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Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 105, Issue 1, pp 26–39 | Cite as

Luftverunreinigungen und Boden

  • S. Kalmbach
Article

Zusammenfassung

Zur Senkung des Eintrags von Säuren in den Boden ist eine durchgreifende Reduzierung der SO2- und NOx-Emissionen an der Quelle, also vor allem bei Kraftwerken, Industrieanlagen, Kleinverbrauchern und bei Kraftfahrzeugen unumgänglich. Dies kann erfolgen dutch kontinuierliche Anpassung an die international beste Technik bzw. durch eine Verringerung des Schadstoffgehaltes der Einsatzstoffe.

Ziel ist es, die Depositionen der Säurebildner so weit zu vermindem, daß auch empfindliche Pflanzen und Sachgüter erhalten bleiben. Im Hinblick auf die menschliche Gesundheit gilt es, die Belastungen in Siedlungsgebieten abzubauen.

Die im Bereich des Immissionsschutzes geschaffenen vielfältigen Regelungen haben sich im Grundsatz bewährt. Das bestehende ordnungsrechtliche Instrumentarium wird mit dem Ziel überarbeitet, bestehende Vollzugsdefizite abzubauen.

Neben dem Einsatz des bisher vorwiegend durch Ge- und Verbote gepräigten Instrumentariums soll künftig auch über “marktwirtschaftliche Instrumente” das wirtschaftliche Eigeninteresse an der Vermeidung umweltbelastender Verfahren mobilisiert und gestärkt werden.

Die bezeichneten Maßnahmen können jedoch nut Teile des Gesamtproblems erfassen, da etwa die Hälfte der auf dem Gebiet der Bundesrepublik niedergehenden Schwefelverbindungen aus dem Ausland stammt. Andererseits ist zu beachten, daß die Emissionen aus unseren Quellen auch zu Depositionen in anderen Staaten führen, wobei unsere Exporte die Importe um ca. 1/3 übersteigen. Das Ziel aller Anstrengungen muß es deshalb sein, auch auf internationaler Ebene zu entsprechend klaren Vereinbarungen zu kommen.

Hervorzuheben sind hier die laufenden Arbeiten zur Durchführung des Genfer übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende Luftverunreinigungen der ECE, das im März 1983 in Kraft getreten ist. Danach hat die Bundesrepublik Deutschland die Verpflichtung übernommen, bis spätestens 1993 ihre jährlichen Schwefelemissionen um mindestens 30 % zu vermindern.

Im Bereich der Europäischen Gemeinschaften sind insbesondere die 1984 verabschiedete Richtlinie zur Bekämpfung der Luftverunreinigungen durch Industrieanlagen, die grundsätzliche Anforderungen an die Errichtung und an den Betrieb von Industrieanlagen vorsieht, und die Richtlinien über Luftqualitätsnormen für Schwefeldioxid und Staub sowie für Stickstoffoxide zu nennen.

Bei allen genannten Aktivitäten steht der Grundsatz der Emissionsminderung an der Quelle im Vordergrund. Besondere Probleme bereiten dabei allenthalben die sogenannten Altanlagen.

Während die Emissionen yon Neuanlagen entsprechend dem Stand der Technik häufig erheblich unter den Grenzwerten liegen, können Altanlagen durchaus ein Vielfaches emittieren. Eine nachhaltige Verbesserung der Situation ist daher nut bei Stillegung oder Nachrüstung der Altanlagen möglich. Hier hatte sich in der Vergangenheit besonders der S 17 Abs. 2 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes als wirksames Mittel gegen die Altantagenmodernisierung erwiesen.

Darüber hinaus gebietet das Vorsorgeprinzip den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft, die den Übergang yon Stoffen aus technischen Systemen in die Umwelt verhindert bzw. drastisch minimiert.

Wenn Emissionen nicht durch verfahrenstechnische Maßnahmen am Emittenten vermieden werden können, müssen sie durch geeignete Abscheidetechniken zurückgehalten werden. Eine bloße Verlagerung der Schadstoffe yon einem Medium auf das andere daft dabei nicht zulässig seln.

Die zurückgehaltenen, abgetrennten oder sonstwie anfallenden Reststoffe müssen, soweit sie nicht anderweitig verwertbar sind, in kontrollierter Weise einer ökologisch zumutbaren Entsorgung zugeführt werden.

Air pollutants and soil

Summary

A decisive cutback, of SOx and NOx emissions at the respective sources - especially at power plants, industrial complexes, minor sources, and motor vehicles - is absolutely necessary to achieve a lowering of the amount of acids entering the soil. This may be achieved through continuously adapting the best internationally recognized technics, and through lowering the amount of harmful substances in the fuels which are used.

The aim is to cut back on the deposition of acid-formlng substances to the extent that also sensitive plants and materials can be preserved. In respect to human health, air pollution levels in inhabited areas have to be lowered.

Basically, the various regulations concerning atmospheric deposition have been successful. Legal means of enforcement are being revised with the aim to close existing gaps.

Besides such regulations, which stood in the foreground until now, the economical self-interest in the elimination of processes harmful to the environment should be mobilized and strengthened.

Such measures, however, can only solve part of the entire problem, because approximately half of the sulfur compounds deposited on the territory of the Federal Republic of Germany come from abroad. On the other hand one has to recognize the fact that emissions from our own sources are being also deposited in other countries, whereby our exports exceed imports by approximately one third. The aim of all efforts, therefore, has to be to reach respective clear-cut agreements on an international level.

Worth mentioning is the current work to carry out the Geneva agreement of the ECE, concerning large-scale air pollution across national borders, which became effective in March of 1983. Accordingly, the Federal Republic of Germany has pledged to reduce annual sulfur emissions by at least 30 percent not later than 1993.

Within the reach of the European Community, especially the 1984 regulation on the control of industrial air pollution has to be mentioned. It contains basic requirements for the design and operation of industrial plants, and guidelines on air quality standards for sulfur dioxide, dust, and nitrous oxides.

Prominent in all activities mentioned is the principle of reducing emissions at the sources.

Here, the so-called old installations create special problems everywhere. Whereas emissions of new plants, depending on the state of technology, are frequently considerably below threshold values, older plants may emit many times as much. Lasting improvement of the situation is therefore only possible if old plants are shut down or equipped with pollution control devices.

In the past, especially S 17 (2) of the Federal Law on Pollution Control has proved as an effective means against modernization of existing old plants.

In addition, the principle of taking precautions demands establishment of a cycling economy which prevents or drastically minimizes the passing over of substances from technical systems into the environment.

Emissions which may not be prevented by technical processing means at the source must be held back by appropriate separation techniques. A mere shifting of the harmful substances from one medium to another should not be permissible.

The residues which have been held back, separated, or are occurring otherwise - as far as they are not usable - have to be deposed of in a controlled ecologically feasible way.

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Literatur

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Copyright information

© Verlag Parey 1986

Authors and Affiliations

  • S. Kalmbach
    • 1
  1. 1.Wiss. Oberrat beim UmweltbundesamtBerlin 33

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