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Research in Experimental Medicine

, Volume 95, Issue 1, pp 373–377 | Cite as

Gibt es einen Antagonismus der Sexualhormone?

  • Otfried O. Fellner
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Zusammenfassung

Es wird eine einfache Methode zur Darstellung der Sexualhormone aus größeren Flüssigkeitsmengen beschrieben. Unter Zuhilfenahme dieser Darstellungsmethode wurde gefunden, daß der Schwangerenharn viel mehr Maskulin enthält als der Urin von Männern. Das Maskulin dürfte aus der Placenta stammen. Darauf ist das häufige Auftreten von männlichen Sexualcharakteren in der Schwangerschaft zurückzuführen. Es kommt also zur Ausbildung männlicher Sexualcharaktere, obwohl große Mengen von Feminin im Blute kreisen. Diese Tatsache und weitere verschiedene Experimente lehren, daß bei ein und demselben Individuum stärkere Ausbildung der eigenen Sexualcharaktere und gleichzeitige Entwicklung der heterologen möglich ist. Die Anschauung von dem Antagonismus der Hormone und der Gonaden ist daher nicht haltbar. Auf das Wachstum der Glans hat Feminin keinen Einfluß, ebensowenig auf das der Stacheln. Maskulin schädigt zwar in gewissen Dosen die Eier, aber das gleiche bewirkt das Feminin. Maskulin hemmt nicht das Auftreten des Schollenstadiums. Nach Injektion von Maskulin können ganz junge Meerschweinchen (5 Wochen alte) besprungen werden. Hier zeigt sich neben Hyperfeminisierung männliche Zwittermanifestation (Stachelbildung). Maskulin hemmt nicht das durch Feminin bedingte Wachstum der Mamma. Sukort, ein wässeriger Extrakt der Nebennierenrinde, das wahrscheinlich Maskulin und Feminin enthält, hat die gleiche Wirkung wie die gleichzeitige Injektion von Maskulin und Feminin. Es besteht also kein Antagonismus zwischen den Hormonen. Die Lehre vom Antagonismus der Sexualhormone ist durch die Lehre vom Synergismus der Sexualhormone und der Gonaden zu ersetzen. Das Mosaikbild der sekundären Geschlechtsmerkmale bildet sich entsprechend der Menge der Hormone aus, die im Blute kreisen. Doch haben die Organe eine gewisse Resistenz gegen das heterologe Hormon. Diese Resistenz ist nicht durch das autochthone Hormon bedingt. Sie ist vielleicht darauf zurückzuführen, daß die Zellen der einzelnen Organe ab ovo sexuell differenziert sind und deshalb der Wirkung des heterologen Hormons großen Widerstand entgegensetzen. Es gibt spezifische sekundäre Sexualcharaktere, die nur auf ein Hormon reagieren und unspezifische, die auf beide, zumeist in verschiedenem Maße reagieren.

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Copyright information

© Verlag Von Julius Springer 1935

Authors and Affiliations

  • Otfried O. Fellner
    • 1
  1. 1.Universitätsinstitut für allgemeine und experimentelle Pathologie in WienWien

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