Research in Experimental Medicine

, Volume 95, Issue 1, pp 181–196 | Cite as

Die Spontankreatinurie bei innersekretorischen Störungen, ihr Vorkommen und ihr diagnostischer Wert

  • A. Schittenhelm
  • F. Bühler
Article

Zusammenfassung

Es wurden bei 60 Patienten mit größtenteils innersekretorischen Erkrankungen Untersuchungen des Kreatin-Kreatininstoffwechsels durchgeführt, um die Frage zu klären, inwieweit der Kreatinstoffwechsel von innersekretorischen Drüsen beeinflußt wird, inwieweit ferner Wechselbeziehungen dieser Drüsen untereinander auf den Kreatinstoffwechsel einwirken und an der Spontankreatinurie gewisser innersekretorischer Erkrankungen beteiligt sind. Die Untersuchungen ergaben, daß vorwiegend bei Hypophysen-, Schilddrüsen- und Keimdrüsenerkrankungen eine Spontankreatinurie im Harn nachzuweisen ist.

Hierbei zeigte sich, daß dieKeimdrüse einen überragenden Einfluß auf den Kreatinstoffwechsel ausübt, indem sie bei intakter Funktion eine Kreatinurie verhindert, bei gestörter Funktion eine solche auslöst. Gewisse Wechselbeziehungen zwischenHypophyse und Keimdrüse, die vielleicht den Kreatinstoffwechsel beeinflussen, werden dahin gedeutet, daß die Hypophyse die Kreatinausscheidung im Harn von sich aus anregt, normalerweise aber in dieser Betätigung durch die Keimdrüsenfunktion gehemmt wird. Es wird jedoch auch für möglich angesehen, daß die Aufgabe der Hypophyse nur in einer Anregung der Keimdrüsentätigkeit liegt und somit die Keimdrüse allein die Verhältnisse des Kreatinstoff-wechsels bestimmt. Die Bedeutung derSchilddrüse in ihrer Wirkung auf den Kreatinstoffwechsel kam dadurch zum Ausdruck, daß in einigen Fällen von Basedow eine Kreatinurie gefunden, bei Myxödem aber vermißt wurde. Daß die Schilddrüse hierbei in Wechselbeziehung zum Hypophysen-Zwischenhirnsystem in den Kreatinstoffwechsel eingreift, wird für möglich gehalten.

An Patienten mit Keimdrüsenstörungen wurde die Beobachtung gemacht, daß die aufBelastung mit 500 mg Kreatin mehr Kreatin ausscheiden, als Patienten mit anderen innersekretorischen Störungen unter denselben Bedingungen. Es wird die Möglichkeit erwogen, dieses Verhalten bei keimdrüsengestörten unklaren Fällen differentialdiagnostisch gegenüber anderen innersekretorischen Störungen zu verwerten.

Die Kreatinstoffwechseluntersuchung von Vasoneurosen und einigen anderen Krankheitszuständen (Chondrodystrophie, Transvestismus) ergab ein negatives Resultat.

Es werden einige Krankheitsfälle, (Anämien u. a.) angeführt, bei denen die Spontankreatinurie im Stadium der Besserung der Krankheit wieder verschwand.

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Copyright information

© Verlag Von Julius Springer 1935

Authors and Affiliations

  • A. Schittenhelm
    • 1
  • F. Bühler
    • 1
  1. 1.Medizinischen Universitätsklinik in KielKielDeutschland

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