1.

    Die auf streng vergleichbaren Weizenfeldern mit organisch-biologischer bzw. konventioneller Wirtschaftsweise durchgeführten Vegetationsaufnahmen haben ein Pflanzenartenspektrum ergeben, das im biologischen Feld etwa doppelt so groß ist wie im konventionellen, und das in Verbindung mit Deckungsgrad und Höhenentwicklung eine Raumstruktur bewirkt, die die geringe Anfälligkeit der Nutzpflanzen gegenüber pilzlichen und tierischen Schädlingen plausibel macht.

     
  2. 2.

    Die über Testquadrate, Netz- und Barberfallenfänge hergeleiteten tierökologischen Befunde belegen die Bedeutung der Ackerbegleitflora für Bienen, Tagfalter und Hummeln, aber auch für Wanzen, Fliegen/Hautflügler, Blatt- und Rüsselkäfer, Milben u. a. Darüber hinaus bewirkt der Verzicht auf die Verwendung aller denkbaren Agrochemikalien in Verbindung mit der schonenderen Bodenbewirtschaftung und extensiveren Düngung im Bereich der biologischen Bewirtschaftung, daß auch andere, die Bodenoberfläche bzw. den bodennahen Raum besiedelnde Tierarten (wie Spinnen, Laufkäfer, Grillen, Tausendfüßler und Collembolen) in großer Arten- und Individuenzahl erhalten werden. Der Übergang zur chemieorientierten Bewirtschaftung ruft nicht nur Faunenverluste hervor, die mindestens zwischen 30% und 50% des auf der biologischen Parzelle nachgewiesenen Arteninventars ausmachen, sie fördern auch. Einseitigkeiten und Massenvermehrungen durch das Fehlen von Freßfeinden.

     
  3. 3.

    Die Untersuchungen zeigen, daß bei einer großflächigen Rückkehr zu den Methoden eines organischbiologischen Landbaues nicht nur der Artenschwund bei den Wildkräutern verhindert, sondern auch die dramatischen Verluste im Bereich der bodennahen Fauna gestoppt werden könnten. Zusammen mit einem Programm zur Wiederanreicherung der Flur durch Feldgehölze, Hecken, Wälle, Feldraine und andere Saumbiotope wäre ein solches Konzept jedem an Schutzgebieten—als Alibi für eine weitere Intensivierung und Chemisierung der Landwirtschaft—orientierten System überlegen. Es hätte außerdem den unschätzbaren Vorzug, wichtige Ressourcen wie Boden und vor allem Wasser gesundzuerhalten und die Überproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse zu beenden.

     

Effects of organic and conventional farming on flora and fauna

Summary and conclusions

  1. 1.

    Vegetation surveys were conducted on conventionally and organically farmed but otherwise fully comparable wheat fields. They have shown a plant species spectrum which is about twice as broad on the organic than on the conventional field. Degree of plant cover and height development on the former bring about a spatial structure which makes plausible the low susceptibility of the cultured plants to fungal and animal pests.

     
  2. 2.

    The animal-ecological findings derived from measurement quadrats, net and Barber trap catches illustrate the importance of the accompanying agricultural flora for bees, butterflies and bumblebees; but also for other hymenopterans, leaf beetles and weevils, mites, and others. If the use of agrochemicals is stopped—together with more careful soil management and more extensive fertilizer application in organic farming—also other animal species living on and above the soil surface (as for example spiders, carabids, crickets, millipedes, and collembolans) will then occur in large numbers, both in terms of species and individuals. Transition to chemical-oriented farming will not only cause faunal losses of at least 30 percent to 50 percent as compared with the species recorded on the organic plot; it will also favor one-sidedness and mass gradations because there are no natural enemies.

     
  3. 3.

    The investigations show that large-scale returning to methods of organic farming will not only prevent a decline of wild herbs but also may stop dramatical losses of the above-ground fauna. Together with a program of re-establishing tree groves, hedges, earthen walls, natural field-border zones, and other peripheral biotopes, such a concept would be superior to any system geared to nature reserves that is used as an alibi for an ever more intensified and chemicla-oriented agriculture. It also would have the invaluable advantage of keeping important resources such as soil and especially water in sound condition, and over-production of agricultural commodities would cease.

     

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Copyright information

© Verlag Parey 1988

Authors and Affiliations

  • U. Ammer
    • 1
  • H. Utschick
    • 1
  • H. Anton
    • 1
  1. 1.Lehrstuhl für LandschaftstechnikMünchen 40

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