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Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 89, Issue 1, pp 135–140 | Cite as

Die Wirkung von Karbidstaub auf Gesundheit und Wuchsleistung von Jungfichten

  • E. Rohmeder
Abhandlungen

Zusammenfassung und Ergebnisse

Zwei bäuerliche Waldbesitzer, deren Waldparzellen etwa 100 m nördlich einer großen süddeutschen Karbidfabrik liegen, klagten darüber, daß in ihren Waldungen wegen des vom Werk emittierten Karbidstaubes ihre Jungfichten kränkeln und eine Fichtennachzucht in ihren Parzellen unmöglich sei, weil der Boden durch jahrelange Staubauflagerung „vergiftet” sei. Durch ein seit Jahren am Südrand des betroffenen Waldes aufgestelltes Staubmeßgerät wurde ein durchschnittlicher Staubniederschlag von 0,8 g je Tag und qm ermittelt.

Zur Klärung der strittigen Frage, ob Fichtennachzucht in den Waldparzellen möglich oder infolge Staubeinwirkung unmöglich ist, wurden zwei Versuche angelegt, ein orientierender Pflanzversuch mit vierjährigen Fichten auf zwei Teilflächen der einen staubbeeinflußten Waldparzelle und ein exakter Pflanzgartenversuch mit ebenfalls vierjährigen Fichten im Forstlichen Versuchsgelände Grafrath.

In dem Pflanzgartenversuch wurden Fichten auf zwei Beeten ausgepflanzt, deren Erde von dem staubbeeinflußten Waldboden stammten. Die übrigen Beete hatten normale Gartenerde. Auf zwei Beeten wurden die Fichten an jedem zehnten Tag mit 8 g Karbidstaub je qm eingepudert, während die übrigen Beete ohne Staubeinwirkung blieben. Nach vierjähriger Versuchsdauer ergab sich, daß
  1. 1.

    die Erzeugungskraft des jahrelang der Staubwirkung ausgesetzten Waldbodens nicht beeinträchtigt war,

     
  2. 2.

    die regelmäßig bestaubten Fichten in den ersten zwei Jahren gleich gut, in den folgenden zwei Jahren besser wuchsen als die nicht bestaubten, was auf die düngende und wachstumsfördernde Wirkung des kalkhaltigen Karbidstaubes zurückzuführen ist.

     

Summary

Two farm forest owners, whose forest land is situated at about 100 m north of a great carbide factory in southern Germany, complained about the emission of carbide dust of this factory into their forests. As a result of this the young spruce trees would be sickly and the propagation of spruce in their forests impossible, since the soil would be “poisoned” by sedimentation of dust for years. An average dust fall of 0.8 g/day/squ.m. was found by a dust measuring device, which was placed since many years at the southern edge of this forest area.

Two experiments were made to elucidate the disputed question, an orientating trial with 4-year-old spruce seedlings on two lots of the dust-affected forests and a circumstantial nursery trial in the Forest Experimental Area Grafrath with seedlings of the same age. In Grafrath the seedlings were planted in two beds with soil of the dust-afrected forests and on four beds with normal nursery bed soil. Every tenth day one bed of each soil group was dusted with 8 g carbide dust per squ.m. The results after four years of experiment showed, that
  1. 1.

    the production capacity of the forest soil, which was influenced by the dust for years, was not impaired.

     
  2. 2.

    the regularly dusted spruce seedlings grew in the first two years as well as the nondusted seedlings and even better in the following two years, as a result of the fertilizing and growth-stimulating effect of the lime-containing carbide dust.

     

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Literatur

  1. Czaja, A. Th., 1956: Zementstaubwirkungen auf Pflanzen. Übersicht über die bisherige Literatur, Vorversuche und Entwurf eines Arbeitsprogrammes. Verein Deutscher Ingenieure.Google Scholar
  2. Rohmeder, E., 1960: Die Wirkung von Staub und Ruß auf den Zuwachs der Fichte. Der Forst- und Holzwirt,15, 245–248.Google Scholar

Copyright information

© Verlag Paul Parey 1970

Authors and Affiliations

  • E. Rohmeder
    • 1
  1. 1.Lehrgebiet Forstschutz und Waldhygiene der Universität MünchenMünchenDeutschland

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