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Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 95, Issue 1, pp 20–44 | Cite as

Zur Analyse forstbetrieblicher Zielsysteme und Methodik der Entscheidung

  • W. Kroth
  • H. Löffler
  • J. Timinger
Article

Zusammenfassung

Das Zielsystem einer Unternehmung ist das Ergebnis eines komplizierten Entschei-dungsprozesses. Man versteht darunter die geordnete Gesamtheit yon Zielelementen, zwischen denen irgendwelche Beziehungen bestehen oder hergestellt werden können. Die zwischen den einzelnen Zielelementen bestehenden Beziehungen können komple-mentärer, konkurrierender und indifferenter Art sein. Sie lassen sich dutch sogenannte Zielbeziehungsfunktionen kennzeichnen. Besteht zwischen Zie!en eine totale oder part-ielle Konkurrenzbeziehung, so läßt sich der damit gegebene Zielkonflikt dadurch auf-lösen, daß vom Entscheidungsträger entweder die angestrebten Ziele entsprechend seiner subjektiven Präferenzstruktur gewichtet oder alle Zieie bis auf eines in ihrem Umfang begrenzt werden. Hier wurde der erste Weg beschritten. Die Kenntnis des vom Entscheidungsträger gesetzten handlungsrelevanten, operationalen Teilzielsystems ist eine maßgebliche Voraussetzung für eine rationale Mittelentscheidung.

Als Beispiet werden im Hinblick auf eine näher beschricbene Entscheidungssituation sechs Handlungsalternativen der Holzernte in Altdur’chforstungen und Endnutzungs-hieben vorgestetlt und geprüft, inwieweit diese die Bewertungskriterien des Teilziel-systems erfüllen. Es war das Bestreben, den Erfülungswert mit kardina]en Skalen zu messen. Sowohl bei der Fixierung dcr Zielgewichte als auch bei der Bestimmung des Erfüllungswertes der nicht unmittelbar quantifizierbaren Kriterien wurde mit dem intersektoraten paarweisen Vergleich gearbeitet.

Zur Skalentransformation in eine einheitliche Skala wurden nada eiilem Vorschlag von KRUG Forderungen definiert, die jenen Erfüllungswert eines Zielkriteriums dar-stellen, den der Entscheidungsträger als erstrebenswert ansieht. Daraus leitet sich der Erfüllungsgrad ab, mit dem zum Ausdruck gebracht wird, bis zu welchem Grad die betreffende Handlungsalternative die Forderung zu erfüllen vermag. Aufgrund der so vorgenommenen Skalentransformation ist es möglich, die Bewertungsergebnisse der verschiedenen Kriterien innerhalb eines Zielsystems miteinander zu vergleichen. Aus den Produkten yon Kriteriengewicht und Erfüllungsgrad ergeben sie die jeweiligen Teilnutzwerte, die in ihrer Summe zum Nutzwert für die einzelnen Handlungsalter-nativen führen. Aus den Nutzwertziffern ergibt sich die Rangfolge der Handlungs-alternativen hinsichtlich ihrer Zeterfüllung, wobei die Distanz zwischen den Nutz-wertziffern gleichzeitig die Wertdlstanz repräsentiert.

To the analysis of objectives in forest enterprises and the methods of deciding

Summary

The system of objectives in an enterprise results from a complicated decision process, It is understood as the arranged total of objective elements among which relations of some kind are existing or can be established. The connections between particular elements of objectives may be of complementary, competitive, or indifferent kind, They can be characterized by so-called functions of the terms of objectives. If a total or partial competition does exist among objectives, the decision-maker may solve this conflict either by weighting the objectives according to his subjective preferences or by limiting all but one objectives in their extent. The first way is chosen in this paper. A presupposition for a rational allocation of resources is the knowledge of the action-relevant operational partial system of objectives as fixed by the decisionmaker.

As an example six alternatives of logging in mature stands (thinning and final cutting) are presented in view of a decision situation described more closely. They are tested for satisfying the criteria of the partial system of objectives. Effort was taken to measure the value of satisfaction using cardinal scales. Inter-sectoral comparisons by pairs were applied as well to fix the weights of objectives as to determine the value of satisfaction for criteria that are not to quantify directly.

Requirements were defined according to a suggestion of KRu~ to transform different scales to a uniform one. For a specific criterion they represent the value of satisfaction as desired by the decision-maker. Hence the grade of realization is derived, which expresses how far the alternative in question can fulfill the requirements. A transformation of scales carried out in this manner enables to compare the results of evaluating various criteria within a system of objectives. Multiplying weights of criteria and grades of realization results in the corresponding partial benefit values. These sum up to the benefit value for a particular alternative. Benefit values so derived show the rank of alternatives with regard to meeting the objectives. The differences among these figures represent also the distance in value among the alternatives.

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Copyright information

© Verlag Paul Parey 1976

Authors and Affiliations

  • W. Kroth
    • 1
  • H. Löffler
    • 2
  • J. Timinger
    • 2
  1. 1.Institut für Forstpolitik und forstliche Betriebswirtschaftslehre8 München 40
  2. 2.Institut für forstliche Arbeitswisenschaft und Verfahrenstechnik8 München 80

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