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Über die klinische und praktische Bedeutung der Bestimmung des mittleren Erythrocytehdurchmessers mit Hilfe der halometrischen Methode unter besonderer Berücksichtigung der Leberkrankheiten

Zusammenfassung

  1. 1.

    Es wird mit vergleichenden Kontrollmessungen die Me\genauigkeit des nach dem Pijperschen Prinzips konstruierten Erythrocytometers nachBock geprüft und die Grenzen seiner Anwendung bestimmt. Unrichtige oder gar keine Ergebnisse erhält man 1. bei Anämien unter 1,5 Mill., bei gleichzeitig niedrigem Färbeindex auch schon bei höheren Erythrocytenzahlen, 2. bei Leukocytosen über 50000 Zellen im mm3. Die Beurteilung der Anisocytose aus der Breite der Farbringe erlaubt nur eine annähernde Schätzung. Die Brauchbarkeit des Apparates bestätigt sich für klinische Zwecke und für wissenschaftliche Reihenuntersuchungen, bei denen es nur auf die Bestimmung der mittleren Erythro-cytendurchmesserwerte ankommt. In dem Bereich der Skala des Apparatesüber 8 µ sind Korrekturen zu den abgelesenen Werten anzubringen.

  2. 2.

    Bei 29 Fällen von Leberparenchymerkrankungen werden mikroskopische Einzelmessungen der Erythrocytendurchmesser angestellt und regelmä\ig Makrocytosen mit Durchmessermittelwerten zwischen 7,75 und 9,39 µ, (normal 7,3–7,7) gefunden. Die Variationsbreite als Ausdruck der Anisocytose liegt dabei im allgemeinen über der Norm. Die Ursache der Makrocytose ist in einer auf die Erythropoese wirkende Dysf unktion der Leber zu suchen, die aber mit den klinisch gebräuchlichen Funktionsprüfungen nicht zu fassen ist. Die pathogenetische Verwandtschaft mit der perniciösen Anämie wird als wahrscheinlich angesehen.

  3. 3.

    Es werden an einer grö\eren Anzahl von Patienten mit dem Erythrocytometer bei verschiedenen Krankheiten Erythrocytendurchmesserwerte bestimmt und im Krankheitsverlauf verfolgt. Bei Hyperthyreosen, Myxödemen und pluriglandulären Insuffizienzen werden normale Werte gefunden. Bei mit Insulin behandelten Diabetikern werden in 3 von 8 Fällen niedrige Werte gefunden. Bei arregenerativen Anämien wird eine leichte Erhöhung des mittleren Ery-Durchmessers nachgewiesen, in 2 von 4 Fällen von Polyglobulie bestand eine Mikrocytose. Die gelegentlich bei dekompensierten Herzerkrankungen gefundenen Durchmessererhöhungen werden auf die Leberstauung bezogen. Bei Magen-Darmerkrankungen werden insgesamt normale Werte, bei einem Fall von achlorhydrischer Anämie und 4 Fällen von Colitis die Durchmesser an der oberen Grenze der Norm gefunden. Ein pathogenetischer Zusammenhang zwischen Lebererkrankung, perniciöser Anämie und chronischer Magen-Darmerkrankungen wird als wahrscheinlich angesehen. Es gelingt nach Adrenalininjektion eine länger dauernde Verkleinerung der mittleren Erydurchmesser nachzuweisen, die als Ausdruck der Ausschüttung von in der Milz befindlichen, kleineren Erythrocyten auf-gefa\t wird.

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Die Untersuchungen sind in der Kieler medizinischen Klinik unter Leitung von Prof. Schittenhelm durchgeführt worden.

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Luckner, H., Tilger, F. Über die klinische und praktische Bedeutung der Bestimmung des mittleren Erythrocytehdurchmessers mit Hilfe der halometrischen Methode unter besonderer Berücksichtigung der Leberkrankheiten. Z. Ges. Exp. Med. 99, 126–143 (1936). https://doi.org/10.1007/BF02679142

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