Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 93, Issue 1, pp 137–155 | Cite as

Untersuchungen zur Genese der Buckelwiesen im Kloaschautal

  • W. Zech
  • U. Wölfel
Abhandlungen

Zusammenfassung

  1. 1.

    An dem bisher nicht untersuchten Buckelwiesenfeld im Kloaschautal, südlich Bayrischzell, sollte die Frage geprüft werden, ob periglaziale Frostpressung im Spätglazial oder eine auch rezent noch ablaufende Carbonatlösung die Buckelwiesen hervorruft bzw. hervorgerufen hat. Die Untersuchungen umfaßten Bodenbohrungen, Grabungen, Einregelungsmessungen und die physikalisch-chemische Kennzeichnung eines typischen Buckel-Mulden-Profils.

     
  2. 2.

    Die Bohrungen und Grabungen ergaben, daß unter Mulden stets mehr oder weniger mächtige (bis 70 cm) pechmoderartige Humuszapfen stecken, während die Buckel nur flachgründige Mullrendzinen aufweisen. Die Geländebeobachtungen zeigten keine Pressungsstrukturen der Schichten unter den Buckeln, in einigen Fällen aber ein leichtes Absinken der Lagen zu den Mulden. Diese Beobachtungen weisen auf Carbonatlösung als Ursache der Buckelwiesenbildung hin. Die Laboruntersuchungen bestätigen unsere Vorstellung daß die Mulden Stellen intensiver Lösungsverwitterung sind.

     
  3. 3.

    Einige Radiocarbondatierungen von Humusproben machen wahrscheinlich, daß die Buckelwiesenbildung im Kloaschautal erst im jüngeren Postglazial begann. Im Schuttkörper selbst finden sich begrabene Humustaschen, die auf ältere Stadien einer Buckelwiesenbildung schließen lassen.

     
  4. 4.

    NachJerz et al. (1966) undEngelschalk (1971) und eigenen Beobachtungen, zeigte sich, daß im Mittenwalder Buckelwiesengebiet neben Spuren intensiver Lösungsverwitterung (ebenfalls Verwitterungstaschen und-zapfen) auch kryoturbate Störungen vorkommen. Nimmt man an, daß diese kryoturbaten Vorgänge letztmalig gegen Ende des Spätglazials entstehen konnten, dann müßten die heute z. T. schräg gestellten Verwitterungszapfen in einer vorangehenden Wärmephase entstanden sein. Dieses primäre Buckel-Mulden-Relief dürfte also den gleichen Aufbau gehabt haben wie die Buckelwiesen im Kloaschautal. Erst durch die darauffolgende periglaziale Überformung im ausgehenden Spätglazial kam es zur Schrägstellung der Zapfen.

     
  5. 5.

    Die entscheidenden Faktoren der Buckelwiesengenese sind Klima, Vegetation und Gestein. Das Klima muß kühl und niederschlagsreich sein. Eine mächtige und lang anhaltende Schneedecke, die im Frühjahr reichlich kaltes Schmelzwasser liefert, dürfte ebenso wie die Ausbildung mächtiger, saurer Humuslagen die Carbonatlösung sehr fördern. Carbonathaltiges Lockergestein oder grusige Dolomitverwitterungsdecken, nicht harte bankige Kalke, sind eine wesentliche Voraussertzung für die Genese der Buckelwiesen.

     

Genesis of the hummocky meadow in Kloaschau-Valley (Bavarian Alps)

Summary

Investigations of the hummocky meadow in the Kloaschau-Valley showed no symptoms of frost influence but clear symptoms of deep weathering below the depressions (Ah-horizon about 70 cm deep). Rapid solution of carbonate under rohhumus-vegetation seems to be the dominant process. It goes on in recent time only in the Alps but not in the riverplains of the Alpenvorland because a cold and perhumid climate is essential.

The hummocky meadow in Kloaschau-Valley has been formed in the young postglacial period.

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Copyright information

© Verlag Paul Parey 1974

Authors and Affiliations

  • W. Zech
    • 1
    • 2
  • U. Wölfel
    • 1
    • 2
  1. 1.Institut für Bodenkunde8 München 40
  2. 2.Geograph, Institut8 München 40

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